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Der hierzulande vornehmlich für seine Mystery-/Horror-Thriller „Das Haus der lachenden Fenster“ und „Zeder – Denn tote kehren wieder“ bekannte italienische Regisseur Pupi Avati drehte zwischen diesen beiden Filmen, genauer: im Jahre 1977 ein Kuriosum, das lediglich Kennern bekannt ist: Die Giallo-Komödie „Neun Leichen hat die Woche“.

Dante (Carlo Delle Piane, „Was?“) streicht irgendwann zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Lande und versucht, an vielversprechenden Adressen angeblich exklusive Bücher gewinnbringend zu verhökern. So verschlägt es ihn eines Tages auch auf einen toscanischen Familiensitz, dessen Oberhaupt just verstorben ist. Er platzt gewissermaßen mitten in die „Trauergemeinde“, eine Ansammlung merkwürdiger Menschen, u.a. bestehend aus einem Cowboy aus Texas, einem Kleinwüchsigen und einem zwanghaften Masturbator (Pietro Bona, „Mazurka del barone, della santa e del fico fiorone“) mitsamt seiner Sexbombe von einer Pflegerin. Da sich ein junger Spross jener exzentrischen Adelssippe, Ilaria (Francesca Marciano, „Das Haus der lachenden Fenster“), spontan in Dante verknallt, sieht er sich gezwungen, zumindest eine Zeitlang in diesem regelrechten Irrenhaus zu verweilen. Doch es wird bald noch irrer, denn ein unbekannter Serienmörder beginnt, sein teuflisches Handwerk zu verrichten und ein Familienmitglied nach dem anderen dahinzumeucheln. Tobt ein tödlicher Kampf ums Erbe? Der hinzugezogene idiotische Privatdetektiv Martini (Gianni Cavina, ebenfalls „Das Haus der lachenden Fenster“) ist bei der Aufklärung leider keine große Hilfe…

„Neun Leichen hat die Woche“ bleibt nicht nur in Sachen Genre-Melange kurios – wann hätte man schon einmal von einer Giallo-Komödie gehört? –, sondern auch in seinen Ingredienzien: Klassische Giallo-Motive, in diesem Falle der Mörder im schwarzen Umhang und Hut im Umfeld entrückter Vermögender und Geldgieriger, treffen, gepaart mit etwas Mystery, auf Parodien derselben, Thriller- und Krimi-Stereotype werden herzlich durch den Kakao gezogen und sind neben den gut aufgelegten Schauspielerinnen und Schauspielerin das Salz in dieser Suppe. Auf der anderen Seite stehen zahlreiche Albernheiten wie die extrem überzeichneten Figuren, Slapstick-Einlagen und an Sex-Klamotten erinnernde, klamaukige Obszönitäten. Deren Höhepunkt ist eine bizarre Maschine, die Masturbator Donald von der Selbstbefriedigung abhalten soll, was letztlich dann auch ein für alle Mal gelingt… Eine weitere ungewöhnliche Waffe stellt ein zweckentfremdeter Fön dar.

Was zunächst als Groteske noch recht gut funktioniert, angenehm unterhält und durchaus Atmosphäre entwickelt, wird leider zunehmend alberner und vor allem beliebiger, wozu der Jazz-Soundtrack wiederum passt. So halten sich positiver Überraschungseffekt, Freude an den darstellerischen Leistungen und der Wohlfühlfaktor im heimeligen Italo-Genre-Ambiente die Waage mit Kopfschütteln und Unverständnis für manch Flachwitz, Absurdität und ästhetische Unbeholfenheit. Sehenswert ist Avatis „Neun Leichen hat die Woche“ für ein geeichtes europhiles Publikum dennoch – auch über seinen Exotenstatus hinaus.

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