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Mancher Genrefilm aus Australien ist bemerkenswert, viele zumindest originell, wenn auch nicht immer gekonnt umgesetzt. John D. Lamond, sonst eher im Erotikgenre zu finden, inszenierte 1980, in der Blütezeit des Slashergenres (zwei Jahre nach Carpenters "Halloween") diesen Genrebeitrag, der sich mit einer kindheitstraumatisierten Jungschauspielerin und deren beruflichem Umfeld beschäftigt. Colin Eggleston, Regisseur des unbedingt sehenswerten "Long Weekend" von 1978, übernahm hier die Produktion, das Drehbuch und den Schnitt. Leider überzeugt er in diesen drei Funktionen nicht ansatzweise so wie in seinem zwei Jahre älteren, kraftvollen Öko-Thriller. Wenngleich die Produktionswerte stimmen, so sind das Script und (wenn es drauf ankommt) auch der Schnitt doch weitgehend in die Hose gegangen. Die Dialoge in "Nightmares" tun zumindest in der (wenig überzeugenden) deutschen Sprachfassung richtig weh, so stereotyp aus dem Ärmel geschüttelt klingen sie, und wecken den Wunsch, den Charakteren den Mund zuzunageln. Schon das Trauma der noch kindlichen Heldin zu Beginn wird dem Zuschauer in ruppigen Worten in den Kopf gedroschen.

Bemerkenswert ist immerhin die Kameraarbeit von Garry Wapshott, der auch Lamonds Erodram "Felicity" weichzeichnerisch ablichtete und für "Nightmares" vielleicht gar vorab den einen oder anderen Giallo als Inspirationsquelle gesichtet hat. Ob nun er oder Lamond die treibende kreative Kraft hinter dem Bildgestaltungsprozess war, Wapshotts Kamera findet für jede Szene eine spannende Perspektive und so hat der Film zumindest einen Ansatz dafür, sein grottiges Drehbuch zu überwinden. Aber wenn es zu den Mordszenen kommt, wird deutlich, dass deren Choreographie in Verbindung mit SFX-Technik doch lange nicht so einfach ist, wie unreflektierte Trashvorwürfe dem Italokino immer gern unterstellen. Ein repetitiv ins Bild slashender Glasdolch aus dem Off und der sich windende Opferkörper sind oft so schwach montiert und in Einklang gebracht, dass die durch die angemessene Beleuchtung zumindest ermöglichte Intensität der Szene verpufft.

Für die energische, jedoch mitunter enervierend an Bernard Herrmanns "Psycho"-Klänge gemahnende Streicheruntermalung zeichnet Australiens namhafter Genrefilm-Komponist Brian May verantwortlich, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Queen-Gitarristen. Unter den Darstellern sticht insbesondere Jenny Neumann als Protagonistin hervor, die es immerhin draufhat, im Bedarfsfall ein richtig böses Gesicht zu machen. An ihren besonders schlimmen Figurenzeichnungen kämpfen sich Max Phipps als egomaner Regisseur und John-Michael Howson in einer bösartig gezeichneten Schwulenkarikatur als Theaterkritiker ab. Gary Sweet kommt das zweifelhafte Privileg einer nichtssagenden männlichen Hauptrolle zu, in der er hauptsächlich damit beschäftigt ist, nichts von den mörderischen Umtrieben seiner Angebeteten zu ahnen (dass sie die Killerin ist, wird vom Film nie verhohlen).

Fazit: In der hochinteressanten australischen Genrefilmlandschaft der 70er und frühen 80er Jahre gehört "Nightmares" nicht zu den strahlenden Juwelen, wenngleich zumindest in puncto Bildgestaltung vieles richtig gemacht wurde.

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