Allmählich wird's schwierig mit Fulci - Lutz'n und mir: Nicht wegen des Menschen und seines Gesamtschaffens an sich, sondern, weil mir langsam die Filme ausgehen. Die Höllentore habe ich hier allesamt aufgeschlagen und wieder zugeschmissen, die Heuler aus der zweiten Reihe und einige seiner Genresprünge auch schon ausfürlich behandelt und an die von mir heiß begehrte "Schlacht der Centurions", die ich persönlich als alter Endzeitfetischist weit intensiver zu besitzen begehre als den getragenen Sonntagsschlüpper von Miss Jones, bin ich bisher noch nicht rangekommen. Irgendwie nhüten sämtliche Filmsammler ihre ranzige Red Edition - DVD vor mir und einem lukrativen Weiterverkauf wie Gollum den Ring vor der Außenwelt und auf Labelgnade ist im deutschen Sprachraum scheinbar nicht zu hoffen - FilmArt, XT und co., ich schaue in eure Richtung. Na gut, dann "Conquest". Nicht, dass der unschaubar wäre - im Gegenteil - es ist halt eine der weniger naheliegenden Wahlen.
Wie das hier zustande kam dürfte selbst erklärend sein: Der unerhörte Postmortem - Erfolg von Robert E. Howards "Conan" - Geschichten zog ja bekanntermaßen einen ganzen Rattenschwanz an Nachahmern im Kampf und Ruhm, Ehre und Lira nach sich. Ein Jahr vor dem Prequel des kopierten Schwarzenegger - Filmes ließ also auch Herr Fulci sich nicht lumpen und drehte mit jeder Menge Schweiß, Blut und Nebel (aber auch historisch inakkuraten Riesenmengen an Haarspray) seine Variante des Stoffes, die man bei der Menge an Primitivlingen und dicker Luft auch beruhigt "Gorillas im Nebel" hätte nennen können. Irgendwie muss ja auch ein Herr Fulci seine Villa abbezahlen und das Gold dafür hat er sich redlich verdient.
Wir werden Zeuge der Mannwerdung des jungen Kriegers ilias: der Bastard aus Keanu Reeves und Wolfgang Petry ist von seinem Stamm auserkoren worden, als Träger eines magischen Bogens mit lustigen Blinkepfeilen die machtgierige Hexe Ocron zu stürzen, die mit Goldmaske und bronzenem Kampftanga bekleidet ( + 10 auf Charisma, - 10 auf Intimhygiene und Tragecomfort) jeden Morgen frecht einen auf Sonnengöttin macht und ihre Untertanen tyrannisiert - bitte, wem's gefällt.
Da Ilias trotz kriegerischer Ausbildung dennoch ein wenig zu krass im Reiche Ocrons rumdusselt und beinahe seinen schmächtigen Arsch bis zum Kinn aufgerissen bekommt ist es nur eine Frage der zeit, bis der Schmahlhans vom Dienst dem Barbarenkrieger und selbsterklärten Menschenfeind Mace vor die breiten Füße purzelt. Der lebt als eine Mischung aus Beastmaster und Späthippie im Ödland und verbringt seine Tage als Ausgestoßener (ohne genannte Gründe) mit der Jagd und der gelegentlichen Begattung einer Homo erectus - Dame mitsamt ihrer (und vielleicht auch seiner) Tochter, die er seinem neuen Schützling prompt als Nachtisch zur Rohfleischplatte darbietet. Der hat aber nur seine Mission im Kopf und so zieht das ungleiche Duo im Schein des Weichzeichners weiter durch die Pampa, um Ocron und ihrer Armee aus laufenden Rehpinschern mit Grundschülerintellekt ("Ich brauche Werwolfskrieger für mein Reich." - "Wir haben Werwolfskrieger zu Hause.") in den Boden zu stampfen. Und nebenher einige Höhlentrottel, Zombies und dem Höllenkaviar selbst entschlüpften Fischmenschen, die sich als drollige kleine Stolpersteine mit Blutfüllung in den Weg der beiden Barbarenbubies legen.
Keine steinerne Foltermühle, kein Schlangenkult, keine Begleiterpartie und kein Sklavenleben, einzig Maces Kreuzung ist eindeutig aus dem "Conan" - Meisterstück von John Milius geklaut. Der Rest ist original den Hirnen von Fulcis Autorenteam Gino Capone, José De La Loma Sr. und Carlos Vasallo entschmalzt und zu Ohren rausgekullert, die viele Tropen des noch jungen Fantasykinos bedienten, aber der klassischen Heldenreise gleich den Arschtritt Richtung narrativer Mülltonne verpasst haben. SPOILER: Es ist ausgerechnet Menschenfeind und Gesellschaftsgegner Mace, der von der Freundschaft zu Ilias beflügelt und von dessen Tod sichtlich angefressen Ocron zu Klump schießen darf, was passt: Ilias hat in dem Film außer fliehen und Mace bei den gemeinsamen pseudophilosophischen Dialogen als Gesprächspartner zu dienen seeeehr wenig zu tun. Am Ende darf seine Asche Mace noch zwecks Kräfteübertragung (als ob der es nötig hat) einen fetten Bonus gegen die Sonnenehexe geben, indem er sich mit den Körperkrumen seines Schützling einschmiert, ihn quasi als Rachfrodisiakum verwendet. So it goes... SPOILERENDE!
Die Welt, die hier vor der nackten Sonnengöttin der Hinterfotzigkeit gerettet werden soll ist im Übrigen eine recht trostlose und gefährliche, die einer postapokalypse im Eisenzeitalter gleicht und mich im weitesten Sinne an Szenarien a la "Dark Sun" oder "Earthdawn" erinnert, die ähnliche Themen von zerfallenen Fantasywelten bedienen. Nur mit weitaus weniger absurder Strahlkraft als die italienischen Settings. Ein Schuss "Keoma" kann man hier als Westernfreund auch in der Einsamkeit der durchseuchten Welt Ocrons entdecken, wenn auch Fulci alles dramatisch reduziert hält. Die Schauwerte mögen sich zwar auf viele Blinkepfeile aus dem Feuchtebogen, Nebel in Massen und den eher kuriosen Pelzmasken der Killerfiffies beschränken, aber ich kann nicht behaupten, keinen Spaß gehabt zu haben. Wie üblich nur halt nicht so wie vom Macher intendiert. Aber auch "Conan" hatte seine Trashmomente.
Der Score des Filmes hingegen ist sein ganz eigenes Tierchen: Zwischen den hörbaren Momenten hat man glatt das Gefühl, Claudio Simonettis Katze über die tasten seiner Synthsammlung laufen zu hören oder einer NES - Konsole beim Durchschmoren zuzuhören. Nicht komplett unhörbar, aber man ist vom maestro anderes gewohnt als diese eher videospielartige Klangknarzerei.
Alles in allem ist "Conquest" eines der wenigen "Conan" - Ripoffs, bei dem man sich nicht komplett um sein Geld betuppt fühlt, da Fulci und co. hier eigene Wege herabwatscheln. Dass es als Beilage einen ordentlichen Schluck aus Fulcis hauseigener Gulaschkanone gibt ist ein netter Bonus. Der Streifen lässt einen glatt bedauern, dass Fulci wenige Jahre später das Genrehopping einstellte und dem Horror treu blieb. Im pseudohyborischen Zeitalter hat der Mann nämlich eine durchaus unterhaltsame Figur abgegeben. Salve, Lucio: Die Blödgeweihten grüßen dich!