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„Wer gestorben ist, ist für mich gestorben!“

Eigentlich schrieb er Drehbücher zu Science-Fiction- und Horror-Hochkarätern wie „Alien“, „Tot & begraben“ und „Total Recall“ - doch im Jahre 1985 nahm der US-Amerikaner Dan O'Bannon im ersten von insgesamt nur zwei Fällen auf dem Regiestuhl platz und schuf mit „Return of the Living Dead“ eine der besten Zombiekomödien überhaupt.

Kurz nachdem Freddy (Thom Mathews, „Freitag der 13. - Jason lebt“) seinen Job als Hilfsarbeiter in einem medizinischen Versandhaus angetreten hat, zeigt ihm sein Chef Frank (James Karen, „Poltergeist“) geheime Fässer mit mumifizierten Leichen aus dem Besitz der Army, die versehentlich dort gelandet sind und seitdem gesucht werden. Durch einen Unfall entströmt Gas aus einem der Fässer und versetzt die beiden Männer in Bewusstlosigkeit. Als sie wieder erwachen, sind die gelagerten Teile toter Tiere wieder zum Leben erwacht und die ehemaligen Fassbewohner sind frei und auf der Suche nach frischem Menschenhirn. Doch auch Freddy und sein Chef fühlen sich nicht mehr allzu gut... Bei der Verbrennung der Fassinhalte schließlich vermischt sich die Qualmemission mit Niederschlag und regnet auf den Friedhof – mit ungeahnten Folgen.

O'Bannons kultgewordene Zombiesause persifliert das Genre mit seinen vermeintlich „wahren Geschichten“, zitiert Romeros Pionierarbeit „Night of the Living Dead“, spinnt die Legende, dass der Film auf wahren Begebenheiten beruhen würde – und treibt den Zombiekult schließlich auf die Spitze. Witzige Dialoge und viele entdeckungswürdige Details gehen einher mit großartiger Spezialeffektkunst, einer der coolsten Punk-Gangs der Filmgeschichte und einem tollen Soundtrack, der viele Facetten der '80er abdeckt. Man setzt auf Wahnsinn, Action und Überzeichnung, verfällt aber nie in allzu alberne Überdrehtheit. Da wären die Kulissen, bestehend aus Lagerhalle, (mit „No Future“ besprühtem) Friedhof und Krematorium, die alles bieten, was ein solcher Film braucht. Da wären die Charaktere, ein wild zusammengewürfelter Haufen, der sich schließlich gemeinsam der Gefahr erwehren muss. Dabei fällt besonders die sorgfältige Charakterzeichnung auf, die bei allen Klischees stets ein Herz für ihre Rollen zu haben scheint und niemandem bereits vor seiner Zombiefizierung sämtliche Sympathiewerte abspricht. Oberpunk Suicide (Mark Venturini, „Freitag der 13. Teil V - Ein neuer Anfang“) fühlt sich missverstanden und insistiert „Ich hab 'ne Message!“, Firmenboss Burt (Clu Galager, „ Nightmare II – Die Rache“) und seine Angestellten hegen kein Ausbeuterverhältnis und versuchen sich verzweifelt an die Tötungsregeln aus Romeros Film zu erinnern, Jobber Freddy ist tatsächlich an seiner Arbeit interessiert und trägt zudem Jeans und schnittige Hosenträger, statt auszusehen wie der letzte Dulli, und Leichenwäscher Ernie Kaltenbrunner (Don Calfa, „H.P. Lovecraft's Necronomicon“) erinnert zwar verdächtig an irre Nazi-Ärzte, ist letztlich über weite Strecken aber um tatsächliche Hilfe bemüht. Nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle Punkette Trash (Linnea Quigley, „Graduation Day“), die einen heißen Striptease auf dem Friedhof hinlegt und die meiste Zeit unbekleidet durch die Gegend läuft.

Apropos Tötungsregeln: Diese helfen hier nicht viel, denn diese Zombies hier sind schnell, können sprechen und die Zerstörung des Gehirns nützt nichts – einzelne Körperteile „leben“ weiter. Die Spezialeffektkünstler kosten diese Prämisse sehr gut aus und erreichen ihren kreativen Höhepunkt, als sie eine mumifizierte Frauenleiche ohne Unterleib von den Schmerzen des Totseins berichten lassen. Das ist bei aller Komik auch ein bisschen gruselig sowie tief morbide und faszinierend zugleich – genau wie die Möglichkeit, mitzuerleben, wie Freddy und Frank bei Bewusstsein sterben und nahtlos von den Lebenden ins Untotenreich übergehen. Ja, „Return of the Living Dead“ beherrscht auch das Spiel der tragischen Noten, denn letztlich ist und bleibt die ganze Situation aussichtslos, während sie ein unschuldiges Opfer nach dem anderen fordert. Das hohe Tempo ohne jegliche Durchhänger lässt keinerlei Zeit zum Durchatmen und bietet immer wieder überraschende Ideen. Die Mischung aus Komödie, Persiflage/Parodie und äußerst grafischem SFX-Spektakel zündet voll, selbst darstellerisch gibt sich kein Beteiligter die Blöße. Die Schlusspointe zeigt dann den US-typischen Umgang mit Problemen und setzt den Schlusspunkt unter eine der besten Horrorkomödien der 1980er und die beste Zombiekomödie bis „Braindead“. Kurzweilige Zombie-Unterhaltung mit viel Hirn (ähem...), die nicht nur Genre-Fans noch immer in Verzückung versetzt und immer wieder angesehen werden kann (und wird).

Mark Venturini starb schon 1996 und wurde nur 35 Jahre alt. Ruhe in Frieden!

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