Die Horror-Ikonen der modernen Zeit haben alle etwas gemeinsam: Sie sind unkaputtbar und irgendwie, aus der Filmwelt, einfach nicht wegzudenken, selbst viele Jahre nach ihrem Erstauftritt. Michael Myers, der Urvater aller Slashermovie-Killer z.Bsp., bereitet sich derzeit, ca. 27 Jahre nach "Halloween", für seinen mittlerweile achten Filmauftritt (im neunten "Halloween"-Film) vor. Jason Vorhees, der Killer der vor fast 25 Jahren das erste Mal, an einem Freitag den 13., im "Camp Crystle-Lake" wütete, schlachtet sich, Gerüchten zu Folge, nun bald durch ein Drehbuch von Quentin Tarantino. Und der 1988 entstandende "Chucky"? Nun der hat derzeit echte Vatersorgen am Hals, wenn er sich, in seinem aktuellen (fünften) Film, "Chucky's Baby", um sein Kind kümmern muss. Herausgekommen ist dabei eine unterhaltsame Horror-Comedy, im bekannten Chucky-Stil, die aber einen mächtigen Schönheitsfehler aufweist!
Aber erst einmal zu den guten Dingen, denn die überwiegen ja doch. Die Story z. Bsp. ist, wie schon beim Vorgänger, herrlich auf Chucky und seines Gleichen zugeschnitten worden, wobei dieses mal der Hang zur gewollten Selbstverarschung merklich hoch geraten ist. Chucky und seine Braut Tiffany sind die Stars in ihrem eigenen Film, zusammen mit Jennifer Tilly (die sich natürlich selbst spielt). Da Jennifer aber nach Höherem strebt, als nur einen billigen Horrorfilm, steigt sie aus dem Projekt aus, um sich für die Rolle der Jungfrau Maria zu bewerben. Chucky und Tiff haben dagegen vor, endlich aus ihrem Plastikkörper zu kommen und wollen dafür Jennifers Körper gebrauchen. Und dann ist da auch noch das Kind, welches sich nicht entscheiden kann, ob es nun gut oder böse bzw. Mädchen oder Junge ist. Eben allerhand Probleme für unsere liebste Mörderpuppe. Wie es zu einem ordentlichen Chucky passt, so ist auch das Drehbuch zu "Chuckys Braut" herrlich absurd ausgefallen und nur so vollgestopft mit schrägen Ideen der unterhaltsamsten Sorte. Größere Innovationen sollte man zwar keine erwarten und auch mit der Logik hapert es hier und da, aber das ist man ja, bei Horrorfilmen, heutzutage eh schon gewohnt.
Den größten Teil des Films nimmt aber dieses mal die mustergültige Selbstverarsche von Jennifer Tilly ein. Selten hat ein Star so viel Mut zur filmischen Selbstverstümmelung bewiesen, wie die Tilly hier. Nicht nur das sie sich als garstiges Miststück spielt, der wirklich jedes Mittel recht ist um an eine Rolle zu kommen, Nein, sie muss sich auch noch, als Stimme von Puppe Tiffany, ständig selbst an Bein pinkeln und sich als "gierige Schlampe" etc. bezeichnen. Und das sind wirklich nur einige Beispiele, des wohl schrägsten und bösartigsten "Selbst durch den Kakao ziehen" aller Zeiten. Jedenfalls kann sich die Oscar-nomminierte Tilly hier viele Lacher auf ihr Konto verbuchen lassen und dürfte sich somit den Spott der Kollegen entgültig entzogen haben. Denn wer veräppelt jemanden, der sich schon mal permanent selbst geopfert hat? Eben!
Dazu kommen dann natürlich auch noch unzählige Filmzitate, die der Filmkenner mit wohlwollen aufnehmen dürfte. Das fängt schon beim genial inszenierten Prolog an, der sich gleich einmal vor dem Gründer aller Schlitzer tief verbeugt: John Carpenter und seinem "Halloween". Wie schon beim Myers-Film, so läuft auch diese Szene hier in der Perspektive des Mörders ab, sprich aus dem Blinkwinkel einer Puppe. Des weiteren darf sich Chucky, in bester "Mission Imposible"-Manier, über einem seiner Opfer abseilen und im Finale den bösen Jackie aus "Shining" miemen, wie er sich, mit einem Beil, durch eine Tür schlägt. Und das sind nur drei von unzähligen Filmen, die hier meist wirklich liebevoll und gekonnt auf die Schippe genommen werden.
Aber natürlich dürfen auch Chucky und Gefolgschaft selbst nicht vergessen werden. Viel böser Witz spielt sich wieder auf der Leinwand ab, wenn Chucky die Mordslust überkommt und er sein zwiespältiges Kind auf seine Seite ziehen will. Dabei geht es natürlich niemals zimperlich zur Sache und somit verliert schon mal der ein oder andere seinen Kopf, wird jemand mit Salzsäure übergossen oder Ähnlichem. Dazu immer ein flotter Spruch auf Chuckys oder Tiffs Lippen und schon ist dreckige und blutige Unterhaltung vorprogrammiert. Und spätestens wenn uns ein wichsender Chucky vor die Augen geführt wird, dürfte selbst der letzte, noch ernst gebliebene, Zuschauer losprusten.
Schade nur, dass der Streifen diese konsequente Boshaftigkeit nicht durchgängig beizuhalten versucht. Denn zwischen Chucky, Tiff und ihrem geschlechtslosen Kind, kommt es, im Laufe des Streifens, leider immer wieder zu einigen Reibereien, die aber leider nicht auf eine komische oder überzogene Art und Weise inszeniert wurden, sondern irgendwie ne Spur zu ernst auf den Zuschauer wirken. Der/Die gutmütige Glen/da heult z. Bsp. ständig, pinkelt sich ein oder versteht die Welt nicht mehr, wenn er/sie sich zwischen seinen Eltern entscheiden muss. Grotesker Humor bleibt bei diesen Szenen weitgehendst auf der Strecke, womit es dem Zuschauer fast so vor kommt, als wolle Regisseur und Drehbuchschreiber Don Mancini hier noch einen Familiendrama-Part (zwischen Puppen) mit hinein bringen. Und das kann doch nun eigentlich wirklich nicht sein, zumal es wirklich in keinster Weise zum Restgeschehen passt. Aber nun gut, verdaulich ist es allemal.
Was die Inszenierung des Puppenspektakels anbelangt, kann man aber wieder nur Positives berichten. Das Puppenspiel von Chucky, Tiffany und Neuling Glen/da ist, wie schon bei den Vorgängern, wieder einwandfrei ausgefallen, genauso wie das Design der Figuren. Hier steckt wirklich viel Liebe zum Detail drin, was man auch in jeder Szene spürt. Dazu bekommt der Zuschauer einen wirklich stimmigen Score zu bieten und einige herbe Spezial Effekte, die auch nicht unbedingt von schlechten Eltern sind. Für einen Film dieser Art, ist das Ganze jedenfalls absolut solide und wohlwollend ausgefallen.
Was die Schauspieler-Leistungen angeht, wird dagegen nur Mittelmaß geboten, sieht man mal von Hauptdarstellerin Tilly ab. Wie schon weiter oben erwähnt, spielt sie ihren Part, der chronologisch eitlen und unsympathischen Tilly, mehr als überzeugend. Eine wunderbare Verhohnepiplung ihrer selbst, optimal vorgetragen. Alle anderen Darsteller wirken dagegen blass und lustlos. Vor allem der Rapper Redman sollte nicht noch einmal probieren zu schauspielern!
Fazit: Unterhaltsame Schlachterplatte, mit viel schwarzem Humor und einer der bösartigsten und konsequentesten Selbstverarschungen aller Zeiten. Wenn Jennifer Tilly sich ständig selbst durch den Dreck zieht ist das Lachen groß und wenn Chuckys Lust zu Morden beginnt, dann ebenfalls. Nur das Familiendrama zwischen Chucky, Tiffany und ihrem zwittrigen Kind stört auf die Dauer. Ansonsten dürften aber alle Chucky-Fans soweit zufrieden sein! Horror-Comedy-Freaks sowieso!
Wertung: 7/10 Punkte