Review

Brautschau mit Messer!

Bei dem ungeniert-slasherigen Poster, der unübersehbaren Nähe zu Carpenters Meisterstreich und dem berühmten Gastauftritt (Tom Hanks!) hätte ich schwören können, dass ich "He Knows You're Alone" schon gesehen und kommentiert habe. Aber dem ist nicht so. Der war mir überraschenderweise noch nie über den Weg gelaufen. Ich kannte ihn schlicht nicht. Kann passieren bei den etlichen ähnlichen 80s-Schlitzerhits. Umso schöner, ihn jetzt positiver und effektiver entdecken zu können als je zuvor. Erzählt wird von einer US-Kleinstadt, wo ein Killer umgeht, der es scheinbar vor allem auf (angehende) Bräute abgesehen hat...

Trägst du weiß, bist du heiß, kommt dir der Schweiß, sticht er in den Steiß...

Wie das oft ist mit niedrigen bis gar keinen Erwartungen - "He Knows You're Alone" hat mich als Slasherfan erstaunlich effektiv und erbarmungslos abgeholt. Die vielen dreist geklauten Szenen, Scoremomente und Spannungsbögen aus "Halloween" sind auffällig, ärgerlich, plump und haben dem Film in seiner Betrachtung sicher nicht gut getan. Zum Teil auch zurecht. Aber rechnet man diese ihm nicht zu negativ an, bleibt immer noch ein erfreulich gemeiner Schlitzer auf der Rasierklinge zwischen 70er und 80er. Und Hanks Gastauftritt ist ja wohl kaum der Rede wert. Auf das "Klauen" und seinen Megastar sollte "He Knows You're Alone" also überhaupt nicht zu sehr reduziert werden. Er ist reifer, fieser und realistischer (!) als viele seiner Subgenrekollegen. Er ist auch uramerikanischer sowie gleichzeitig italienischer in seinen Einflüssen. Sein Tempo samt Laufzeit ist ideal. Sein starkes Intro hat ohne Frage wiederum "Scream 2" massiv beeinflusst. Einige Kills, clevere (!) Jumpscares und Spannungsmomente haben es in sich. Das ist echt kompetent gemacht. Und insgesamt kann man mit diesen Traumkleidern in weiß - mitsamt blutroter Flecken - eine Menge anfangen. Wenn man seine klaren Missgriffe nicht zu hoch hängt. Er ist fast noch hochwertiger und hollywood'iger als "Halloween". Und er weiß ganz genau, wo er hingehen muss, damit er weh tut, ungemütlich wird und gruselt. Ein eher ernster, erwachsener, unkäsiger Slasher. Kalte Füße mal anders.

Besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht

Fazit: auch wenn er sich auffällig viel bei "Halloween" wegnimmt - das ist ein brauchbarer, recht hochwertiger und garstiger "Hochzeits"-Slasher, der deutlich mehr Gründe für sich hat als nur den jungen Tom Hanks und für Slasherfans zumindest einmalig lohnt!

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