Ju-On zum fünften! Angefangen hat eigentlich alles im Jahre 2000, als der japanische Regisseur Takashi Shimizu ,zwei unheimlich gruselige Geisterhaus-Geschichten für den TV-Markt verfilmte. Ju-On war geboren. Da der Erfolg immens war, schob er in Windeseile zwei Kinoversionen mit Namen "Ju-On: The Grudge" nach und wieder ließ der Erfolg nicht lange warten, sowohl in den japanischen Kinos, als auch weltweit auf DVD und VHS. Sam Raimi, der uns schon mit fabelhaftem Schocker-Kino alla "Tanz der Teufel" beglückte, erkannte in diesen Filmen das Potenzial fürs amerikanische Gruselkino. Und er spielte mit dem Gedanken, Shimizu zu fragen, ob er nicht noch einmal einen Ju-On-Streifen drehen würde, dieses mal allerdings fürs westliche Kino und mit amerikanischen Darstellern. Gedacht, getan, konnte Raimi seine Vision Wirklichkeit werden lassen und lieferte prompt einen Nr. 1-Hit ab. Und dieser steht dem Original auch in kaum etwas nach.
"The Grudge - Der Fluch" ist im Prinzip eine 1:1-Kopie des Originals. Bis auf einige wenige unbedeutende Änderungen, läuft auch diese Ami-Version nach dem bekannten Grusel-Schocker-Shema ab, welches auch schon den japanischen Streifen zu einem Zitter-Erlebnis aller erster Güte machte. Und somit ist es auch nicht verwunderlich, dass auch hier die Geschichte nicht mehr als ein Aufhänger, für die ganze Panikmache, zu bewerten ist. Die Story um einen Fluch, der ein jeden packt, der einmal in das Haus mit der tragischen Vergangenheit gegangen ist, ist auch dieses mal merklich dünn geraten. Die Aufklärung des Fluchs läuft auf banalem Wege ab und wirkt kaum überzeugend. Zudem sind auch Logik-Lücken nicht gerade selten und eine gewisse Innovation ist ebenfalls kaum auszumachen. Deshalb sollte man seine Erwartungen, in diesem Punkt, auch wirklich auf ein Minimum einstellen.
Denn wie schon das Original, so lebt auch der US-Fluch hauptsächlich von seinen Schockeffekten und die sind wieder absolut genial und packend ausgefallen. Auch wenn sie druchaus vorhersehbar sind, so können wirklich alle Schock-Szenen für Gänsehaut sorgen. Wenn der blasse Geist der getöteten Frau durchs Haus schleicht, ein bleiches Kind, mit riesigen Augen, anfängt herum zu kreischen und allerhand Merkwürdiges fabriziert und auch sonst alle möglichen Geräusche von überall her ans Ohr des Zuschauers dringen, dann ist Schrecken garantiert. Dazu manch visueller Gruselschmaus, wie z. Bsp. der ewig japanische Schockeffekt mit den langen schwarzen Haaren. Durch eine brillant düstere Optik und einem fulminanten Soundtrack in Szene gesetzt, ist einem die dünne Story bald scheißegal, denn man kann auch so, mindestens 5 Kilo an Schweiß verlieren.
Wer das Original allerdings schon kennt, der dürfte sich sicherlich weit weniger erschrecken, als der Rest des Publikums. Denn Änderungen wurden, wie schon erwähnt, kaum welche vorgenommen. Auch dieser Film läuft wieder in Episodenform ab, auch wenn Shimizu dieses mal auf die Betitelung der einzelnen Szenen verzichtet hat. Dazu sitzen die meisten Schocks auch an genau den gleichen Stellen, wodurch die Ju-On-Kenner sicherlich, ein ums andere mal, höllisch aufpassen müssen, dass sie nicht vorsagen. Aber auch sie dürften hier und da höllischen Schiss bekommen, so gut ist das eigentlich Bekannte umgesetzt worden.
Die einzige wirkliche Änderung liegt in der Tatsache, dass die Hauptfiguren dieses mal Amerikaner sind und natürlich auch von US-Schauspielern dargestellt werden. Damit aber der japanische Charme des Original bestehen bleibt, lässt man die Handlung dennoch in Tokio ablaufen, was wirklich gut zur Atmosphäre beitragen kann. Die Integrierung der amerikanischen Figuren ist dabei sehr gut gelungen, wodurch es hier auch keinerlei Anschlussfehler o.Ä. gibt. Und dafür kann man Shimizu nur beglückwünschen.
Was die Darstellerauswahl angeht, kann man zudem auch sehr zufrieden sein. Sarah Michelle Gellar stellt ihre Figur wirklich einwandfrei und glaubwürdig dar und beweist damit einmal mehr, dass sie eine der besten Nachwüchse aus Hollywood ist. Dazu manch anderes bekanntes Gesicht wie z. Bsp. Bill Pullman oder Clea DuVall. Und Takako Fuji stellt ihre Rolle, des bösen weiblichen Geistes Kayako, auch beim 5. Mal wieder ordentlich zur Schau!
Fazit: Gruseliges und atmosphärisches US-Remake, eines der wohl schauderhaftesten Japan-Horror-Stücke aller Zeiten. Auch wenn die Story wieder so dünn ist, wie das Blatt Papier auf das sie gedruckt wurde und eine gewisse Innovation, vor allem in punkto Veränderungen zum Original, vollkommen abhanden bleibt, so können doch die überaus gelungenen Schauereffekte, verbunden mit einer passenden Optik und einem bravourösen Soundtrack, für einen Schweißausbruch nach dem anderen sorgen. Wer das Original kennt, wird sich zwar weitaus weniger erschrecken, doch alle anderen dürfen sich, nach dem Kinobesuch, auf einige schlaflose Nächte einstellen. Und das will man nach solch einem Streifen schließlich auch haben!
Wertung: 7/10 Punkte