Gore Verbinskis erfolgreichem „Ring“-Remake ist es zu verdanken, das mit „The Grudge – Der Fluch“ der zweite japanische Horrorstreifen basierend auf der Geisterwelle neu verfilmt wurde. Unterdessen lief auch schon die Fortsetzung zu „Ring“ und mit „Dark Water“ gesellte sich ein noch eine Geistergeschichte hinzu. Da auch die amerikanisierte Variante von „Ju-on“ die Kasseln klingeln ließ, ist auch hier davon auszugehen das der zweite Teil kommen wird.
Lässt man aber einmal die US-Kinomaschinerie und ihren Hang zu Neuverfilmungen außer Acht und vergisst für einen Moment das Original (wenn man es denn kennt), bekommt man äußerst passable Gruselkost aufgetischt. Für die Inszenierung von Remake und Original zeichnete sich in beiden Fällen Takashi Shimizu verantwortlich, ihm ist es wohl auch zu verdanken das die Handlung in Japan spielt und nicht in den USA. Bis auf ein paar Stars für das amerikanische Publikum wie Bill Pullman und Sarah Michelle Gellar sind auch die meisten Rollen mit Japanern besetzt. Besonders diese Treue zu „Ju-on“ lässt das Remake funktionieren. Auch wenn man glaubt viel über Japan zu wissen, bleibt doch immer eine gewisse Fremdheit in Bezug auf Kultur und Bräuche.
So geht es auch Kare (gespielt von Sarah Michelle Gellar) die allein mit ihrem Freund für ein Auslandssemester in Tokyo lebt. Nebenbei arbeitet sie in einer karikativen Einrichtung und betreut Menschen. Als ihre Kollegin Yoko nicht zur Arbeit kommt, darf Kare ihren ersten eigenen Pflegefall betreuen. Doch etwas scheint im Haus der schwerkranken Emma Williams nicht zu stimmen: die Wohnung ist verwüstet und merkwürdige Geräusche dringen durch die Räume. Als Kare dann einen kleinen Jungen eingeschlossen im Wandschrank findet, nimmt das Unheil seinen Lauf. Auf dem Haus lastet ein Fluch, jeder der es betritt wird sterben…
Zu Beginn wirkt der Handlungsverlauf sehr wirr da er immer zwischen mehreren Zeitebenen hin und her springt. Mal sind wir in verschiedenen Zeiten der Vergangenheit, dann wieder in der Gegenwart. Je mehr aber Kare über das Haus und seine Besitzer erfährt fügt sie die Geschichte wie ein Puzzle zusammen. Der Grundplot über Flüche und Geister ist sicher nicht jedermanns Geschmack, diese spielen aber in der japanischen Geschichte und Erzählungen eine wichtige Rolle. Die amerikanisierte Version taucht dabei nicht allzu tief in die Hintergründe ein, sondern konzentriert sich auf einen stetigen Spannungsaufbau.
Hier liegt ganz eindeutig die Stärke des Remake: Atmosphäre, Spannung und Schockeffekte können wirklich überzeugen und auch erfahrene Genrekundige gehörig das fürchten lernen. Der Horror ist sehr subtil und wird durch schrille Soundeffekte und groteske Bilder noch verstärkt. „The Grudge“ geht dabei über den bedrückenden, aber vergleichsweise harmlosen „Ring“ hinaus und spielt noch mehr mit der Angst des Zuschauers.
„The Grudge“ besticht durch seine dichte Atmosphäre und gute Schockeffekte und ist fast so gut wie Gore Verbinskis „Ring“-Remake. Wer das Original nicht kennt und seine Sehgewohnheiten nicht umstellen möchte, wird gut unterhalten. Kleinere Schwächen wie die oberflächliche Geschichte, die austauschbaren Charaktere und die Vorhersehbarkeit trüben den Gruselspaß nur bedingt.