„Ring“ hat’s vorgemacht und nun rollt die Welle der US-Remakes von Asiahorror: Nun geht „The Grudge“, die Amiversion von „Ju-On: The Grudge“ an den Start.
Doch der Film beginnt erfreulich zackig: Erst platscht ein Professor beim Selbstmord vom Balkon und weil der auch noch von Bill Pullman gespielt wird, ist die Verwirrung groß, denn da hätte man einen etwas längeren Auftritt erwartet (auch wenn er nachher noch mal in einer Rückblende wiederkommt). Gleich darauf wird woanders eine Frau vom Pflegepersonal von einem Geist gemeuchelt – einen wirklich super Schockeffekt inklusive, denn Takashi Shimizu, der Regisseur von „Ju-On“ und dem Remake, versteht sein Handwerk.
Das Ganze spielt in Tokio, doch als Heldin serviert uns „The Grudge“ trotzdem eine Amerikanerin, nämlich die Austauschstudentin Karen (Sarah Michelle Gellar). Diese arbeitet beim gleichen Pflegedienst wie die eingangs gemeuchelte Japanerin. Sie wird als Vertretung zum gleichen Haus geschickt. Dort stößt sie auch auf die unerklärlichen Phänomene. Da sie ja unsere Heldin ist und nicht noch nicht viel Laufzeit verstrichen, ist natürlich klar, dass Karen überlebt, doch gruselig ist auch dieser Part geraten.
Der nimmermüde Geist verschont Karen zwar und verpasst ihr nur einen Ohnmachtsanfall, doch die Pflegeperson und ihre Familie erleiden das gleiche Schicksal wie Karens Vorgängerin. Als Karen von den Morden erfährt, kann sie an nichts anderes denken und beginnt zu ermitteln, was dahinter steckt...
„The Grudge“ ist schlichter und simpler Horror, der allerdings direkt in die Fresse geht. Schon die einleitende Texttafel über rachsüchtige Geister von Ermordeten erklärt eigentlich alle Hintergründe und so bekommt man einen schlichen Geisterfilm im Stil von „Amityville“ und Co. vorgesetzt. Doch auch wenn die Innovationen fehlen, so zieht Takashi Shimizu seine Geschichte temporeich vom Leder und kann ein solides Maß an Spannung aufbauen – auch wenn der Plot in erster Linie als Folie für die Geisterattacken dient. Die Charaktere bleiben daher allerdings eher blass, z.B. glaubt man nie, dass Doug (Jason Behr) und Karen (denkt man bei den Namen nicht irgendwie an Doug und Carrie aus „King of Queens“?), wirklich ein paar sind, sondern könnten sich genauso gut flüchtig aus der U-Bahn kennen.
Die sind dann aber auch wirkliche Highlights, denn lange hat es kein Film mehr geschafft, derart gut sitzende Schockeffekte zu platzieren: Bei nahezu jeder Geisterattacke zuckt man zusammen, selbst wenn man ahnt, wenn es wann erwischen wird. Das Make-Up der Geister ist nicht übertrieben, aber doch gruselig, und die Stimmung wirklich packend und düster. Zwar ist die optische Präsentation der Stadt etwas schlicht (die Aufnahmen von Tokio sehen z.B. nie nach Metropole aus), doch das unheimliche Haus ist wirklich sehr stimmig abgefilmt.
„The Grudge“ ist zwar ein guter und spannender Genrevertreter, aber zum Gruselhighlight fehlt noch etwas. So ist der Plot halt wenig innovativ und selbst die Schlusspointe absehbar, auch wenn der letzte Dialog der Polizisten dennoch für ein hämisches Lachen beim Zuschauer sorgen kann. Auch sonst ist Innovation nicht gerade das Stichwort für „The Grudge“: Der weibliche Geist erinnert seiner Art doch sehr an Sadako aus den „Ring“-Filmen, angefangen beim Aussehen (z.B. die langen Haare, welche nur ein Auge freilassen) bis hin zur Fortbewegungsart.
Schauspielerisch lässt „The Grudge“ hingegen wenig Anlass zur Kritik: Hauptdarstellerin Sarah Michelle Gellar ist das Schreien und Fürchten ja schon aus „Scream 2“ und „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ gewöhnt und ihre Sache dementsprechend solide. Schön allerdings die Besetzung der Nebenrollen, denn hier darf man mal wieder Ted Raimi, dessen Bruder Sam Raimi den Film produzierte, wiedersehen ebenso wie Ryo Ishibashi, den B-Actionfans aus „American Yakuza“ und dessen Sequel „Back to Back“ kennen.
So bleibt unterm Strich geradliniger und schnörkelloser Horror ohne große Innovationen, aber mit erstklassigen Schocks.