Schaufensterpuppen küssen besser
Aus einer Zeit in der Schaufenster noch Massen begeistern konnten… „Mannequin“ ist ein (oberflächlich) sehr simpel gestrickter 80s-Fantasy-Liebesfilm, der sich seinen einfallsreichen Protagonisten in seine eigene Kreation verlieben lässt - eine lebendig gewordene Schaufensterpuppe (!) in Form von Kim Cattrall (!!) mit der Seele einer irgendwie durch die Zeit gereisten ägyptischen Prinzessin (!?!)… Klingt kompliziert, ist im Grunde aber nur eine weitere Screwballvaration zwischen massiv 80s-Kitsch, scheinheilig-schöner Traumverwirklichungspredigt und Romantikschätzchen… Naiv, nicht tief, aber irgendwie sehr süß.
Nur du siehst deine Traumfrau - und das reicht!
„Mannequin“ ist eine fantasievolle RomCom, die kaum mehr 80er atmen könnte als sie es tut. Die Deckenspiegel und Körperformen, die Mode und Pastelltöne, die Stars und Naivitäten. Vielleicht nicht auf dem höchsten Niveau dieses Styles wie bei einem John Hughes in seinen besten Zeiten, aber dennoch für Fans dieses Genres und Jahrzehnts ein kleiner Unter-dem-Radar-Flieger. Das ägyptische Intro bzw. die kurze Originstory unserer Mannequin-Traumfrau macht gar keinen Sinn und spielt auch gar keine Rolle. Aber das macht ja nix. Dafür sind McCarthy und Cattrall einfach zu sweet zusammen. Eine Ode an die Kreativität und dass Träume wie Traumfrauen wahr werden können. Gerade Cattrall ist zum Glück weit weg von ihrer unterkühlten Sexbombenart aus „Sex & The City“. James Spader kann den bösen Yuppie, selbst wenn er und ein alter „Police Academy“-Bekannter immer nah an der Karikatur sind. Dennoch ist „Mannequin“ natürlich auch insgesamt comichaft überzeichnet und nicht auf Realismus getrimmt. Alles andere als das. Die Songs sind nahezu allesamt Hits. Die Chemie stimmt auffällig. Das Kaufhaus könnte kein besserer Ort der 80s sein. Und wenn man insgesamt in der richtigen Stimmung und gut aufgelegt ist, dann kann man mit „Mannequin“ meiner Meinung nach wenig falsch machen. Trotz noch deutlich schmissigerer Konkurrenz aus der Zeit. Dafür kennt und nennt „Mannequin“ dafür kaum einer. Und Geheimtippstatus in seinem Sujet ist ja auch was.
Kurzsichtiger Kapitalismuskatalysator
Fazit: süßer, naiver und mit toller Musik unterlegter 80s-Screwball-Geheimtipp für Fans solcher leichter Liebesscharmützel a la John Hughes. Selbst wenn’s natürlich bessere Alternativen gibt - vor allem „Weird Science“.