Das Multitalent Takeshi Kitano hat mal wieder zugeschlagen. Diesmal nicht in der Kombirolle als Regisseur und Hauptdarsteller, sondern einfach nur als leading actor. Doch Kitano liefert schon wie so oft in seiner Karriere eine bemerkenswerte Leistung ab.
In den 20er Jahren dringt eine große Welle von Koreanern nach Japan. Darunter ist der Südkoreaner Kim Shun-pei, der ein neues Leben in Osaka beginnen will, da die Japaner Korea eh fast vollständig eingenommen haben. Kim kämpft auch im Krieg auf der koreanischen-japanischen Seite gegen das kommunistische China. Dennoch gibt es in Osaka ein Ghetto für Koreaner, in denen große Armut herrscht.
In diesem Viertel beginnt der tyrannische Kim eine Fischfabrik aufzubauen. Dabei schikaniert er ohne Gnade und mit jeder möglichen Härte seine Arbeiter und seine eigene Familie.
Kim ist besessen von Sex, doch noch mehr besessen ist er vom Geld. So wundert es kaum, dass sein erster Sohn das Resultat einer Vergewaltigung seiner eigenen Ehefrau ist.
Kim setzt unzählige Kinder in die Welt, hat mehr als eine Geliebte, wird immer brutaler, schließt sein Fischgeschäft, um schließlich ein erbarmungsloser Kredithai zu werden.
Fast 60 Jahre von Kims Leben werden beleuchtet, doch selbst im hohen Alter ist der Tyrann zu keiner Wendung bereit und muss die Konsequenzen seine unbarmherzigen Lebens ertragen...
„Blood and Bones“ wird man so schnell nicht vergessen, so brutal und menschenverachtend sind die Bilder, gleichzeitig ist Kitano, egal ob vor oder hinter der Kamera, einfach phänomenal. Kitano ist brillant in der Rolle des tyrannischen Hausherren, der seine komplette Familie verprügelt, gerne mal einen zuviel über den Durst trinkt und junge Frauen nur für das eine ansieht. Wichtig bei so einer Rolle ist, dass der Charakter hier nicht irgendwann komplett lächerlich wirkt, aber genau das verhindert Kitano. Die Person des Kim ist ruhig, doch wehe, es wird der berühmte Schalter umgelegt, dann ist Kim nicht mehr zu stoppen.
Der ganze Film hat eine Atmosphäre, die man kaum beschreiben kann. Der Nachteil westlicher Zuschauer ist einfach, dass er sich in der asiatischen Geschichte nicht wirklich auskennt. Zwar ist das Verhältnis einiger Koreaner zu den Japanern bekannt, doch wirklich erklärt oder rekapituliert wird es hier nicht, da viele Asiaten diese Geschichte nun mal kennen. So werden sich viele westliche Seher schwer tun, dies zu verstehen oder sitzen komplett im Dunklen.
Was auch fehlt, ist eine komplette Erklärung dafür, dass sich Kim so entwickelt hat. Der Film beginnt zu Begin der 20 Jahre, als Kim noch jung ist und sich gerade auf einem koreanischen Schiff befindet, Osaka vor sich. Kim lächelt, scheint seinem Traum nahe. Vielleicht bricht hier das Leben des Kim, denn Osaka heißt die Koreaner alles andere als Willkommen und verfrachtet sie in Ghettos, wo sie in Armut leben. Jedenfalls gibt es einen fast 20 Jahre langen Zeitsprung, der Kim nun als Tyrannen zeigt.
Von da an ist Kim eine Person, die keinen Funken Menschlichkeit mehr im Körper hat und es ist schwer, diese Person auf dem Bildschirm zu ertragen. Jeder Waffe wird von Kim ausgespielt, sei es körperliche oder psychische Gewalt. In nur noch einer Szene erkennt man so was wie Menschlichkeit in Kim. Aber selbst diese Zustands dauert nicht lange an und wahrscheinlich erträgt es Kim nicht, auch mal etwas für andere Menschen zu fühlen und beseitigt diese Ursache. Von da an ist er wieder der Alte, dem selbst die Krebserkrankung seiner Frau nicht interessiert. Strahlentherapie, wozu, sterben wird sie ja eh.
Es kommt der Moment, in der das scheinbar unzerbrechliche Joch von Kim doch langsam anfängt zu bröckeln. Nur durch Kitanos Glanzleistung hat man hier Mitleid mit dem Tyrannen, obwohl er fast 2 Stunden vorher alles getan hat, um vom Zuschauer gehasst zu werden. Doch selbst hier ändert Kim sein Verhalten nicht und muss schlussendlich die Konsequenzen tragen, wenn der Film wortlos beendet wird und das Kapitel Kim endgültig zugeklappt wird. Der Zuschauer spürt Erleichterung, aber gleichzeitig fährt ein gewisser Schauder über seinen Rücken.
Fazit „Blood and Bones“ ist alles andere als ein Unterhaltungsfilm, der vom Zuschauer viel verlangt und es nicht verzeiht, nur einige Minuten unaufmerksam zu sein. Die Gewalt in dem Film, sei sie körperlich oder psychisch, ist kaum auszuhalten. Takeshi Kitano zeigt mal wieder, warum er wahrscheinlich das bekannteste Gesicht des japanischen Films ist. Kitano ist ein Meister, egal ob er nun hinter der Kamera steht oder den Hauptdarsteller gibt.
„Blood and Bones“ ist ein kleines Epos, welches nur den Nachteil hat, dass es für den westlichen Zuschauer nicht leicht zu durchschauen ist und einige Erklärungen vermissen lässt. Aber sonst ein Film, den man sich zur ruhigen Stunde mal ansehen sollte. Brillant.