Inhalt:
Japan, im Jahre 1701, das Shogunat der Tokugawa herrscht im Zeitalter der Samurai mit eiserner Faust über das Land.
Gengobe (Katsuo Nakamura) ist ein Ronin, ein herrenloser Samurai, der als Gefolgsmann des Asano-Clans verstoßen wurde.
Um seinen Status zu restaurieren und der 48. Ronin zu werden, die den Umsturz wagen wollen, sammelt Gengobe´s treuer Diener Hachiemon (Masao Imafuku) die Summe von 100 Ryo in Gold. Diese sind für Gengobe´s Annahme als 48. Ronin erforderlich.
Gengobe ist indes der schönen Geisha Koman (Yasuko Sanjo) bedingungslos verfallen.
Koman steht kurz vor dem Verkauf an einen anderen Mann. Um sie auszulösen sind 100 Ryo erforderlich.
Gengobe veruntreut für Koman somit die 100 Ryo.
Doch Gengobe wird belogen und hintergangen.
Koman ist mit einem anderen Mann verheiratet, mit dem Samurai Sangoro (Juro Kara), dem sie bedingungslos treu ist, und mit dem sie auch einen Sohn, der noch ein Säugling ist, hat.
Gengobe tötet vor Eifersucht und Hass etliche Personen, die dem Komplot gegen ihn angehörten, auf brutalste Weise.
Sangoro und Koman entweichen indes, und Gengobe wird von den Behörden als der "Fukugawa-Mörder" steckbrieflich gesucht.
Gengobe kann Sangoro und Koman stellen, doch gibt er sich geläutert-arglos, und zeigt keinerlei Rache-Absicht.
Polizisten werden vom Bruder Komans informiert, und wollen Gengobe verhaften. Doch nimmt Hachiemon alle Schuld auf sich, und wird als "Fukugawa-Mörder" von der Polizei abgeführt.
Koman und Sangoro, der den Bruder Komans, welcher die beiden erpressen will, brutal tötet, wähnen sich nunmehr in Sicherheit.
Doch Gengobe entfesselt alle Rache-Dämonen die ihm innewohnen.
Und Gengobe´s Rache fällt überaus blutig aus...!
Kritik:
Im Jahre 1971 drehte Regisseur Toshio Matsumoto dieses sehr subtil aufgebaute Samurai-Melodram, bei dem der Zuseher bei 133 Minuten Laufzeit Ausdauer und Geduld aufzubringen hat.
Tut der Zuseher dies, wird er mit einem zwar gemächlich erzählten und mit Dialog-Längen versehenen, aber auch dann äußerst dramatischen und auch blutigen Jidai Geki belohnt.
In Schwarzweiß gedreht, wird hier eine Rache-Story in gedehnt-subtiler Weise gestaltet, mit vielen Dialogen, kammerspielartig in zumeist räumlicher Enge, und einigen Längen, vor allem in der ersten Stunde des Films.
Als sich der Anti-Held getäuscht und betrogen sieht, entsteigt der Streifen einer gewissen bis dahin bestehenden Lethargie, und wird dann zum dramatischen und überaus blutigen Rache- und Killer-Thriller...!
Man rechnet eigentlich gar nicht mehr damit. Und ich muss ehrlich sagen: In der ersten Stunde fragte ich mich, welcher Jidai Geki / Chanbara ist langweiliger, "Kagemusha" oder "Pandemonium" (aka "Shura")?
So subtil-gedehnt, so gemächlich und langatmig kommt dieser Film zunächst daher.
Nicht, dass das Tempo dann merklich anziehen würde, aber die Dramatik und Gewalttätigkeit nimmt dann derart zu, dass "Pandemonium" zu einem sehr stark fesselnden und den Betrachter das Blut in den Adern gefrieren lassenden Rache-Thriller wird.
Und sehr intensiv und stark gespielt ist das von den Darsteller:Innen dann zudem auch noch.
Insbesondere Katsuo Nakamura, Bruder des rennomierten Darstellers Kinnosuke Nakamura, er spielt den Anti-Helden, den belogen-betrogenen Ronin, der zu einem Rache-Engel sondergleichen mutiert.
Das ist eine markant-brillante Leistung von Nakamura, dessen Spiel dieses Samurai-Melodram mitentscheidend prägt.
Yasuko Sanjo steht dem in nichts nach. Als zunächst schamlose Geisha, geldgierig und eiskalt, wird ihre Figur zur gejagt-verzweifelten Mutter eines Säuglings, die einem dann fast leid tut.
Das ist von Sanjo variabel gespielt, und sie überzeugt als Darstellerin den von ihr beeindruckten Betrachter dieses Samurai-Dramas.
Juro Kara spielt den Villain ebenfalls intensiv. Auch seine Figur macht eine Wandlung durch, wie die Geisha, deren Partner sie ist. Erst kalt-gierig, dann der verzweifelt-gejagte, der brüchig geworden, seinem blutigen Schicksal zu entrinnen gedenkt.
Das macht es zum echten, dann kernig-blutigen Rache-Drama.
Echte Fights gibt es in diesem Melodram denn keine, das ist kein Chanbara, kein Schwertkampf-Film.
Dafür gibt es viehische, brutale Tötungen, und das Blut fließt nur so.
In der zweiten Hälfte des Streifens ist der Body-Count denn überraschend in die Höhe getrieben, so wie der Blutgehalt, bis zum bitterbösen Finale, als es zum gnadenlosen Töten kommt.
"Pandemonium" gehört zu diesen schwierigen Jidai Geki (jap. Historienfilm), die zunächst äußerst subtil und fast einlullend in Szene gesetzt sind, und die Ausdauer und Geduld vom Zuschauer erfordern.
Dann legt die Dramaturgie ´mehrere Zähne zu´, und es wird grausam und blutig, sowie der Zuseher sprach- und fassungslos am Ende dieses Films.
Erst sieht es gar nicht so sehr danach aus, doch dann am Ende sagt man sich: Starker Film.
Einige Längen muss man durchstehen, okay, aber das ist wohl auch typisch für Filme dieser Art. Hätte man "Pandemonium" da etwas seitens der Regie eingedampft, bleibt die Frage, ob es diesem Streifen wirklich gut getan hätte.
8/10.