Review

Die Jagd nach dem legendären Schatz der Tempelritter entpuppt sich als ebenso unterhaltsames wie kurzweiliges Vergnügen. Tiefgang konnte man ohnehin kaum erwarten und so rätseln sich Schatzsucher Nicolas Cage und Anhang mit gestohlener Unabhängigkeitserklärung im Gepäck munter von einem Puzzlestück zum Nächsten, stets darauf bedacht, ihren gar finsteren Verfolgern zum rechten Zeitpunkt ein Schnippchen zu schlagen. Das Positive dieses Konzepts: Längen treten eigentlich nicht auf. Das Negative: Durch die simpel gestrickte, linear ein Häppchen nach dem anderen servierende Story und die damit verbundene Vorhersehbarkeit läuft Jon Turteltaubs "National Treasure" Gefahr, den Zuschauer zunehmend zu ermüden. Das Wort "langweilen" vermeide ich bewusst da es nicht zutreffen würde; Hierfür sorgt die turbulente Jagd zu Fuss, mit dem Auto oder unter Wasser.
Die Action ist der Thematik und dem Mainstreamcharakter des Filmes entsprechend freilich absolut jugendfrei umgesetzt. Tote gibts hier bis auf eine einzige Ausnahme (Unfall) nicht und überhaupt spielt körperliche Gewalt praktisch keine Rolle.
Vielmehr besticht die Action - damit sind hier quasi die Hetz- und Schatzsucher-Szenen gemeint - durch ihre sehr ansehnliche Inszenierung (besonders die alt-ehrwürdige Ruhestätte des Schatzes sei diesbezüglich erwähnt) incl. rasantem "Hans Zimmer-Style"-Score. Würde der Film in diesen technischen Belangen nicht massiv punkten können, sähe es wohl ganz schön trist aus. Denn inhaltlich schwankt der Film wie bereits angedeutet doch stets bedrohlich am Abgrund der Banalität und teilweise auch Absurdität. Einiges hätte man beispielsweise durch zusätzliche historische Hintergründe aufpolieren können, auch ohne dabei den gewöhnlichen Zuschauer geistig überfordern zu müssen. Also: Dass mir hier bloss keiner anfängt nach historischer Authentizität, innerer Geschlossenheit und logischer Machbarkeit zu suchen....
Aber das will "National Treasure" natürlich auch nicht! Er will einfach unterhalten und das gelingt ihm auch insgesamt recht gut. Sicherlich kann man zu Recht monieren, daß gerade Nicolas Cage und Harvey Keitel gemessen an ihren Möglichkeiten etwas "verheizt" erscheinen aber ich meine, das sollte man auch nicht zu eng sehen. Es muss ja nicht immer eine hochkomplexe Charakter-Rolle sein! - Womit wir bei Filmkritiker-Opfer Nr.1 Diane Krüger wären: Soll man sie nun hassen oder nicht? Ich will mich wie schon bei Petersens "Troja" nicht festlegen. Sagen wir mal im Sinne der Neutralität, daß sie ein "extraordinäres" Wesen ist, insbesondere im Bezug auf ihre Stimme. Glücklicherweise liefert der Film hier auch gleich eine einleuchtende Begründung für den unüberhörbaren deutschen Aktzent, indem ihr prompt eine deutsche Abstammung in die Charakterbiographie gepackt wird.

Nicht meckern kann man jedenfalls über den Stargehalt das Casts. Hier hat sich doch eine beachtliche Prominenz ihr Stell-dich-ein gegeben - fast schon zu prominent für einen solchen auf Hochglanz getrimmten 08/15-Film. Einen hohen Wiederseh-Wert besitzt "National Treasure" definitiv nicht, jedoch ist er mit seiner rasanten Schatzjagd, seiner edlen Optik und einigen witzigen Sprüchen sicherlich einen Kinobesuch wert. Eine Gute-Laune-Film zum abendlichen Abschalten. Über flache Dialoge, triefende Klischees und eine etwas zu anspruchslose Story sieht man da doch gern mal großzügig hinweg...

Wertung beim ersten Sichten: Knappe 7 Punkte
Wertung beim zweiten Sehen: Vermutlich 5-6 Punkte

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