In einem kleinen englischen Dorf ereignen sich einige seltsame "Unfälle" mit Todesfolge, die die örtliche Polizei vor ein Rätsel stellen. Weil er mit den Ermittlungen nicht vorankommt, fordert der einheimische Polizist Wilson zur Unterstützung den Scotland Yard-Inspector Gorley an. Zur gleichen Zeit gerät die amerikanische Fotografin Jill Trevers, die in England gerade an einem Foto-Band über alte Friedhöfe arbeitet, an den merkwürdigen Einsiedler Robert Miles, der seit einiger Zeit versucht, mittels in den Grüften angebrachter Mikrofone die Stimmen der Toten auf Band zu bannen. Nach einigen weiteren Leichenfunden kommt dann auch heraus, dass die vermeintlichen Unglücke in Wahrheit auf Miles' Konto gehen: Dieser ist nämlich medial veranlagt und lässt seine aggressive schwarze Katze seine unbewussten Wut- und Hass-Gefühle gegenüber seiner Umwelt ausleben. Bald schon hat er das Tier nicht mehr unter Kontrolle... "The Black Cat" ist da direkt im Anschluss an seine Zombie-Epen der frühen 80er Lucio Fulcis einigermaßen geglückter Versuch, einen reinen Gruselfilm ohne groß angelegte Gore-Einlagen auf die Beine zu stellen, der stattdessen - unter der Berufung auf einige Edgar Allan Poe-Motive - mehr durch Stil und Atmosphäre glänzen soll... was aber nicht bedeutet, dass man hier nun völlig auf krude Splatter-Effekte verzichten muss. Zu ein paar makaberen, formal jedoch brillant gestalteten Todes-Szenen hat der gute Lucio dann nämlich doch noch aufraffen können, allerdings werden diese nicht so selbstzweckhaft in den Vordergrund gerückt und breit ausgewalzt, wie es zuvor noch der Fall gewesen ist. Inmitten des Schaffenswerks des Regisseurs stellt das Ganze zwischen den beiden blutigen Streifen "Geisterstadt der Zombies" und "Der New York Ripper" demnach eine Art Zäsur dar. Die wenigen brutalen Momente gehen zudem mit einem vergleichsweise zaghaften Kunstblut-Verbrauch einher und bemühen eher solche pyrotechnischen Gags wie brennende Dummys und Stuntmen. Beinharte Fans könnten sich in Erwartung eines weiteren ruppigen Schockers à la "Woodoo - Schreckensinsel der Zombies" oder "Ein Zombie hing am Glockenseil" da eventuell ein wenig vor den Kopf gestoßen fühlen (und ein Fan-Fave wird "The Black Cat" wohl gerade deshalb auch niemals werden), doch ich finde, dass Fulci seinem selbstgesteckten Ziel durchaus gerecht geworden ist. Die sauber arrangierten, recht eindrucksvollen Kamerafahrten und Bild-Kompositionen zeugen da nämlich schon von einem gehobenen handwerklichen Können, allenfalls seinen Augen-Fimmel hat er nicht so recht unter Kontrolle bekommen, was sich wieder mal in zahlreichen Close-Ups und Zooms auf die Gesichter der Darsteller (und das der titelgebenden Katze) äußert. Glücklicherweise kann Fulci aber mit ein paar pfiffigen Regie-Einfällen erheblich gegensteuern, weshalb man ihm seine Trademark-Mätzchen in diesem Fall gerne nachsieht. Wer sich von "The Black Cat" nun aber eine adäquate Umsetzung der gleichnamigen Edgar Allan Poe-Kurzgeschichte erhofft, dürfte sich arg enttäuscht sehen, denn mal abgesehen davon, dass auch hier eine schwarze Katze durch die Gegend stromert und in den letzten fünf Minuten doch tatsächlich noch jemand lebendig eingemauert wird, halten sich die Gemeinsamkeiten mit der literarischen Vorlage arg in Grenzen. Ein Großteil der Handlung wird dann auch nicht von den Poe’schen Versatzstücken bestimmt, sondern stammt aus der Feder von Lucio Fulci und seinem Co-Drehbuchautor Biagio Proietti... was auch erklärt, warum das Ganze stellenweise einen recht konfusen Eindruck macht. Leider erreicht "The Black Cat" trotz aller Unlogik auf der Story-Ebene aber irgendwie auch nicht die wahren Höhen jener alptraumhaften Phantastik, die Fulcis eigenen "Geisterstadt der Zombies" noch so mühelos in den Horror-Olymp gehoben hatte, sondern ist im direkten Vergleich einfach nur schludrig konzipiert. Es ist gut, dass der Film mit so vielen gruseligen Set-Pieces aufwarten kann, die die inhaltlichen Schwächen ganz passabel verdecken. Zu den wahren Höhepunkten geraten dabei natürlich die Auftritte der Katze, denn die ist ein ganz verkommenes Biest und alle Szenen mit ihr funktionieren bestens und sorgen allemal für die anvisierte Gänsehaut. Und fairerweise muss man zugestehen, dass Fulci mit seinem Film immer noch eine getreuere Adaption der Poe'schen Vorlage gelungen ist, als das bei Edgar G. Ulmers als Klassiker gehandeltem "Die Schwarze Katze" von 1934 oder Serge Rodnunskys Billig-Schrott "Black Cat: Böse Augen - Blutige Morde" der Fall gewesen ist. Deshalb: Insgesamt gelungen und empfehlenswert.
7/10