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Wenn ein Mensch in großem Zorn oder tiefer Trauer stirbt, dann kann aus diesem intensiven Gefühl ein Fluch entstehen. Der böse Geist des Verstorbenen wandelt fortan am Ort des Todes umher und trachtet jedem nach dem Leben, der diesen Raum betritt. Dass daran etwas Wahres ist, muss die amerikanische Austauschstudentin Karen (Sarah Michelle Gellar) schmerzhaft feststellen, als sie im Haus einer bettlägerigen alten Dame erst einem mysteriösen Jungen und dann dem rachsüchtigen Geist einer jungen Frau begegnet. Um dem Schrecken zu entgehen, versucht sie herauszufinden, was in diesem Haus geschehen ist.

Anders als die meisten Hollywood-Remakes asiatischer Horrorfilme entstand "The Grudge - Der Fluch" in US-japanischer Co-Produktion. Regisseur Takashi Shimizu, Schöpfer der Vorlage, nahm sogar selbst auf dem Regie-Stuhl Platz. Diese direkten japanischen Einflüsse merkt man dem Film deutlich an; ebenso jedoch die Veränderungen, die der Amerikanisierung des düsteren Stoffes dienen sollten. Herausgekommen ist dabei ein seltsamer Hybride, der nicht immer überzeugt.

Eines muss man aber zugeben: "The Grudge - Der Fluch" hebt sich definitiv aus der Masse an Grusel-Remakes heraus. Das dürfte vor allem den japanischen Aspekten in Inszenierung und Erzählung zu verdanken sein. So überzeugt der Film von der ersten Szene an durch seine äußerst finstere Ausstrahlung: Triste, grau-braune Farben, dunkle Settings und ein bedrohlicher, mehr anschleichender denn aufdringlicher Soundtrack verströmen ein permanentes Gefühl des Unbehagens und der Bedrohung. Zusammen mit einigen extrem effektiven Schocksequenzen (etwa gleich zu Beginn, wenn die Pflegekraft Yoko verschwindet) rüttelt der Film in einzelnen Passagen immer wieder gehörig an den Nerven der Zuschauer. Vor allem das immer wieder auftretende Krächzen der Geister kann auf Dauer sehr verstören. Und garstige Horror-Bilder, wie eine das Treppenhaus herauf kriechende Leiche, sorgen für deftige Adrenalin-Schübe.

Diesen zahlreichen sehr gelungenen Szenen stehen ebenso viele schwächere gegenüber. Besonders wer die zutiefst beängstigenden Japan-Originale kennt, spürt hier das amerikanische Prinzip der Überhöhung deutlich: Die Geister manifestieren sich in schwarzen Wolken und werden überhaupt mit aufwendigen CGI-Effekten kreiert, die alles andere als überzeugend sind. Auch sind die meisten neuen Szenen, die nicht schon in den Originalen vorkamen, klischeehaft und mitunter sogar peinlich. Und da sich auch noch die Dramaturgie in den eigentlich kunstvollen Rückblenden verzettelt, wirkt der ganze Film mit zunehmender Laufzeit uneinheitlich und etwas zusammengestückelt. Das ist schade, denn so verspielt "The Grudge - Der Fluch" einiges Symbol-Potenzial in Bezug auf das Unbehagen und Alleinsein in der Fremde.

Auch die prominente Besetzung mit Bill Pullman und Sarah Michelle Gellar verhilft dem Streifen nicht zu mehr Spannung. Im Gegenteil: Der "Buffy"-Star bleibt darauf beschränkt, mit entsetzt aufgerissenen Augen durch die Gegend zu torkeln und mit ihren Kollegen sinnlose Dialoge auszutauschen. Kämen nicht immer wieder urplötzlich absolut fesselnde Schockmomente um die Ecke, man wäre nach der Hälfte des Films sanft entschlummert.

Alles in allem ist "The Grudge - Der Fluch" ein weiteres Remake, das die Welt nicht braucht, das dem Original in fast allen Belangen nachsteht und nichts wirklich Neues hinzufügen kann. Dank einiger wirklich gruseliger Sequenzen unterhält er aber allemal besser als die meisten ähnlich gelagerten Streifen. Und Zuschauer, die noch neu im Horror-Genre sind, sollten sogar gewarnt sein: Manch ein Bild kann einen bis in seine Albträume verfolgen.

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