Review

Spätestens seit "Die Hindenburg" wird das RTL-Event-Movie seinem Namen voll und ganz gerecht. Sieben Jahre zuvor und mit einem viel geringeren Budget ausgestattet, reichte es lediglich zu einem B- und Trash-Movie namens "Hai-Alarm auf Mallorca", bei dem das *Who-Is-Who?* der deutschen C-Prominenz durch ein dreistes und klischeehaftes Plagiat diverser Tiefsee-Schocker von "Der weisse Hai" über "Deep Blue Sea" bis hin zu "Shark Attack" chargierte.

An vorderster Front kämpft Deutschlands Hollywood-Export und Ex-Gladiator Ralf Moeller nicht nur gegen einen mies getricksten Urzeithai, sondern auch gegen grottige Dialoge, an denen tatsächlich vier Drehbuchautoren werkelten. Moeller, für seine bescheidenen schauspielerischen Leistungen bekannt, spielt sich zwar nicht die Seele aus dem Leib, aber mit Leichtigkeit Ex-DSDS-Moderator Carsten *Die Elster* Spengemann an die Wand, der nach seinem Auftritt im ersten deutschen Dschungelcamp hier einen langhaarigen Gringo gibt und damit gleich in den ersten Minuten den Trash-Gehalt dieses Spektakels in ungeahnte Höhen treibt.
Ex-"Hinter Gittern"-Kampflesbe Katy Karrenbauer war 2004 noch lange vom Dschungelcamp entfernt, aber auch ihre *Karriere* war damals bereits auf dem absteigenden Ast und ihr schauspielerisches Talent auf undankbare Auftritte in Produktionen wie "Crazy Race" oder eben jenem Hai-*Schocker* begrenzt. Investiert RTL seine Millionen jedoch in ein anspruchsvolles Event-Movie, wird man Frau Karrenbauer vergeblich auf der Besetzungsliste suchen. Sie spielt in "Hai-Alarm" - sehr durchschaubar wie glasklares Wasser - eine skrupellose Wissenschaftlerin auf der Suche nach einem Krebsmittel, dass ausgerechnet aus der DNA eines Megalodon gewonnen werden soll. "Deep Blue Sea" lässt grüßen - doch die Hoffnungen auf ein actionreiches, blutiges und effektgeladenes Horror-Movie sollte man - auch in Hinblick auf die FSK: 12-Freigabe - schnell begraben.
Stattdessen gibt Ex-"*Bulle von Tölz*" Ottfried Fischer einen - wirklich herrlich ironischen - Gastauftritt und philosophiert - umringt von unzähligen Bikini-Mädchen - über die Kunst des Würschtl-Grillens, während Ex-GZSZ-Sternchen Jeanette Biedermann das tut, was sie mehr oder weniger besonders gut kann: sich als Bitch auftakeln, eine *Rocknummer* zum Besten geben und entsetzt in die Kamera schauen, als der Megalodon von Ralf Moeller in seine Einzelteile zerlegt wird.

Willkommen im anspruchslosen RTL-Universum, in dem Deutschlands erfolgreichster Privatsender den Großteil seiner Beschäftigten zum großen Mitarbeiter-Ausflug nach Mallorca verfrachtete, um für die sonntagabendliche TV-Unterhaltung zu sorgen. Das bedeutet sehr viel Ex, sehr viel DSDS- und GZSZ-Feeling und eine *Regie-Hoffnung* namens Jorgo Papavassiliou, der das ganze wüste Treiben zu Wasser, zu Lande und in der Luft - abgesehen von Ottis Auftritten - relativ ironiefrei und humorlos inszeniert hatte, so dass der größte Unterhaltungswert vor allem aus der unfreiwilligen Komik gewonnen wird.
Und davon hat "Hai-Alarm" eine ganze Menge zu bieten und deshalb ist RTLs Tiefsee-Schocker auch zu keiner Zeit langweilig. Die Hai-Attacken sind zwar an einer Hand abzuzählen, schlecht getrickst, unspektakulär und unblutig inszeniert, die Story ist abgekupfert, die Dialoge schmerzhaft wie ein Wadenkrampf - mit anderen Worten: "Hai-Alarm auf Mallorca" ist anspruchsloses, auf 109 Minuten aufgeblasenes Entertainment ohne Biss, aber mit sehr viel Trashpotential und Unterhaltungswert.
Und mit Abstand besser als die meisten NU IMAGE-Produktionen aus Übersee!

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