Review

Ich schiebe mal vorweg dass ich KEINE der japanischen (Original-)Versionen gesehen habe. Des Weiteren habe ich es irgendwie geschafft, den Film seit Anfang 2005 zu ignorieren und ihm erstmals gestern Abend, fast neun Jahre nach dem deutschen Kinostart, eine Chance gegeben. Und die hätte er schon früher verdient gehabt. 

Einer der populärsten Geisterschocker des Milleniumjahrzehnts war neben 'The Ring' zweifelsohne der zwei Jahre später erschienene 'The Grudge'. Man kann zu Sarah Michelle Gellar stehen wie man will (die einen sind Buffy-Fans, ich bin's nicht), obgleich von der Aufmachung her auf Nummer Sicher inszeniert stellt die Neuauflage des damals gerade mal zwei Jahre alten 'Ju-on' die 'Ring'-Filme locker in den Schatten. Das liegt für mich vor allem daran, dass von der ersten Szene an die Geister auf das Publikum losgelassen werden und nicht dank einer gellend langatmigen Rahmenhandlung ständig auf der Wartebank Platz nehmen müssen. Das Zusammenspiel von (dünner aber vorhandener) Story und unterhaltsamem Popcorn-Grusel im modernen Gewandt funktioniert hier einfach deutlich besser, mal abgesehen davon dass ich die japanischen Geisterkinder einfach spannender finde als ein Video dass dich in sieben Tagen umbringt wenn du's dir ansiehst. Oder eben nicht. Klar war die Handlung des ersten Remake-Blockbusters von 'Ringu' inhaltlich vielschichtiger, traf aber meinen Geschmack überhaupt nicht. Ich lasse mich da lieber in's kalte Wasser fallen und tauche ein in verstörende Bilder und fiese Horrorszenarien als mich einem nicht enden wollenden Handlungsaufbau hinzugeben und Naomi Watt's eher mühseligem Spiel zuzusehen. Oberflächlich? Von mir aus.  

Es sind vor allem die visuell interessant inszenierten paranormalen Szenen die 'The Grudge' zum Hingucker machen und einen das Fürchten lehren. Nicht ganz so schlimm wie meinetwegen 'Insidious', nicht gerade mit der opulenten Schockwirkung von Kubrick's 'Shining' gleichzusetzen, wenn klar ist was ich meine. Aber in meinen Augen waren die meisten Gruselszenen kerzengerade und gekonnt in Szene gesetzt und lediglich durch ein bis zwei unnötige CGI-Scares befleckt, Stichwort Geisterfratze spiegelt sich im Busfenster oder böse schwarze Fee hängt an der Schlafzimmerdecke. Unnötig. Schön gelungen auch die anachronistische Erzählstruktur (wenngleich nicht so verschachtelt dass ein Teenager nicht mitkommen könnte), auch im Bereich Kameraarbeit, Musik und Regie wurde hier nichts anbrennen lassen. 

Ich muss aber sagen, dass Sarah Michelle Gellar es nicht wirklich schafft, ihrer Figur irgendeinen Erinnerungswert einzuhauchen und meiner Vermutung nach schlicht aufgrund ihrer damaligen Popularität beim jungen Publikum gecastet wurde. Dadurch schrammt der Film mitunter auch aufgrund einer eher unüberzeugenden Hauptdarstellerin für mich leider am echten Hit-Status vorbei.

Dennoch: Mir gefiel 'The Grudge' tatsächlich ziemlich gut. Schließlich waren mir Remakes, insbesondere wenn sie konzeptionell klar an den Erfolg eines Vorläufers angelehnt sind (in diesem Fall z.B. 'The Ring') noch nie so recht geheuer; Wenn das bereits Erprobte mehr oder weniger neu aufgelegt wird, die Hauptdarstellerin aus dem 'Buffy'-Cast stammt damit auch ja die ganzen Teenies in die Kinos strömen und die Eigenständigkeit, die Seele des Ganzen ein wenig unter diesem doch nicht abzustreitenden Beigeschmack des großen Reibachs leidet. Schließlich sind die Gründe aus denen dieser Film überhaupt gedreht wurde relativ offensichtlich und schwer zu leugnen. 

Doch das ist mir in dem Moment wo ich vor Schreck fast von der Couch falle ziemlich boogey, denn 'The Grudge' beinhaltet einige wirklich gekonnte Gruselszenen mit Geistererscheinungen, vor denen man - ja, tatsächlich - einigen Schiss hat. Froh bin ich auch über die generell humorlose Ausrichtung des Ganzen. Es gibt wenig Atempausen und die Gruselstimmung wird quasi die gesamte Spieldauer über recht gekonnt gehalten, mit einem Suizid in den ersten sechzig Sekunden und wohlgemerkt keinem Happy End in den Letzten.
 
Ich jedenfalls werde mir bald den zweiten Fluch geben, mal sehen ob der ähnlich krepiert wie das 'Ring'-Sequel. Für dieses erste Mal: 

Kurzweilig, schockig, sehenswert !

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