Ohne Kenntniss des japanischen Originals sah ich "Der Fluch" erst nach dem zweiten Teil, so daß die Ausgangssituation für meine Kritik eher ungewöhnlich ist. Unabhängig davon sollte man als Kritiker in der Lage sein, diesen Film als solchen zu betrachten, aber der Vergleich zum zweiten Teil drängt sich natürlich auf. Im Gegensatz zur gängigen Meinung, komme ich dabei zum Schluß, daß "Der Fluch 2" eine deutliche Steigerung zum ersten Teil bedeutet.
Natürlich wird hier die Problematik des Fluches erst einmal vorgestellt, was in der Regel immer ein wenig Zeit braucht. Um das zu umgehen und um möglichst schnell in den Horror einzusteigen, sehen wir Bill Pullmann gleich zu Beginn vom Balkon stürzen - nur wirkt das eher befremdlich als horrormäßig. Kurz darauf sehen wir eine junge japanische Frau bei der Betreuung einer demenzkranken Amerikanerin. Als sie ungewöhnliche Geräusche hört, geht sie auf dem Dachboden nachsehen mit den zu erwartenden Folgen...
Die nicht chronologische Erzählweise ist ein beliebtes Stilmittel, wird hier aber meiner Meinung nach eher störend angewendet. So werden wir zwar puzzleartig in das dramatische Geschehen um das verfluchte Haus eingeweiht, erleben aber auch immer wieder Szenarien, deren Spannung deutlich höher läge, wenn wir nicht teilweise schon wüßten, wann etwas mit den Protagonisten geschehen wird (z.B. bei den späteren Szenen mit Bill Pullmann im besagten Haus). In Teil 2 beschränkt sich die Erzählweise auf drei sonst chronologische Hauptstränge, die ganz zum Schluß zusammengefaßt werden und deren Zusammenhang erst dann offensichtlich wird - das erhöht die Spannung wesentlich.
Dazu ist die Story in Teil 2 eigenständiger bezüglich des Originals und gerade die Szenen in den USA steigern das Grauen doch wesentlich, weil es die Erscheinungen in eine uns vertrautere Umgebung mit einer typischen amerikanischen Familie herüber bringt ohne die Zusammenhänge zu erklären - dadurch entsteht ein wesentlich weniger vorhersehbares Szenario. In "Der Fluch" dagegen gibt es im Grunde keine Überraschungen, denn die Ausweglosigkeit für Diejenigen, die es wagten das Haus zu betreten, ist offensichtlich und so bleibt letztendlich der Eindruck, daß die verschachtelte Erzählweise vor allem von dieser Simplizität ablenken soll.
Schauspielerisch kann man hier natürlich keine Glanzleistungen erwarten, was aber nicht weiter auffällt, da kein Protagonist eine überlegene Screentime hat. Bei Sarah Michelle Gellar, die hier merkwürdig kraftlos wirkt, hat man den Eindruck, der Fluch hätte sie schon erwischt bevor sie das Haus betreten hat, so verschlossen und wenig freudig wirkt sie. So wie sämtliche Amerikaner vermitteln ,als wären sie in Japan in die Hölle geraten.
Trotzdem ist auch "Der Fluch" ein Werk, daß an unser Unterbewußtsein und versteckten Ängste appelliert. Auch hier wird geschickt vermittelt, daß selbst in unseren privatesten Bereichen kein Schutz vorhanden ist. Leider wird die Darstellung des Fluches hier noch stark variiert. So wirkt der kleine blasse Junge nur wie ein weiß geschminkter Junge und das sich das schwarzhaarige Mädchen manchmal in einen dreidimensional faßbaren Körper verwandelt, mindert die furchterregende Wirkung - die nicht greifbare schemenhafte Silhouette verstärkt viel mehr den Eindruck des Unterbewußten und darauf hatte sich der zweite Teil intelligenterweise beschränkt.
Genauso sinnvoll ist es, daß der zweite Teil auf jegliche reale Geschehnisse wie etwa Polizeiuntersuchungen verzichtet. Hier im ersten Teil wird noch ein Bezug zur Realität hergestellt, der aber nicht konsequent ist und deshalb die Unlogik in der Story noch bestärkt. Hier geht es nicht um eine nachvollziehbare Story, sondern um eine unser Unterbewußtsein angreifende Atmosphäre, was in "Der Fluch" nur teilweise gelingt. Naturgemäß hat der zweite Teil auch den Vorteil der Weiterentwicklung, der endlich auch einmal genutzt wurde. Während das verfluchte Haus in "Der Fluch" noch freundlich und gepflegt wirkt, wirken die Räumlichkeiten im zweiten Teil so heruntergekommen, daß man sich noch nicht einmal die Treppe hochwagt...
Fazit : Gut gemachter Film, der eine unfaßbare Bedrohung aufbaut, die auch in unsere privatesten Bereiche eindringt. Optisch und akustisch so umgesetzt, daß es schwer ist, sich gegen diese Wirkung zu wehren.
Leider wurde dieses Konzept nicht kongenial umgesetzt. Die nicht chronologische Erzählweise ist zwar originell, hat Nachteile im Spannungsaufbau, lenkt aber immerhin erfolgreich von der simplen Story ab.
Dadurch das diese mit realen Elementen vermischt wird, entstehen unlogische Situationen und Fragen, die unnötig von der dichten Atmosphäre ablenken.
Das Potential wurde aus meiner Sicht ein wenig verschenkt, aber daraus haben die Macher im zweiten Teil gelernt (6/10).