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In letzter Zeit erlebt das asiatische Kino in Hollywood einen regelrechten Boom. Jedoch wird dabei nicht das Hauptaugenmerk darauf gelegt, die Originale in die Lichtspielhäuser Amerikas zu bringen, sondern es wird fleißig Stoff, der vornehmlich in Japan erfolgreich war, neu verfilmt. Diese Welle begann mit „The Ring“ und auch „Ju-On: The Grudge“ bleibt davon nicht verschont. Um trotz der Verwestlichung des Materials möglichst nahe am Original zu bleiben, holte sich Produzent Sam Raimi mit Takashi Shimizu den Regisseur des japanischen Originals an Bord und ließ den gesamten Film auf japanischem Boden drehen. Diese Tatsache alleine lässt vor der Betrachtung des Filmes darauf hoffen, dass das Remake dem Original in nichts nachsteht, denn schließlich sollten Shimizu bei dieser US-Produktion erheblich höhere finanzielle Mittel zur Verfügung stehen als bei der Verfilmung des Ausgangsmaterials.

Karen (Sarah Michelle Gellar) ist gemeinsam mit ihrem Freund Doug (Jason Behr) nach Tokio gezogen, um dort zu studieren. Nebenbei arbeitet Karen als Pflegerin für einen amerikanischen Pflegedienst. Diese Tätigkeit führt sie schließlich in ein Haus, das mit einem Fluch belegt ist. Schnell wird ihr bewusst, dass sie und auch alle anderen, die jemals mit dem Haus in Kontakt waren, in Lebensgefahr schweben, denn – so wird uns bereits zu Beginn des Filmes beigebracht – „Wenn jemand durch die Gewalt einer mächtigen Wut stirbt, wird ein Fluch geboren. Der Fluch erfasst diesen Ort des Todes. Wer mit ihm in Berührung kommt, wird von seiner Raserei verschlungen.“

Wir erkennen also: Eine simpel gestrickte Geschichte, die dennoch das Interesse des Horror-Fans wecken sollte.

Nachdem „The Grudge“ in den ersten 25 Minuten nur schwerfällig ins Rollen kommt, ja mitunter eine gewisse Länge entwickelt, gewinnt er mit dem endgültigen Einstieg in die Geschichte des Fluchs, dem Tod der alten von Karen betreuten Frau, zunehmend an Fahrt. Hierbei verzichtet Shimizu glücklicherweise vollkommen auf Gore-Effekte und versteht es in einer schon fast (der Vergleich sei gestattet) Hitchcock-gleichen Art, den Zuschauer durch überraschende Momente des Schocks zusammenzucken zu lassen. Neben den optischen Schock-Elementen spielen dabei die akustischen Untermalungen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer bedrohlichen Atmosphäre, aus der man sich als Zuschauer nur schwer befreien kann. Diese „shocking effects“ orientieren sich stark am asiatischen Original, jedoch soll dies nicht zum Nachteil für das Remake gereichen, war doch auch in „Ju-On“ die psychische Ebene des Horrors Grundgerüst für einen soliden Horror-Streifen.

Mit zunehmendem Verlauf der Handlung entwickeln sich ab und an einige Längen, die jedoch nicht allzu schwer ins Gewicht fallen. Die finale Szene im „Haus des Fluches“ zeigt sich wunderbar bedrohlich und hält wieder das ein oder andere optische „Schmankerl“ bereit, wiederum musikalisch hervorragend unterstrichen. Leider ist eben diese Szene, auf die in anderen Horror-Filmen eine sehr große Gewichtung gelegt wird, meines Erachtens etwas zu kurz geraten. Hier hätte man bedeutend mehr raus holen können.

Neben den bereits angesprochenen über den Film verstreuten Längen und der zu kurz geratenen Schlusssequenz fällt eines bei der Beurteilung von „The Grudge“ äußerst negativ auf: Sarah Michelle Gellar. Das einzige Minenspiel, das diese überbewertete junge Dame in diesem ansonsten gut gelungenen Film zustande bringt, ist eine bebende Unterlippe. Wenn das das gesamte Repertoire von Frau Gellar darstellt, das sie den Gefühlszuständen Angst, Trauer und Wut zuzuordnen vermag, dann sei ihr empfohlen, sich nach einem anderen Beruf umzusehen, damit sie nicht weiterhin den Zuschauer mit ihrer monotonen Schauspielerei langweilen, ja belästigen muss. Sie ist in diesem Film wieder einmal der lebende Beweis dafür, dass es nicht ausreicht, wenn man nur hübsch anzusehen ist. Vielleicht ist ja in Tokio noch eine Stelle als Altenpflegerin frei.

Takashi Shimizu ist mit „The Grudge“ ein gutes Remake seines ersten „Ju-On“ gelungen, das dem Original in nichts nachsteht. Dennoch hätten die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel im Vergleich zum Original einige Verbesserungen mehr mit sich bringen müssen, sodass in der Gesamtwertung unter Beachtung der von mir geschilderten Kritikpunkte schließlich 7 von 10 Punkten erreicht werden. „The Grudge“ stellt gute Horror-Unterhaltung dar, ohne auch nur einen Moment Ekelgefühle hervorzurufen. Empfehlenswert, jedoch definitiv kein Pflichtprogramm.

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