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Wenn ein Regisseur die Gelegenheit erhält, den eigenen Film unter verbesserten technischen wie finanziellen Bedingungen noch einmal drehen zu dürfen, kann man sich eigentlich sicher sein, dass er „sein“ Material dann auch behutsam, würdig und angemessen behandelt. Eine solche „zweite Chance“ bietet zudem die Gelegenheit, ursprünglich begangene Fehler zu korrigieren sowie nachträglich entdeckte Ansätze oder Möglichkeiten anzugehen.
In diesem Fall kehrt Regisseur Takashi Shimizu mit einer Neuauflage seines Erfolgs „Ju-On“ zurück, welche er mit westlichen Schauspielern und Geldern (Genre-Ikone Sam Raimi produzierte) umsetzen durfte. Shimizu zeichnet sich übrigens auch für die anderen drei asiatischen Filme der Reihe verantwortlich, weshalb eigentlich nie Zweifel an einer effektiven und stylsicheren Umsetzung bestanden…

Die Amerikanerin Karen Davis (Sarah M.Gellar) lebt zurzeit mit ihrem Freund Doug (Jason Behr) in Japan – während er studiert, arbeitet sie als studentische Pflegekraft im College-Center, und ihr erster richtiger Auftrag führt sie schließlich als Vertretung in das Haus von Emma (Grace Zabriskie), die dort mit ihrem Sohn und dessen Frau lebt, aber aufgrund einer traumatisch bedingten Schlafkrankheit hilflos und pflegebedürftig ist. Bereits nach kurzer Zeit macht Karen jedoch eine schreckliche Entdeckung im ersten Stock: Jemand hat einen unbekannten kleinen Jungen in den Wandschrank eingesperrt, doch das ist erst der Anfang – im Folgenden wird sie von der Gegenwart geisterhafter Erscheinungen bedroht, welche aus einem Fluch heraus an das Haus gebunden sind und grausame Rache an all jenen Personen üben, die in ihr Zuhause eindringen…

Gleich vorweg: „the Grudge“ bietet als Remake keine großen Neuerungen – aber da das Original außerhalb der asiatischen (Film-) Fankreise nur wenig bekannt ist, ist eine Legitimation der Produktion absolut gegeben. Als eigenständiges Werk betrachtet, kann der Film jedoch absolut überzeugen, denn er schafft es spielerisch, den gewollten Effekt zu erzielen: Von Anfang bis Ende kann die Spannung durchgehend gehalten werden, was nur ganz wenigen Produktionen gelingt. Man steigt ins Geschehen ein und bleibt bis zum Schluss auch gebannt, was von der kontinuierlichen Spannung, den gelungenen Schockmomenten sowie der unchronologischen Struktur effektvoll unterstützt wird.

Es liegt in der Natur von Remakes, dass Kennern des Originals viele Elemente bereits bekannt sind, und hier ist genau das auch stärker der Fall als jüngst etwa in den Neuinterpretationen von „T.C.M.“, „Dawn of the Dead“ oder „Assault on Pre.13“ – und trotzdem verkommt „the Grudge“ nie zu einer bloßen Kopie des Vorläufers (wie zum Beispiel Gus Van Sant´s „Psycho“).
Von der Handlung her hat man kaum etwas verändert – außer natürlich, dass nun im Ausland lebende Amerikaner die Hauptrollen bekleiden. Durch dieses kulturelle Aufeinandertreffen gewinnt der Film einen zusätzlichen Reiz, denn das Fremdartige wird gesteigert, indem gängigere Identifikationspersonen in fremder Umgebung auf Elemente treffen, die völlig unabhängig ihrer gewohnten Umgebung auftreten – das gilt sowohl für natürliche als auch übernatürliche Dinge (wie etwa die Angst davor, sich in einer unübersichtlichen Stadt zu verlaufen, in der man sich nicht auskennt sowie keiner die eigene Sprache spricht, oder auch der traditionelle asiatische Glaube an Dinge wie ein Fluch). Es hätte dem Film einen entscheidenden Faktor geraubt, ihn etwa in den USA anzusiedeln (obwohl es bei „the Ring“ funktionierte), denn diese „exotische“ Stimmung trägt viel zur Atmosphäre bei.
Zusätzlich hat man den unchronologischen Szenenablauf etwas (aber nicht viel) geglättet. Ich selbst bin mit diesem Stilmittel inzwischen durch eine Vielzahl derartiger Filme vertraut, doch im Vergleich zwischen „Ju-On“ und „the Grudge“ muss ich sagen, dass das Remake die Geschichte etwas straffer und somit besser erzählt, da die verschiedenen Ebenen effektiv minimiert wurden, um den Verlauf gradliniger und nicht unnötig kompliziert zu gestalten.

In den USA schaute man aus zweierlei Gründen besonders gespannt auf den Kinostart: Nach dem Mega-Erfolg von „the Ring“ stellte „the Grudge“ nämlich das zweite größere US-Remake einer asiatischen Horror-Vorlage dar, sowie die erste Veröffentlichung von Sam Raimis neuer „Ghost House“-Produktionsschmiede. Bereits nach dem Startwochenende dann kollektives Aufatmen: Der Film entpuppte sich als lukrativer Hit und erreichte spielerisch die Gewinnzone – wenige Wochen später eröffnete das nächste „Ghost House“-Werk „Boogeyman“ ebenfalls erfolgreich, und die Macher der in den Startlöchern stehenden „Ring Two“- und „Dark Water“-Produktionen wurden angesichts des erneut aufgegangenen Konzepts weiter beruhigt.

Die Besetzung erweist sich in diesem Fall als durchweg solide und annehmbar, auch wenn keiner von ihnen – sowohl vom Talent als auch (wegen der verschachtelten Erzählstruktur) von der Screen-Time – wirklich herausragt:
„Buffy“-Star Sarah Michelle Gellar macht ihre Sache recht gut und führt die Riege der „westlichen“ Darsteller an, welche aus Clea DuVall („Girl, Interrupted“), Bill Pullman („Lost Highway“), KaDee Strickland („Anacondas“), Grace Zabriskie („Twin Peaks“), Jason Behr (TV´s „Roswell“), Ted Raimi („Spider-Man“) und William Mapother („Suspect Zero“) besteht.
Als japanischer Inspektor stößt dann noch „Audition“- und „American Yakuzza“-Star Ryo Ishibashi hinzu, wie auch die drei Darsteller der verfluchten Familie Saeki (Yuya Ozeki, Takako Fuji, Takashi Matsuyama), welche ihre Rollen aus dem asiatischen „Ju-On: the Grudge“ (2003) noch einmal übernehmen durften.

Wie die meisten Vertreter dieses Genres muss sich natürlich auch dieser Kritik in den Bereichen Logik und Klischees gefallen lassen: Wenn das verfluchte Haus dermaßen für seine mysteriösen Todesfälle bekannt ist, warum reißt man es nicht einfach ab? Darüber hinaus weiß jeder, was passieren wird, wenn die junge Studentin einem unheimlichen Geräusch auf dem Dachboden nachgeht, wobei nur ihr Feuerzeug Licht in der Dunkelheit spendet…
Trotz der straffen Inszenierung hätte ich mir im Endeffekt eine etwas längere Laufzeit gewünscht – einfach um eine stärkere Charaktertiefe etablieren zu können.

Letztendlich ist „the Grudge“ jedoch ein sehr gelungener Film geworden, denn Regisseur Shimizu hält die Spannung mit sicherem Gespür für Timing und Atmosphäre auf konstant hohem Niveau und lässt diese immer wieder in zahlreiche effektive Schockmomente münden, welche von der Soundabmischung sowie dem stimmungsvollen Score von Chris Young („Hellraiser“) wirkungsvoll unterstützt werden. Da die Spannung über die gesamte Laufzeit gehalten wird, entstehen weder Längen noch Verschnaufpausen, aber auch keine stark herausragenden Höhepunkte, vor denen man „in Sicherheit gewogen“ wird (wie etwa in „the Ring“), wodurch man den Verlauf eher mit einer Geister- als Achterbahnfahrt vergleichen könnte. Mal sehen, was die demnächst erscheinende „unrated“-Version noch hinzuzufügen hat…

Fazit: „the Grudge“ ist ein spannender wie effektiver Horror-Film, der vor allem bei einer Betrachtung unabhängig der japanischen Vorgänger seine volle Wirkung entfalten kann … überzeugende 8 von 10.

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