Review

„Das Vermächtnis der Tempelritter“ schlägt in wieder in die Kerbe des jugendfreien Entertainment aus dem Hause Bruckheimer/Disney, ist aber fast so unterhaltsam wie „Fluch der Karibik“ von der gleichen Combo.
Der kleine Benjamin Franklin Gates hört mit großer Aufregung seinem Großvater zu, als dieser die Geschichte von der Aufgabe der Familie Gates erzählt: Den Nationalschatz finden. Dieser wurde über die Jahrhunderte angehäuft, ehe ihn Tempelritter nach Amerika brachten. Diese wurden später zu Freimaurern und versteckten den Schatz, da sie ihn für zu groß hielten. Es wurden Hinweise auf sein Versteck angebracht und den letzten erhielt ein Vorfahre von Benjamin. Glücklicherweise vermeidet Bruckheimer hier zuviel Patriotismus, denn die Gründerväter Amerikas liefern mehr den Background und an einigen Stellen wird sogar leichte Kritik am heutigen Amerika deutlich (z.B. meint Benjamin beim Lesen der Unabhängigkeitserklärung bedauernd: „Heute redet niemand mehr so.“).
Als Erwachsener ist Benjamin (Nicolas Cage) immer noch hinter dem Schatz her – im Gegensatz zu seinen Ahnen aber erfolgreich, denn er kann im ewigen Eis ein Schiffswrack mit einem wichtigen Hinweis lokalisieren: Auf der Rückseite der Unabhängigkeitserklärung befindet sich eine Schatzkarte. Benjamin kann es nicht übers Herz bringen diese zu stehlen, Doch Ian Howe (Sean Bean), sein Partner und Finanzier, hat das weniger Skrupel und möchte Benjamin sogar töten, als dieser sich weigert. Nur durch Zufall überleben Benjamin und sein Kumpel Riley Poole (Justin Bartha) die Explosion des Schiffswracks. Damit wäre dann auch schon mal für ein wenig Action als eye candy zum Auftakt gesorgt und die turbulente Hatz kann beginnen.

Zurück in Amerika stößt Benjamin nur auf taube Ohren: Niemand will ihm glauben, dass jemand die Unabhängigkeitserklärung stehlen will – auch die ansonsten recht begeisterte Wissenschaftlerin Abigail Chase (Diane Kruger) nicht. Also fasst Benjamin einen waghalsigen Plan: Er will die Unabhängigkeitserklärung selbst stehlen und den Schatz finden, damit er sicher vor dem raffgierigen Ian ist. Doch auch Ian und seine skrupellosen Mitarbeiter sind zu allem entschlossen…
Trotz Jerry Bruckheimer: Hier ist eine keine Megaaction angesagt. Stattdessen beschränkt sich Regisseur John Turteltaub auf kleine Einlagen, die aber wunderbar Old School sind. Auseinandersetzungen gibt es zwar ein paar, wenn auch eher harmlose, aber wenn es rundgeht, dann gibt es meist Stunts oder Verfolgungsjagden zu sehen – ähnlich wie im großen Vorbild Indy Jones. Doch auch wenn der Film nicht so spektakulär wie andere Bruckheimer Werke daherkommt, so versprüht er doch wunderbar altmodischen Charme. Auch die Optik setzt nur hier und da ein paar visuelle Spielereien ein, die das Flair aber nicht stören, weshalb der Film den Spagat zwischen alt- und neumodisch gut hinbekommt.
Die Geschichte bietet eine Schatzjagd nach bewährtem Indiana Jones Muster, aber unterhält ähnlich gut wie das offensichtliche Vorbild. Es müssen immer wieder neue Hinweise entschlüsselt werden, wobei Benjamin Gates ähnlich wie Indy Jones oder Lara Croft über eine nahezu übermenschliche Kombinationsgabe verfügt. Doch man nimmt es Turteltaubs Film nicht übel, zumal die Hatz temporeich gemacht ist. Das Hin und Her zwischen guten und bösen Schatzsuchern ist abwechslungsreich und bietet ein paar nette Wendungen und bald kommen dann auch noch die Behörden ins Spiel, die nicht ganz so zufrieden mit der Entwendung der Schatzkarte sind. Auch mit den Motiven der amerikanischen Geschichte wird atmosphärisch gespielt, was beweist, dass man atmosphärische Abenteuerkost auch in Industrienationen ansiedeln kann.

Erfreulich ebenso die Tatsache, dass sich das Ganze nicht allzu ernst nimmt, sondern wie öfter bei Bruckheimer Produktionen etwas Ironie beigemengt wird: So kommentiert eine Wache den obligatorischen Kuss zwischen Abigail und Benjamin (die sich natürlich erst streiten, um sich nachher dann zu verlieben) mit „Warum passiert mir so was nie?“. Ein paar Gags und coole Sprüche gibt es auch noch, wobei vor allem Riley als Comedic Sidekick für ein paar Hammerbrüller sorgen kann. Kleine Anleihen bei Bond und dem Einbruchsfilm besitzt „Das Vermächtnis der Tempelritter“ übrigens auch, denn der Diebstahl der Unabhängigkeitserklärung ist in genau diesem Stil gehalten. Auch hierauf wird ironisch angespielt, denn Benjamin meint auf die Frage, wie er sich im Anzug fühle; „Wie Bond.“.
Nicolas Cage gibt hier wie gewohnt den lässigen Actionhelden mit Charisma, auch wenn ihn der umwerfend komische Justin Bartha an die Wand spielt. Als FBI-Agent darf Schauspieltitan Harvey Keitel in einer Nebenrolle glänzen, während Jon Voight als Benjamins Vater chronisch unterbeschäftigt bleibt. Diane Kruger ist immerhin durchschnittlich, Sean Bean geht in seiner üblichen Fieslingsrolle auf und auch die Nebendarsteller sind auf gutem Popcornniveau.

Alles in allem markiert „Das Vermächtnis der Tempelritter“ kein neues Abenteuerhighlight, aber gute Unterhaltung ohne Längen nach Indy-Vorbild ist Jon Turteltaub doch gelungen.

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