Nach einem TV-Zweiteiler und zwei japanischen Kinoverfilmungen folgte im Jahre 2004 das Remake der Ju-on/Grudge-Gruselmär (nicht nur) für den US-amerikanischen Markt. Die Regie blieb erfreulicherweise in der Hand des Japaners Takashi Shimizu, der ein Händchen dafür hat, seine eigentlich recht einfach gestrickte Geschichte um einen tödlichen Fluch – jeder, der das Spukhaus betritt, stirbt – ansprechend und vor allem hochgradig gruselig und ausweglos pessimistisch zu inszenieren.
Auch „The Grudge – Der Fluch“ appelliert an unterbewusste Ängste vor dem Übernatürlichen, vor fiesen Gespenstern, wie man sie sich vermutlich bereits als Kind in seinen schlimmsten Alpträumen ausgemalt hat. Die Handlung beließ man in Japan, aber eine Reihe US-amerikanischer Schauspieler bedient westliche Sehgewohnheiten und erleichtert die Wiedererkennbarkeit der Charaktere. Die Hauptrolle fiel auf Sarah Michelle Gellar, die mit der eher nervigen Serie „Buffy – Im Bann der Dämonen“ große Berühmtheit erlangte, hier aber geschickter Weise nicht als strahlendes Blondchen eingesetzt wird, sondern eine verunsicherte Austauschstudentin, in Mimik und Optik vom Kulturschock gezeichnet, glaubwürdig zu verkörpern versteht.
Der antichronologische Aufbau der episodenhaften Handlung wurde etwas abgeschwächt und wirkt nicht ganz so sperrig wie vor allem seinerzeit beim TV-Erstling, mag insbesondere „Ju-on“-ungeübte Zuschauer dennoch verwirren. Am deutlichsten orientiert sich dieses Remake am japanischen Kino-Erstling „Ju-on: The Grudge“, greift aber auch die eine oder andere gelungene Idee aus den anderen „Ju-on“-Filmen auf. Insofern ist dieses Remake nicht unbedingt Pflichtstoff, wenn man die Originale bereits kennt, aber in jedem Falle gut gemacht: Fast alles, was das Original so unheimlich und gleichzeitig faszinierend gemacht hat, blieb erhalten, wurde hier und da sogar ein wenig verfeinert, und Shimizu scheint mir sehr darauf bedacht gewesen zu sein, sich nicht zugunsten polternden Popcorn-Kinos an sein westliches Publikum anzubiedern. Variiert wurde ein wenig bei den Masken; so sieht kleine Junge nun mal menschlich und mal wie gewohnt, ähm, „geistlich“ aus. Die Geräuschkulisse sorgt nach wie vor für Unbehagen, die Schockeffekte sitzen und das Gefühl der Ausweglosigkeit und Unsicherheit überträgt sich bis aufs heimische Sofa. Der nun natürlich etwas mangelnde Schuss Exotik wird durch Zugeständnisse an hiesige Sehgewohnheiten wettgemacht, so dass ich „The Grudge – Der Fluch“ letztlich als genauso stark empfinde wie die japanische Kinoauswertung.
Eine Szene, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, möchte ich hervorheben: Wenn gegen Ende die Gellar die Vorgänge im Haus beobachtet und es zu einer kurzen Berührung zwischen ihr und Peter kommt, obwohl er sie nicht sehen kann, da sie physisch gar nicht anwesend ist, scheinen sich kurz die Zeitebenen zu überschneiden, was entsprechend in der Mimik der Protagonisten seinen Ausdruck findet. Ein wunderbarer Suspense-Moment.
Natürlich kann man über Sinn und Unsinn eines solchen Remakes streiten, „The Grudge – Der Fluch“ gehört aber zu den angenehmen Vertretern seiner Zunft.