Schlägt (noch immer) hohe Wellen
Katastrophenfilme gibt es viele, sie erlebten in den auslaufenden 60ern/frühen 70ern ihren Hypehöhepunkt, doch auch solche späteren Kracher wie „Daylight“ (der sich von diesem Untergang der Poseidon eine Menge abgeguckt hat!) bis in luftige, trashige, apokalyptische Höhen wie „2012“ zeigen, dass solche lauten Spektakel wohl nie ganz aus der Mode kommen werden. „The Poseidon Adventure“ ist einer dieser ikonischen Vorreiter, an dem sich nicht nur sein direktes Remake von 2006, sondern nahezu alle Katastrophen-Actioner messen müssen. Und meist dabei sang- und klanglos untergehen... Dieses Hochseedesaster, inszeniert von Ronald Neame, einem echten alten Hollywood-Haudegen, erzählt von der S.S. Poseidon, einem Luxuscruiser, der auf seinem Weg von New York nach Athen von einer Monsterwelle wortwörtlich auf den Rücken gelegt wird. Und die paar Überlebenden im Inneren müssen sich nun ihren Weg durch das auf dem Kopf stehende Riesenschiff bahnen, um noch eine kleine Hoffnung auf Rettung zu haben...
„Die Höllenfahrt der Poseidon“ ist bei vielen in Kindheitserinnerungen und Nostalgie getränkt, kann sich jedoch auch ohne rosarote Brille noch absolut sehen lassen. Das Ding funktioniert einfach. Intuitiv, groß, packend. Die Besetzung, u.a. mit Hackman (als überzeugender Leader!), Borgnine und Leslie Nielsen in einer kleinen Nebenrolle als Kapitän, ist spektakulär, die umgekehrten Räume, Säle und Flure des Traumschiffs sind grandios und, wahrscheinlich der wichtigste Punkt, die einzelnen Figuren sind einem nicht egal. Ganz im Gegenteil. Es sind zwar nicht wenige, Klischees und sogar nervige Kinder sind auch nicht weit, doch jeder Überlebende hat Charakter, Seele und Eigenarten, sodass das Mitfiebern stark gesteigert wird. Außerdem ist die Gefahr zu sterben immer und für ausnahmslos alle da, was auch nicht jeder Katastrophenschinken von sich behaupten kann. Sowohl die großen, spektakulären und krachen Seiten passen, als auch die intimeren und menschlicheren. Rechnet man dazu einen soliden Score, einige fesselnde (wenn auch aus heutiger Sicht eher auf dem Boden gebliebenen) Setpieces und meine total subjektive, grundeigene Angst vor massiven, hundertmeterhohen Wellen, dann sollte jeder verstehen, warum ich die Poseidon immer gerne ausgrabe und die Daumen drücke. Selbst wenn der Ausgang längst bekannt ist. Weiteres Plus: auch als Silvesterfilm für die ganze Familie taugt der was!
Fazit: edel, intensiv, beeindruckend, vom Setting bis zum Ensemble - dieses Original ist und bleibt einer der essenziellen und besten Katastrophenfilme. Ein atemloses Abenteuer. Erst recht im Vergleich zum austauschbaren, überzogenen, künstlichen Remake. Das hier is'n Klassiker wie er im Buche steht, vom Buck bis zum Anker. Direkt zwischen „Airport“ und „The Towering Inferno“.