She Wolf (Eileen Davidson, The House on Sorority Row) hat eine Vision. Sie sieht eine Welt, in der furchtlose Frauen das Sagen haben. Eine Welt, in der sie nicht mehr ständig ausgenutzt und erniedrigt, mißbraucht und "angekotzt" werden. Zur Umsetzung dieser Vision hat sie die beinharte Motorradgang Women of the Wolf gegründet, um mit ihnen Babys zu entführen. Die Babys, sofern weiblichen Geschlechts, werden dann im Wald ausgesetzt, damit sie - so wie She Wolf einst selbst - von Wölfen großgezogen werden. Nutzlose Buben werden am Schwarzmarkt verscherbelt. Während She Wolf & Co Iowa unsicher machen, tuckert der Vietnam-Veteran Bruce (Paul Le Mat, Puppetmaster) mit seiner Gang Born Losers die Straßen entlang und kreuzt schließlich den Weg der Wölfinnen. Bruce hat ebenfalls Visionen, da seit dem Krieg ein Granatsplitter in seinem Gehirn festsitzt. Er denkt, daß es seine Aufgabe sei, das Böse, welches das Land terrorisiert, auszulöschen. Daß sich Bruce und She Wolf ineinander verlieben, verkompliziert die Situation ein wenig.
Selbst wenn man keinen blassen Schimmer haben sollte, wer das Drehbuch mitfabriziert und Easy Wheels mitproduziert hat, man spürt es irgendwie. Dieser wunderbar schrullige, fast unverkennbare Raimi-"Spirit" trieft diesem ungeheuer launigen B-Movie förmlich aus allen Ritzen und Löchern. Sam Raimi, versteckt hinter dem Pseudonym Celia Abrams, schrieb zusammen mit seinem Bruder Ivan und Regisseur David O'Malley das Drehbuch, während hinter der Kamera unter anderem Robert G. Tapert, Bruce Campbell und wiederum Sam Raimi als Mitproduzenten die Fäden zogen. Es gibt einige Ähnlichkeiten zu Raimis Arbeiten in dieser Schaffensphase (Crimewave, Evil Dead II, Darkman, Army of Darkness), insbesondere in Bezug auf den teils makabren Humor. Ach Gott, was liebe ich diesen Humor. Hätte ich mich bei Sichtung von Easy Wheels im Spiegel sehen können, so bin ich mir sicher, daß sich meine Lippen die ganzen neunzig Minuten hindurch zu einem dümmlichen Grinsen verzogen haben und daß meine Augen glücksselig strahlten. Das ist natürlich auch darauf zurückzuführen, daß mich der Film völlig kalt erwischte. Ich hatte ja keine Ahnung, was da auf mich zukam!
Doch schon nach wenigen Momenten stand fest: dieser Streifen wird die Bude rocken! Und genau das tat er dann auch. In erster Linie ist Easy Wheels eine ganz, ganz schräge Komödie, vollgepackt mit kauzigen Figuren, irrwitzigen Dialogen, dämlichen Aktionen und Slapstick-artiger (unblutiger) Gewalt. Hin und wieder wird einfach fröhlich drauflos geprügelt, bis sich die Balken biegen. Da bekommt einer unserer "Helden" ein Verkehrsschild über die Rübe gezogen, segelt ein anderer nach der Explosion einer vor seine Füße geworfenen Granate durch die Luft oder werden einem Dritten heftige Tritte in die Weichteile verabreicht, daß man mit den geborenen Verlieren richtig Mitleid bekommt. Sie meinen es ja eigentlich nur gut, aber gegen diese rabiaten Weiber scheint einfach kein Kraut gewachsen. Obwohl sich Easy Wheels im Grunde von einer abstrusen Situation zur nächsten hangelt, verkommt er nie zur bloßen Nummernrevue. Die Dramaturgie, so verspielt sie auch ist, funktioniert im Großen und Ganzen, und als Zuschauer bleibt man gerne dran, zumal einem die beiden Hauptfiguren nicht egal sind.
Sowohl Paul Le Mat als auch Eileen Davidson erwecken ihre durchgeknallten und/oder absonderlichen Charaktere zum sympathischen Leben und hauchen ihnen darüber hinaus eine Unsicherheit und eine Verletzlichkeit ein, die in Filmen dieser Art sehr selten ist. Tatsächlich schafft es Easy Wheels, in einigen Momenten sogar zu berühren. Die Emotionen kommen beim Zuschauer an. Darüber hinaus nimmt der Streifen mit Witz und Esprit und Leidenschaft das Genre des Bikerfilms auf die Schippe und jongliert mit den bekannten Stereotypen ebenso wie mit der Mann/Frau-Rollenverteilung. Das ganze Szenario wird natürlich straight durchexerziert; selbst im Angesicht gröbsten Unfugs (wie z. B. der spontanen Darbietung eines Gospel-Songs!) bleiben die Mienen ernst. Erwähnen möchte ich noch, daß in Minirollen Ted Raimi und Dan Hicks (Intruder) mit von der fröhlichen Partie sind, und daß She Wolf bzw. Bruce eine Kawasaki respektive eine Honda fahren. Easy Wheels ist ein schräges B-Movie, dessen Existenzzweck es ist, seinem Publikum neunzig Minuten lang prallen Spaß und gute Laune zu bieten und ihm ein zufriedenes Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Bei mir hat er das auf ausgesprochen charmante Art und Weise problemlos geschafft.