Review

Selten wurden Amerikas Kinos so vom Erfolg überrascht wie bei der Bruckheimer-Produktion „National Treasure“, die niemand auf der Rechnung hatte und die dann als kombinierte Abenteurer/Schatzsucher-Geschichte drei Wochen lang die Charts anführte.
Der Grund ist schwer zu finden. Man kann natürlich mutmaßen, daß das Publikum nach 15 Jahren Wartens auf eine vierte Indiana Jones-Produktion dermaßen ausgehungert ist, daß es Ersatzware dankend annimmt, sofern sie denn qualitativ ein wenig über dem Niveau der Lara-Croft-Filme angesiedelt ist.
Vielleicht hat der hirnlose Bombast vieler Jahresproduktionen, die dermaßen auf alle möglichen Zielgruppen ausgerichtet waren das Publikum auch hungrig auf das gute, alte, handfeste Abenteurermaterial gemacht, endlich keine trüben Themen mehr, keine übliche Thanksgivingware oder vorweihnachtlichen Zuschnitt.
Vielleicht geht dem US-Publikum auch einfach nur einer ab, wenn es um die Unabhängigkeitserklärung geht, wer weiß....

Was die Begründung so schwierig macht: der Film an sich ist gar nicht so spektakulär und hat nicht mal (wie im ähnlich gelagerten Fall von „Der Fluch der Karibik“) einen Johnny Depp (oder entsprechendes Surrogat) zu bieten, der die Produktion auffängt.
Es gibt kaum Actionsets (eine Verfolgungsjagd per Auto ist dermaßen retro, daß man es kaum glauben mag und noch dazu fast detailgetreu bereits in Joe Dantes „Die Reise ins Ich“ enthalten), es hagelt nicht Tote, es gibt keinen brüllenden Witz und keine spektakulären Stunts.
Was es gibt, ist das alte Geheimnis-auf-der-Rückseite-Prinzip, die simple Jagd auf einen mysteriösen Schatz, dessen Auffindung über diverse Karten und Tricks und Verstecke läuft, die erst einmal ausfindig gemacht werden müssen, bzw. besorgt.
Das Spektakulärste ist dabei sicherlich der Raub der Unabhängigkeitserklärung, in bester James-Bond-Manier, später kommt auch noch die Freiheitsglocke, sowie eine vorzeitliche 3D-Brille Benjamin Franklins hinzu. Es ist (natürlich) ein Wettlauf mit einer anderen Gruppe, die von einem immer wieder ansehnlichen Sean Bean angeführt wird und sogar der ist sympathisch genug, ihn am Ende nicht umzubringen.

Es ist das Hangeln von einem Hinweis zum nächsten, die Suche, das Gefühl der Jagd, die den Spaß von National Treasure ausmacht, das Fehlen überlebensgroßer Motive (am Beispiel „Jäger des verlorenen Schatzes“ gesehen: die rollende Kugel, die Nazis, das biblische Motiv, die Geister) jedoch bewahrt die Kurzweiligkeit nicht davor, als Einwegspaß zu funktionieren. Gesehen, wohl gefühlt, dann abgehakt.

Dazu trägt auch die Besetzung bei: Nicholas Cage fehlt es zwar nicht an Motivation, aber sein Charakter bleibt ein gemütlicher Jedermann, der zufällig auf einen Templerschatz geil ist, das Drehbuch versorgt ihn zu selten mit dem nötigen trockenen Humor und er hat weder herausragende männliche Präsenz, noch das nötige Pech, immer in die schlimmsten Situationen zu geraten. Sein männlicher Technosidekick erleidet dasselbe Schicksal, weder ist er richtig witzig, noch total flach, sondern fügt sich dem Stil unterhaltsam an. Bean ist wie immer solide, doch fehlts natürlich noch an weiblicher Verstärkung.
Wobei „Verstärkung“ wohl zuviel gesagt ist, denn Europa-Export Diane Krüger ist mal wie hübsch anzuschauen, aber ohne auch nur die geringste Ausstrahlung, das nötige Funkeln im Augenwinkel oder das zwingende Strahlen, den Film aufzuwerten.
Die Entscheidung, dieses Blondchen mit der französisch gefärbten Entenstimme sich wieder (nach Troja erneut) selbst zu synchronisieren, reitet die Figur noch stärker in den Mist, denn das blasse Geseier geht in kürzester Zeit auf den Anker.

Trotzdem ein solider Beitrag und eben der Abenteuerspaß für zwischendurch (Fortsetzungen schließe ich jetzt mal nicht mehr aus....), aber ohne zwingende Wiedersehenspflicht. Aber grundsätzliche Sympathie für einen Film sollte man auch mal honorieren. (6/10)

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