Wer glaubt, dass Zack Snyders Neuverfilmung des Romero-Klassikers "Dawn of the Dead" (oder auch Danny Boyles "28 Days Later", der ja noch ein bisschen jünger ist)durch seine äußerst agilen und schnellen Zombies eine Revolution losgetreten hat, der sollte sich mal Dan O`Bannons "Return of the Living Dead" ansehen. Obwohl ich mir nicht sicher bin, dass dies der erste Zombiefilm von der flinken Sorte ist, steht doch eines fest: hier gezeigten Untoten gehören zum Kreativsten, was das Zombiegenre jemals hervorgebracht hat.
"Return of The Living Dead" entstand Mitte der Achtziger, was man dem Film auch ansieht. Wir haben es daher nicht mit einem zeitlosen Klassiker zu tun, sondern vielmehr mit einer erinnerungswürdigen Momentaufnahme, was in Anbetracht der Funktion dieses Filmes, nämlich eine Parodie auf Zombieklassiker zu sein, auch empfehlenswert ist. Atmosphärisch bekommt man eine Mischung aus "Der Blob" und "Zurück in die Zukunft" geboten, so komisch das auch klingen mag. So erinnert etwa der Oberpunk in seinem Verhalten etwas an den fiesen Biff Tannen, ganz zu schweigen von dem Flair, das von den düsteren Sets versprüht wird.
Die Hauptaustragungsorte sind ein Friedhof, ein medizinisches Warenlager sowie das anliegende Haus. Hauptdarsteller neben den Zombies sind eine Gruppe von Punks, der Chef des Warenlagers und sein alter Bekannter sowie ein junger Angestellter. Weitgehend beschränkt sich die Story auf diesen Kreis. Das Gebiet wird sogar im wahrsten Sinne des Wortes von einer Polizeibarrikade abgeriegelt. Mit einem Kammerspiel haben wir es nun nicht zu tun; dafür dehnt sich das Geschehen dann doch zu weit aus. Trotzdem bleiben die Örtlichkeiten übersichtlich. Von außen werden Unbeteiligte lediglich in den Kreis gezogen, indem die Zombies per Funkgerät von einem Krankenwagen immer mehr Verstärkung fordern (!), um so an noch mehr Gehirne zu kommen.
Hier wären wir auch schon beim Zombiedesign. Die Existenz der Untoten wird einmal mehr recht simpel erklärt. Das Militär experimentierte mit einem gefährlichen Stoff, bei dem sich schließlich herausstellte, dass er Tote wieder ins Leben zurückholen kann. Romeros Zombie-Trilogie erweist sich dabei als denkbar schlechter Ratgeber für die Zombiebekämpfung: ein Kopfschuß bringt nämlich gar nix. Zerteilt man den Zombie in Stücke, laufen einem eben die einzelnen Fleischfetzen hinterher (das erinnert irgendwie an den Unsterblichen aus Clive Barkers "Spiel des Verderbens"). Die einzig sichere Methode ist das Verbrennen auf höchster Gradzahl.
Der Chef des Warenlagers und sein Angestellter ziehen diese Möglichkeit in Betracht, nachdem sie aus Versehen einen Zombie befreit haben. Nur leider entsteht bei der Verbrennung ein giftiger Qualm, der per Regen in die Erde des benachbarten Friedhofs einsickert...
Dieser Ansatz verspricht vor allem eine Vielfalt an unterschiedlichen Zombies. Der erste, aus dem geöffneten Behälter entsprungene ist gleich auch der gelungenste. Ein wackeliges, schleimiges Geschöpf, von den weißen Augen und Zähnen abgesehen vollkommen schwarz, mit Fleischfetzen behangen und wackelig-schwunghaftem Gang. Wie ein Sumpfmonster schlurft es langsam, aber zielsicher auf sein Opfer zu. "Dawn of the Dead" hatte seinen Holzfällerzombie mit halb abgefressenem Gesicht, "Day of the Dead" hatte den Zombie ohne Kiefer, und genauso ist das sumpfmonsterartige Geschöpf dasjenige, an das man sich später beim Gedanken an "Return of the Living Dead" zurückerinnern wird.
Dennoch gibt es noch viele weitere kreative Gestalten. Da hätten wir mit einer Frau aus der Gruppe der Punks einen Zombie, der mit seinen roten Haaren und seiner weißen Haut ein wenig an das Coverartwork von Marilyn Mansons "Mechanical Animals" erinnert (übrigens ist die Darstellerin dieses Zombies - auch noch als Lebende - fast den ganzen Film über mehr oder weniger nackt, was irgendwie eine lustige Idee ist). Oder auch das klassische Skelett mit Augen, das sich aus dem Grab erhebt (Die Armee der Finsternis lässt grüßen). Oder eine fast vollkommen verweste Frau, die nur noch aus Armen, Kopf, Brustkorb und dem Rückgrat besteht.
Im Übrigen haben die Zombies durchaus noch menschliche Züge. Sie unterscheiden sich vom Menschen nur durch zwei entscheidende Dinge. Erstens sind sie natürlich entsprechend ihres Todesumstandes verwest und / oder entstellt. Zweitens werden sie von einem unstillbaren Hunger nach Gehirnen geplagt, der sie alle menschlichen Moralvorstellungen vergessen und zu Tieren werden lässt. Man kann sich das so vorstellen wie Brad Pitts Situation in "Interview mit einem Vampir", als sich langsam, aber sicher der Blutdurst einstellt. Die eben genannte fast verweste Frau wird sogar gefesselt und verhört; bei dieser Szene zeigen sich besonders die menschlichen Restbestände (dass man mit verfaulten Stimmbändern wohl kaum noch so klar sprechen kann, lassen wir mal außer Acht).
Mit dem Chef und seinem Angestellten wird uns sogar noch der Umkehrprozess des Zombie-Werdens vorgestellt. Also: wie wird man als Lebender zum Zombie anstatt als Toter? Die schrittweise Verwandlung wurde sehr gut eingefangen und wirkt sehr effektiv.
Keine Frage: auch wenn teilweise explizite Splatter- und Gewaltszenen gezeigt werden, ist "Return of the Living Dead" in seiner Anlage eine Horrorkomödie, was natürlich nicht zuletzt auf seine Eigenschaft als Parodie zurückzuführen ist. Krasse Szenen und Schockmomente werden stets durch das trottelige Verhalten sämtlicher Beteiligter - egal, ob Zombies oder Menschen - aufgelockert. Die starke Verbindung von Horror und Comedy funktioniert dabei meiner Einschätzung nach teilweise noch besser als bei "Braindead", und damit wäre der Grundstein für eine hohe Bewertung auch schon gelegt, da dies ja der eigentliche Zweck des Filmes sein sollte.
Darüber hinaus versteht es O`Bannon, mit seinem Inszenierungskonstrukt zu spielen. So bricht nicht einfach eine Treppenstufe durch, als eine der Hauptdarstellerinnen vor dem "Sumpfzombie" flüchtet (jaaa, klar, ausgerechnet jetzt bricht die Treppe ein), sondern in einer vorhergehenden Szene warnt der Chef des Warenlagers seinen Angestellten beim Hinuntergehen noch vor der brüchigen Stufe. Damit wird das plötzliche Hindernis etwas nachvollziehbarer gemacht.
Auch in der Makroperspektive verfehlt der Film seine Wirkung nicht. Mit jedem Kill wächst das Gefühl, dass sich die Zombies quasi exponentiell ausbreiten, so dass man sich fragt, wie man die Plage wohl eindämmen kann, zumal die Zombies im Prinzip nicht getötet, sondern höchstens eingefangen (oder eben verbrannt) werden können. Hatte Romero (gerade bei seinen Realismusansprüchen) noch mit der Erklärung zu kämpfen, wieso sich seine Zombies so schnell ausbreiten konnten, wo sie doch so langsam waren und mit einem gezielten Kopfschuss verhältnismäßig einfach niedergestreckt werden konnten (diese Frage wird dann doch noch nachvollziehbar beantwortet mit der Gegenfrage, ob man einen verwandelten Verwandten selbst so einfach umbringen könnte), so fragt man sich hier eher umgekehrt, wie eine solche Plage aufgehalten werden könnte.
Aber solche Fragen will Dan O`Bannon eigentlich gar nicht aufwerfen. Vielmehr geht es hier um Kurzweil und vergnüglichen Splatterspaß mit tollen Effekten. Und das konnte gar nicht viel besser gelingen. Der Film ist nicht immer logisch, dafür aber um so spannender und spaßiger. Bei all den ernstgemeinten Zombiestreifen mit all ihrer Sozialkritik, wer kann da nicht sagen, dass er mal gerne einen Zombiefunsplatter sehen wollte, in dem die Zombies lautstark "GEHIRN, GEHIRN!" stöhnen? Die nostalgischen Qualitäten hoben den Film dann selbst über den Status einer Parodie in den eines Klassikers hinein, was zwei Sequels eindrucksvoll dokumentieren.
8/10