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"Il gatto nero" ist zwar nicht Lucio Fulcis härtester oder spektakulärster Film, aber ich konnte ihn doch sehr genießen, obwohl er nicht viele blutige Szenen bringt. Die typische Härte ist dennoch vorhanden: Einige Figuren gehen hier schon recht qualvoll zugrunde, sei es durch Verbrennen, langsames Ersticken oder es darf auch mal in ein paar sinnlos herumstehende Metallspitzen gefallen werden. Die Hauptfigur, die mit einem seltsam-hypnotischen Fauch-Knurren ausgestattete Katze, ist sehr gut in Szene gesetzt und wird durch einige spezielle Kameraperspektiven gewürdigt. Schon der Vorspann zeigt den Regiekönner Fulci, als er seiner Katze zur traumhaft schönen Musik Pino Donaggios (mit Cembalo, Flöte und Oboe...) über die Dächer eines englischen Dörfchens folgt.

In den Außenaufnahmen des Dorfes liegt ein besonderer Reiz dieses Films. Es strahlt eine wundervolle altertümliche Stimmung aus, wie man sie in vielen Landstrichen des Inselreichs finden kann. Lucio war sehr gut beraten, hier nicht die platten Postkartenaufnahmen der hässlichen "Skyline" von New York zugrunde zu legen, wie er es leider in späteren Filmen alle naselang tat. Der frühe Zombiefilm "Let Sleeping Corpses Lie" von Jorge Grau spielt ebenfalls in wunderschöner englischer Landschaft, aber Lucio Fulci präsentiert sie noch ein ganzes Stück liebe- und wirkungsvoller. Auch die Innenräume sind sehr gelungen (vor allem das Haus des von Patrick Magee gespielten Hellsehers) und tun ihr übriges zur Atmosphäre des Films.

Schauspielerisch kann der Film mit einem sehr präsenten und mit einem diabolischen Charisma aufspielenden Patrick Magee punkten, der unter anderem in Klassikern wie Stanley Kubricks Barry Lyndon oder Clockwork Orange mitmachen durfte. Leider spricht er oft sehr leise, was sehr wirkungsvoll herüberkommt, aber das Verständnis des englischen Originaltons ein wenig erschwert. Auch andere für Fulci-Genießer bekannte Gesichter wie Mimsy Farmer, David Warbeck oder Dagmar Lassander lassen sich blicken.

Ist dieser Film eine Poe-Adaptation? Eher nein, wie so viele Filme, die angeblich diesem Autor folgen. Die Pointe aus der berühmten gleichnamigen Erzählung wurde allerdings in wirkungsvoller Weise übernommen. Mehr will ich jetzt mal nicht verraten. Nur soviel, wer Grusel und Atmosphäre sowie verträumte englische Gegenden mag, sollte hier voll auf seine Kosten kommen. Sehr schöner, ruhiger und stimmungsvoller Film.

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