Produzent Jerry Bruckheimer hat den Fan anspruchsvoller Filme noch nie verwöhnt, zumal er mit seinem Liebling Michael Bay gerne patriotischen Pathos im Mainstream Format verpackt.
Unter dem Deckmantel von Disney scheint Bruckheimer trotzdem den Pfad zu einem nicht wertlosen Schatz entdeckt zu haben, nämlich nostalgiegeschwängerte Unterhaltung.
„Das Vermächtnis der Tempelritter“ erfüllt vieles, was der abenteuerdurstige Betrachter schon seit Jahren vermisst.
Die Jagd nach einem legendären, mystischen Schatz…
Alte, infantile Leidenschaften werden wieder geweckt, indem eine Jagd rund um geschichtsträchtige Orte stattfindet. Das Mystische darf natürlich nicht fehlen und prompt umhüllt den legendären Templerschatz schon von Beginn an ein nebulöser Schleier.
Benjamin Franklin Gates (Nicolas Cage) hat seit seiner Kindheit nur ein einziges Ziel, nämlich das Auffinden eines legendären Templerschatzes, von dessen Existenz ihm sein Großvater, erzählt.
Ausgerechnet die Gründerväter Washington, Franklin und Jefferson stehen mit dem Geheimbund der Templer in Verbindung und spielen eine Schlüsselrolle bei der Schatzsuche. Nach jahrelanger Forschung deutet ein Code darauf hin, dass auf der Rückseite der Unabhängigkeitserklärung eine Art Schatzkarte versteckt ist.
Freunde werden Feinde und Feinde Freunde...
Das Erlangen der Unabhängigkeitserklärung spaltet die Lager, zwischen Gut und Böse, wobei die Guten letztendlich auch ein wenig böse sein müssen, um die Unabhängigkeitserklärung zu schützen, denn den Widersachern sind alle Mittel recht, um den Schatz zu finden. Einstiege Weggefährten werden Feinde und selbstverständlich kreuzen sich die Wege bei der Suche nach dem Schatz.
Zusammen mit seinem Gefährten Riley (Justin Bartha) stürzt sich Benjamin Franklin Gates (Nicolas Cage) in das Abenteuer bzw. das Duell um den Schatz gegen Ian Howe (Sean Bean) und seine Gruppe. Zu den beiden Schatzjägern gesellt sich dann noch unfreiwillig Diane Kruger als an der Sache zweifelnde Historikerin. Daraus ergibt sich zunächst die altbewährte, gelungene Akte X- (Mulder bzw. Scully) Konstellation zwischen verbohrten, leidenschaftlichen Freak und Rationalistin.
Caper Movie meets Action-Adventure…
Der Diebstahl bzw. Schutz der Unabhängigkeitsklärung hat einen gewieften, lässigen Charakter, wie man ihn sonst von Caper-Movies kennt. Nebenbei werden mit der Vorgehensweise die Kontrahenten charakterisiert, der eine, Benjamin Franklin Gates als Sympathieträger, clever und subtil agierend, der andere Ian Howe, wird dagegen eher von krimineller Energie und Profitgier angetrieben.
Der Weg der Illuminierten – Parodie vs. raffinierter Plot!
Die Gründungsväter als Verschwörer, Templersymbole auf Dollarscheinchen, der Schatz, der die Menschheit verändern würde; das alles deutet eher auf Verschwörungstheorien in reinster Form hin. Geschickt bewegt man sich plottechnisch immer auf einem schmalen Grat zwischen Selbstironie und Ernsthaftigkeit, wobei eine gewisse Cleverness zu spüren ist. Pointen, gewiefte Rätsel stehen immer in direktem Zusammenhang mit mehr oder weniger bekannten Geheimbundtheorien, wobei die Umsetzung durchweg fesselnd und interessant gelingt. Den Hauch von Übertreibung und Ironie spürt man latent, man lässt das Ganze allerdings nie in lächerliche Regionen abdriften.
Nonchalance und trockener Humor…
Subtil und gut verteilt darf der Betrachter im Zuge der Abenteuerlust dann auch ein wenig Schmunzeln, beispielsweise, wenn herrliche Anspielungen auf das Verschwörerische gestreut werden oder die Action durch lässige, trockene Sprüche aufgelockert wird. Die Macher haben verstanden, dass es nicht vorteilhaft wäre sich selbst zu ernst zu nehmen. Spaß und die Freude am Abenteuer stehen im Vordergrund.
Oldschool, ohne Effekthascherei…
Erfreulicherweise lässt man dem Film einen eigenen, „natürlichen“ Charme entwickeln, denn Regisseur Jon Turteltaub und Co. verzichten gänzlich auf künstliche CGI-Effekte. Stattdessen imponieren die Macher mit einer makellosen Kameraführung bei der herrlich unterhaltenden Jagd quer durch monumentale Bauten.
Nicolas Cage auf den Spuren von Dr. Jones…
Natürlich ist der Vergleich mit Harrison Ford übertrieben, trotzdem gelingt es auch Nicolas Cage ohne selbstgefällige Attitüden den Schatzjäger Benjamin Franklin Gates als absoluten Sympathieträger darzustellen. Die Mixtur aus Wissenschaftler und Abenteurer nimmt man ihm ohne murren ab.
Sean Bean wird zwar im direkten Vergleich als Anführer der Gegenseite ein wenig in den Schatten gestellt, trotzdem spielt er auch seinen Part souverän.
Justin Bartha überzeugt als Bens Kumpel und sorgt des Öfteren für Slapstick und trockene Kommentare.
Diane Kruger ergänzt die Riege mit einer eher unglaubwürdigen Rolle als junge Wissenschaftlerin, natürlich als optischer Reiz gedacht. Allerdings nervt das piepsige Original-Stimmchen von Kruger, so dass jeder Funken Charme alleine deshalb verloren geht. Hilfe, bitte synchronisieren!
Spaß an der Freude…
Inwiefern „Das Vermächtnis der Tempelritter“ eine Ansammlung von geklauten Ideen ist, kann man gar nicht beurteilen. Jedenfalls wurde, wenn überhaupt, gekonnt gestohlen und ein erfolgreiches Schema clever und zweckmäßig angewendet, denn obwohl „National Treasure“ kein außergewöhnlicher Film ist, weckt er über nahezu zwei Stunden infantile, nostalgische Abenteuerlust bei der Suche nach einem gigantischen Schatz – und das darf man getrost auch einmal angemessen honorieren. (7/10)