Mit "Ju-on" feierte Regisseur Takashi Shimizu auf dem Sektor des Horrorstreifens in Japan einen unglaublichen Erfolg. Da das Werk von vielen Fans und Kritikern als gruseligster Film aller Zeiten bezeichnet wird, war es letztendlich nur eine Frage der Zeit, bis sich Hollywood - wie schon bei "Ringu" und "Dark Water" - um ein Remake bemühte.
Für die US-amerikanische Neuauflage veränderte man die Story des Originals nur geringfügig. Um den Film für das westliche Kinopublikum massentauglich zu machen, wurden alle japanischen Protagonisten der Vorlage (bis auf wenige Ausnahmen) zu Amis; der Schauplatz bleibt dennoch weiterhin Japan. Ansonsten ist alles wie gehabt: Seit vor ungefähr drei Jahren ein Familienvater aus Wut Ehefrau und Kind ermordet hat, liegt auf dem Ort des schrecklichen Geschehens ein Flucht, der alle trifft, die es nur wagen, das Haus zu betreten. Inzwischen lebt in der Wohnung das amerikanische Ehepaar Williams samt kranker Mutter, welche ständig Betreuung braucht. Ihre Krankenschwester und Pflegerin Karen (Sarah Michelle Gellar) wird ebenso schnell Opfer grausamer und mysteriöser Geschehnisse wie die Familie Williams selbst.
Eins vorweg: Für mich war bereits das Original aus Japan ein mauer und total überbewerteter Schocker im Stille von "Ringu" und Konsorten - weder besonders originell, noch gruselig. Alles was darin vorkam, hat man mindestens schon einmal woanders gesehen, und das meist noch viel besser inszeniert als hier. Überraschenderweise gibt sich der Regisseur des Originals abermals die Ehre; aber ob er sich damit einen Gefallen getan hat, ist allerdings fraglich. Denn selten war ein Remake so überflüssig wie das von "The Grudge". Im Kampf "Original vs. Neuauflage" gibt es keinen klaren Gewinner, da jeder der beiden Kontrahenten seinem Mitstreiter in der einen oder anderen Kategorie ein klein wenig überlegen ist. Die Story ist beim Remake etwas einfacher zu verstehen und nicht mehr ganz so konfus, dafür ist das Original beispielsweise weniger überhastet und bietet bessere Schocks. Insgesamt gesehen schenken sich beide Filme in Sachen Qualität, Präsentation und Inhalt nicht viel. Wer einen der beiden kennt, kennt auch den anderen.
Das Remake präsentiert sich in der üblichen Düsteroptik, mit zum Teil geschickteren Kamerafahrten und Einstellungen als im Original. Die mit Rückblenden arbeitende Erzählweise der Geschichte ist etwas klarer und verständlicher und auch einige Logikfehler wurden beseitigt. Leider fehlt der Neuauflage der typische Gruselflair und die wenigen Schockmomente, die im Original funktionierten, verpuffen hier leider total. Die trivialen und altbackenen Gruseleffekte, die dank unterdurchschnittlicher CGI und ziemlich einfallslosem Make-up teilweise schon ins Lächerliche abdriften, tun absolut nichts für ein schauriges Ambiente und hinken denen des Originals weit hinterher. Das "kleine Mädchen/Junge als Racheengel"-Motiv könnte inzwischen sowieso kaum ausgelutschter sein und sorgt nur noch für ein müdes Gähnen. Während das Original noch teilweise etwas Spannung durch gekonntes Hinhalten des Zuschauers aufbaute, spult das Remake seine vermeintlichen Schocks viel zu schnell und ohne irgendeine innovative Idee ab. Höchstens ein- bis zweimal präsentiert der auf Sparflamme dahinköchelnde Streifen seinem Publikum gut inszenierte Momente mit etwas Gänsehaut-Garantie - aber das ist leider viel zu wenig.
Leider bleiben auch die Schauspieler mehr schlecht als recht in Erinnerung. Das fängt schon bei einer total fehlbesetzten Sarah Michelle Gellar an, bei der es vielleicht gerade noch zu "Buffy" reicht, aber hier ist das sexy Blondchen trotz Bemühungen total überfordert. Fast alle Darsteller, so auch leider der begnadete Bill Pullman, wirken total statisch und abwesend, als ob keiner so recht wußte, was da überhaupt gespielt wurde. Allein Clea DuVall gibt sich gut wie immer - sie ist aber ironischerweise nur ein paar Minuten auf dem Schirm zu sehen.
Die Optik und Regie gelangen geringfügig besser als beim Original. Alles scheint sehr routiniert und ordentlich, aber dennoch leider viel zu gewöhnlich, um als extravagant oder einzigartig in Erinnerung zu bleiben.
Kurz gesagt vereinen sich hier ein Dutzend billiger Schocker-Clichées und streckenweise Langeweile, um einen Streifen zu präsentieren, der als Neuauflage genauso durchschnittlich wie sein total überhyptes Original ist. Das beinahe schon motivationslose und lieblos abgeklatschte "The Grudge"-Remake verpufft in einer gleichgültigen Nichtigkeit und ist höchstens für hoffnungslose Schockerfans ohne viel Anspruch und Durst nach Innovation akzeptabel. Denn man muss schon wirklich absoluter Neuling der Gruselszene sein, um hier dauerhaft geschockt werden zu können. Auf dem Sektor des Suspense- und Horrorfilms gibt es um Längen bessere Streifen - sei es nun aus Asien oder gar Amerika.