Ich stopfe ja immer noch kleinere Slasher-Löcher in meiner Filmbibliothek (wenn ich es mir recht überlege, eine sehr zweifelhafte Formulierung) und „He Knows You’re Alone“ gehört sicher zu den Filmen, die man aus den frühen 80ern gesehen haben sollte, um zu wissen, wie man die Guten von den Bösen bzw. den Schlechten unterscheidet.
Wer jetzt anfängt zu suchen, die Chose hat bei uns den rasend engagierten Titel „Panische Angst“, was nicht sonderlich kreativ ist, aber den Zustand für das letzte Filmdrittel recht ordentlich umschreibt. Da sei noch beigefügt, dass ausgerechnet dieser Reißer keinen Kinostart in good old germay bekam und dann als Videopremiere die Leihgeschäfte stürmte.
Generell ist damit auch keine Untat an Armand Mastroiannis Debütwerk als Regisseur begangen worden, denn in Sachen Originalität kann er es trotz recht erfolgreicher Spannungserzeugung leider nicht mit seinen Kollegen aufnehmen.
Oder das Fazit gleich zu Beginn ausgegeben: Wer in seinem ganzen Leben Carpenters „Halloween“ noch nie gesehen hat, der wird „He Knows…“ sicher für ordentlich originell und spannend halten – weil: es ist de facto der gleiche Film!
Natürlich sind Details verändert, damit man sich keiner Klage ausgesetzt sieht, aber im Kern sind die Filme komplett identisch aufgebaut: ein Killer, der gern Bräute in spe killt, ist wieder „on the loose“ und ein manischer Polizist (statt Arzt) ist hinter ihm her. Der Böse hat sich ein junges Mädchen ausgesucht, die gerade ihren Typ an ein fröhliches Männerwochenende verloren hat und mit ihren „Mädels“ allein daheim sein wird, um selbst Spaß zu haben.
Ein Kind ist auch noch im Haus und unsere Protagonistin fühlt sich auf der Straße irgendwie von einer Person beobachtet und verfolgt. Als die Nacht aufzieht, schreitet der Täter zur Tat, dringt in Gebäude und meuchelt los, vorzugsweise mal wieder die Freundinnen der Protagonistin. Dabei benutzt er gern ein langes Messer und er lässt sich auch durch Autofluchten und verschlossene Türen nicht aufhalten.
Gut, der böse Mann trägt hier keine Maske, aber Tom Rolfing, der Darsteller des Killers, müht sich um einen permanent verzerrt-angestrengten Gesichtsausdruck in allen seinen Szenen, wo er einem Kill hinterher hechelt, so dass die Wirkung des sonst stummen Angreifers ziemlich verstörend ist.
Hilfe ist unterwegs in Gestalt eines kumpeligen Leichenhausmitarbeiter und alten Ex-Freunds, dessen Areal (offenbar hat der Keller der Morgue die Dimensionen einer Kleinstadt, was die Gänge und Röhren angeht) am Ende für den Showdown herhalten muss.
Dabei kommt ein maximal solider Slasher bei heraus, der allerdings einige Macken hat, vor allem in Gestalt des manischen Polizisten, der ungeachtet von fehlenden Hinweisen, immer so sehr auf Hektik und Thermik macht, dass er vergisst zu erklären, was und warum er so brandeilig alles machen will, was dann am Ende nicht eben in lebensrettenden Eingriffen gipfelt.
Was Caitlin O’Heaney angeht, die hier in der Jamie Lee-Rolle zu sehen (und kreischend zu hören) ist, so hat sie nicht wirklich viel zu tun, anders als in dem von mir ebenfalls durchlittenen „Savage Weekend“, wo sie noch als nymphomane Trashschleuder mehrfach blank gezogen hatte.
Erwähnenswert an dieser Produktion ist maximal noch die Mitwirkung dreier namhafter Schauspieler, die sich dann in den 80ern in den Vordergrund spielten: Paul „Der Lehrer aus „Breakfast Club“ Gleason als zweiter Polizist in einigen Szenen; James Rebhorn als fremdgehender Dozent, der gerne mal die – hello again- rattige Freundin der Protagonistin bügelt, um entsprechend kurz darauf unters Messer zu kommen und nicht zuletzt der dann in wenigen Jahren legendär werdende Tom Hanks, der hier in einer plottechnisch überflüssigen Nebenrolle als grinsender Student der Angstzustände in einer Rummelplatzsequenz auftaucht und offenbar den Machern so gut gefiel, dass sie seine geplante Todesszene einfach aus dem Drehbuch strichen.
Einige der Mordszenen sind ziemlich deutlich von „Halloween“ abgekupfert, was schade ist, denn der Film beginnt wie eine pränatale Meta-Version des Slashermotivs, wie es auch in „Scream 2“ dann verwendet wurde. Die urbane Legende von dem Pärchen im Auto bei Nacht (also die Story vom Haken-Mann) wird hier inszeniert, um sich am Höhepunkt dann als Horrorfilm in einem Kino herauszustellen, in welchem zwei Mädels sitzen, von denen eine den Schluss des Streifens nicht mehr erleben wird – mittels Messer durch die Lehne. Hand hoch, wem das irgendwie bekannt vorkommt.
Danach wird der Film aber immer offensichtlicher und braucht eine Weile, bis er in die Gänge kommt, kann dann aber bei den Suspenseszenen immer wieder trotz Abkupferung passabel punkten. Leider ist das Finale eine uninspirierte Rennerei mit erhöhtem „Mensch, sind die alle blöd“-Faktor, wie man das von einem B-Slasher gewöhnt war. Aber das war auch noch in der Bugwelle des Horror-Booms, denn gedreht wurde im Dezember 1979, als die Maschine just in Fahrt gekommen war.
Wem der Film also über den Weg läuft, er ist durchaus okay, aber in Teilen eben gut durchgepaust, weswegen man die Parallelen zu Carpenters Klassiker am besten in der Westentasche dabei haben sollte. Ansonsten will ich aber damit nicht zu böse sein, es ist mir über weite Strecken wesentlich Dümmeres vor die Linse gekommen. (5/10)