Eine Kritik zu "Conquest" von Lucio Fulci
Barbarenwelt; das Recht des Stärkeren zählt, die wenigen Menschen sehen sich Hunger und schrecklichen Gefahren ausgesetzt, zumal ein üble Hexe nach ultimativer Macht strebt und nicht gerade wie Mutter Theresa über ihr Land herrscht. Mittels unmenschlicher Streitkräfte will sie einen magischen Bogen in ihren Besitz bringen, doch der junge Bogenschütze hat kraftvolle Verstärkung und denkt nicht daran, die Waffe rauszurücken.
Wie schafft man es, einen Conan-Abklatsch mit kaum Geld und noch weniger Ideen trotzdem zu vermarkten, obwohl alle das Werk als Gewaltorgie bezeichnen? Nun, zum einen muss man Italiener sein und zum zweiten muss man Fulci heißen. So richtig stringent ist die Handlung ja nicht, eher konfus, und die Schauspieler sind zwar keine Katastrophe aber sogar zweitrangige Ami-Darsteller hätten das besser gekonnt. Dennoch: von Beginn an spüren die, die es interessiert, die absolute Präsenz unseres Lucio hinter der Kamera. Super Elektro-Score (Simonetti), super-düstere Aufnahmen, so mancher Ausflug ins Surrealistische und ein gewaltiges Maß an ungezügelter Gewaltdarstellung. Barbaren auch hinter der Kamera? Wohl kaum, Fulci wusste seit jeher, was die Leute ins Kino lockt, gerade, wenn man keine überzeugende Story zu bieten hat - Sex und Gewalt. Ja, die sexuellen Anspielungen der fiesen Hexe sind überdeutlich und zahlreich (auch wenn das Finale jeden Spass versauen dürfte), während die Goreeffekte in Hülle und Fülle die düsteren Landschaftsaufnahmen in lange und sehr nahe Direktzooms verwandeln. Dass der Film weitgehend jeder Komik entbehrt, grenzt ihn von seinen Genre-Kollegen vor allem fürs jüngere Publikum vollständig ab. Fulci hat bizarre Gestalten viel lieber als bunte Spielereien in blühender Landschaft. Ob die oft sehr dunklen Aufnahmen Absicht sind, oder dazu dienen, die Chewbaca-Outfits nicht der Lächerlichkeit preiszugeben, sei dahingestellt. So richtig albern wirds trotz vieler sicherlich unperfekter Masken niemals, was dem Film wirklich hilft. Fulci macht sein Barbarenspektakel zum Horror-Fantasy-Genre-Mix für Erwachsene und so schlecht ist das alles sicher nicht geworden. Nur zum Ende hin kann man zeitweise ein großes Fragezeichen über seinem Kopf nicht vermeiden, wenn die Schnitte ein wenig zu sehr das vernichten, was der Zuschauer erwartet - Nein, ich rede nicht von Zensurschnitten, sondern von so Sachen wie: es geht aufs Finale zu, nach einer einfachen Kampfszene kommt der Schnitt und plötzlich trägt einer der Krieger den abgeschnittenen Kopf eines der Helden zur fiesen Hexe - ich hätte damit nicht gerechnet! Egal, muss wirklich nicht immer 0815-Erzähltweise sein, oder?
Die deutsche Fassung kam erstaunlich unbescholten davon, nur ein kleiner Schnitt - bedenkenlos zugreifen, denn es steht in den Sternen wann man von dem Film eine brauchbare Neuveröffentlichung in die Finger kriegt.
Fazit: Sicher nicht spannend oder unterhaltsam genug, aber ungewöhnliche Aufnahmen, viele Masken und beinah grenzenloser Low-Budget-Gore heben "Conquest" aufs Podest der Barbarenfilme.
Härtegrad: 7 von 10
Gesamteindruck: 6 von 10