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Halloween – der weltberühmte Genrebegründer der so genannten „Teenie-Slasher“. John Carpenter gelang mit seinem Klassiker von 1978 ein weitestgehend unblutiger, aber dafür umso spannender und gruseliger Suspense-Schocker, der bis heute ein absolut unerreichbares Meisterwerk darstellt. Kaum ein anderes Filmprinzip zog so viele Nachahmer nach sich und inspirierte so sehr zu ähnlichen Verarbeitung des Stoffes wie das unvergleichbare Original, dem zudem zahlreiche Sequels folgten, die ebenfalls nicht an die Klasse des Erstelings heranreichen konnten.

Mit gerade mal sechs Jahren ersticht der Junge Michael Myers seine Schwester. Satte 15 Jahre lang sitzt er in der Psychatrie, stumm wie ein Fisch, und niemand, auch nicht der betreuende Arzt Dr. Loomis (nervös: Donald Pleasence) kommt an ihn heran. In einer verregneten Nacht passiert schließlich das Unerwartete: Michael überwältigt den Doktor und büxt mit dessen Auto aus der Irrenanstalt aus, um nach Haddonfield, seinem Heimatstädchen, zurückzukehren, um erneut zu morden. Loomis nimmt die Verfolgung auf, doch leider wird sich herausstellen, dass er gegen den gestörten Killer nicht besonders viel ausrichten kann...

In jeden Belangen wurde der Film zum Kultobjekt. Die Handlung ist banal und mit wenigen Sätzen erzählt. Für einen Horrorfilm wird relativ wenig Gewalt gezeigt und so hält sich auch der Blutgehalt in Grenzen. Das änderte aber dennoch nichts daran, dass Jamie Lee Curtis als Michaels hartnäckigstes Opfer zur „Scream Queen“ gekürt wurde und nach Halloween mit den Achtziger Jahren eine ganze Flutwelle ähnlicher Slasher das Licht der Welt erblickte. Woran liegt das? Meiner Meinung nach ist es eben nicht nur das bis dato einzigartige Filmkonzept, sondern diverse andere Dinge, die Halloween echt gruselig machen. aus heutiger Sicht mag der Film vielleicht niemanden mehr vom Hocker reißen, da die endlos vielen auf diesem Prinzip beruhenden modernen Filme dem jüngeren Auge bereits ähnlichen Terror geboten haben, doch als ich den Film in jungen Jahren zu sehen bekam, wurde es mir dermaßen unheimlich, dass ich zum Teil sogar wegsehen musste (und das mag was heißen!) – obwohl der Film am helllichten Tage lief.
Da wäre zunächst die Figur des Täters. Ein ganz normaler Psychopath im Alter um die 20, der sich nicht einmal sehr schnell bewegt, entpuppt sich im Laufe des Films als unaufhaltsamer Todesengel, der partout nicht sterben kann und über übermenschliche Körperkraft verfügt. Die Maske, die er trägt, ist simpel gehalten und strotzt nicht gerade von designerischer Kreativität, gruselt aber in meinen Augen bis ins Mark, gerade in den unzähligen, Nerven zerreißenden Szenen, in denen der wartende Mörder im Hintergrund erscheint, um sein Opfer stundenlang auszuspähen. Kein Ton verlässt den bizarren Phänotyp des irren Mörders, sieht man einmal von dessen dumpfem, regelmäßigem Atem ab, der wie ein Todeshauch unter der Maske hervor kriecht. Hinzu kommt Carpenters unvergleichliche Kameraarbeit, die das Böse hinter Hecken, Wäscheleinen und Türrahmen aufblitzen lässt, mit der gewissen Bedrohung, ohne jedoch vorschnell zuzuschlagen. Michael Myers ist der gruseligste Psychokiller der Filmgeschichte.
Carpenters zweites Spezialgebiet ist die Filmmusik. Er selbst komponierte für viele seiner Streifen höchst selbst die Musik, z.B. für „Das Ende“, „Die Klapperschlange“, „The Fog“ oder auch für das ungewöhnliche Werk „Vampires“, und so auch für Halloween. Der Soundtrack geht wahrlich durch Mark und Darm und es gab nie zuvor einen gruseligeren. Das gilt nicht nur für die Titelthemen, sondern auch für die Begleitsounds in finsteren Situationen und das Hilfsmittel zum erhöhten Spannungsaufbau. So wird die Bedrohung nur noch größer.

Fazit: wer ihn heute noch nicht gesehen hat, dem bietet er in der Tat nicht mehr viel. Die älteren Filmfreaks werden meine Worte jedoch mit einem finsteren Schmunzeln lesen und eines wissen: nämlich, dass Halloween der Erste und Beste in diesem Genre war, ist und bleiben wird. Selbstverständlich gibt es 10 Punkte.

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