Ehe es Matthew McConaughey in die "Sahara" verschlug, schickte Produzententitan Jerry Bruckheimer in Zusammenarbeit mit Disney "National Treasure" ins Rennen der Schatzsucherfilme. Ihm war klar, dass viele Leute insgeheim auf ein viertes Indy-Abenteuer warteten, doch weder Spielberg noch Harrison Ford bisher nicht einmal annähernd ans Eingemachte gegangen waren. Angeblich würde ein gutes Skript fehlen. Um schnelle Kohle zu machen und sich an Spielberg offenbar zu rächen, da dieser ihm seinen Regieknecht Michael Bay für "Die Insel" ausgespannt hatte, ließ Bruckheimer also rasch einen Abenteuerfilm mit Nicolas Cage (Windtalkers) abfilmen.
Seit vier Generationen fahndet die Familie Gates (hat nichts mit unserem Microsoft-Billy Boy zu tun) nach einem verborgenen Schatz. Der jüngste Sproß des Clans namens Ben Gates (Nicolas Cage) findet nun im Ewigen Eis tatsächlich eine Spur zum Schatz. Allerdings hat er nicht mit seinem gierigen Partner Ian Howe (Sean Bean) gerechnet, der selber den Schatz für sich beanspruchen will. Denn Howe plant das heiligste aller Papiere der Amis, nämlich die Unabhängigkeitserklärung, zu rauben. Laut Ben soll auf deren Rückseite so was wie eine Karte zum Schatz sein. Darauf beschließt Ben zusammen mit seinem Kumpel Riley (Justin Bartha) selber den Fetzen zu stehlen, damit er nicht in Ians Hände fällt. Bei ihrem Raubzug wird unerwarteterweise die Wissenschaftlerin Abigail Chase (Diane Kruger) mit hineingezogen. Nachdem sie die Unabhängigskeitserklärung in ihren Händen haben, beschließt das Trio den Schatz vor Ian zu finden. Dabei heftet sich das FBI unter der Führung von Agent Sadusky (Harvey Keitel) an ihre Fersen...
Nach "The Rock", "Con Air" und "Nur noch 60 Sekunden" spielt Nicolas Cage hier nun zum vierten Mal in einer Bruckheimer-Produktion mit und wickelt seinen Part schon nahezu routiniert ab. Dennoch nimmt man ihm den Schatzsucher ab. Mit Harvey Keitel (Cop Land), Christopher Plummer (Alexander) und Jon Voight (Anaconda) setzen sich zudem drei Profis mit ins Boot. Letzterer spielt im Prinzip die gleiche Rolle wie im ersten "Tomb Raider", da er auch hier der Vater der Hauptfigur ist. Natürlich darf auch ein weiblicher Part nicht fehlen. Dummerweise ließ Diane Kruger (Troja) es sich auch hier nicht nehmen, sich mit ihrer unterirdischen Stimme selber zu synchronisieren. Und schauspielerisches Talent ist bei ihr nur ansatzweise zu finden. Gut schaut sie ja aus, wirkt aber eher unterkühlt statt animalisch-erotisch wie ihre Kolleginnen Angelina Jolie, Keira Knightley oder Penelope Cruz. Wie in "Tomb Raider" und "Sahara" stellt man auch in "National Treasure" dem Helden einen komödiantischen Sidekick mit High Tech-Erfahrung zur Seite. Dieser wird von Justin Bartha (Gigli) verkörpert, der keinen schlechten Job macht und sogar ein paar gute Sprüche auf Lager hat. Zuguterletzt darf in einem Abenteuerfilm auch der böse Finsterling inklusive schießwütigem Gesindel nicht fehlen. Mit Sean Bean (Die Insel) hat man auch einen brauchbaren Mimen gefunden, der solche Rollen auch drauf hat.
Im Gegensatz zu den Indy- und "Tomb Raider"-Filmen verschlägt es den Helden in "National Treasure" bis auf die Anfangsszene im Ewigen Eis nicht an exotische Orte, sondern bleibt im heimischen Ami-Land. Und das ist auch einer der Nachteile gegenüber "Sahara", da man diverse Ami-Kulissen schon aus unzähligen anderen Filmen kennt. Allerdings hat sich Regisseur Jon Turteltaub (Instinkt) ein paar Ratschläge von Bruckis Regieknecht Bay geholt und inszeniert darum temporeiche Action gepaart mit ansehnlichen Verfolgungen. Da Onkel Disney ein Wörtchen mitzureden hatte und der Streifen eine 12er Freigabe bekommen sollte, fällt die Action jedoch nicht allzu brachial aus. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass hier überhaupt eine Figur ins Gras beißt. Dafür ist das Szenario aber durchaus spannend geraten und hat ein paar Abwechslungen zu bieten. So hat "National Treasure" zwar nicht den FSK-12 ausreizenden Härtegrad von "Sahara", dafür im Gegensatz aber eine unterhaltsame Story. Unvermeitbar sind hier allerdings auch Klischees und Logikfehler nicht. Zum einen haben Howes Handlanger allesamt einen juckenden Zeigefinger beim Umgang mit Projektilwaffen und schauen auch schön klischeehaft finster durch die Gegend, lassen sich aber stets von Ben & Co. mehr oder weniger erfolgreich austricksen. Und Ben selber weiß immer, wie er das jeweilige Fundstück mit anderen Gegenständen zu kompinieren hat. Das ließ auch schon "Tomb Raider" ein wenig unglaubwürdig erscheinen. Aber man weiß ja nie was für einen IQ die Drehbuchautoren den Figuren gerade unterschieben. Darum weiß Ben auch immer sofort, wo er was zu finden hat oder wie er was einzusetzen hat. Der gigantische Schatz selber weckt dann Erinnerungen an die Fundgrube aus "Die Mumie", wenngleich der Bestand an Wertgegenständen hier wesentlich größer ausfällt. Glücklicherweise vermeidet es Turteltaub irgendwelche CGI-Viecher als Gegner einzusetzen oder die Kulissen in irgendeiner Weise billig aussehen zu lassen. So kommt der Film schon eine Ecke glaubwürdiger daher wie die Abenteuer von Miss Croft. Der Raub der Unabhängigkeitserklärung wickelt Turteltaub dann in bester "Mission: Impossible"-Manier ab. Leider fällt der Comedy-Anteil hier nicht so groß aus wie in "Sahara", da Justin Bartha zwar den einen oder anderen guten Spruch im Arsenal hat, und ab und zu auch Situationskomik entritt, doch wurde das bei "Sahara" mit Steve Zahn alles etwas effektiver eingesetzt. Und im disney-fröhlichen Happy-End musste aus Ben und Abigail selbstverständlich noch auf "Teufel komm raus" ein wohlhabendes Liebespaar werden, obwohl im vorherigen Filmverlauf nur ansatzweise darauf hingedeutet wurde.
Alles in allem ist "National Treasure" ein unterhaltsamer Abenteuerfilm mit einem brauchbaren Hauptdarsteller, doch hat mir "Sahara" persönlich etwas besser gefallen. Abwarten und Tee trinken.... und sehen was für ein Abenteuerszenario demnächst noch auf uns zukommen möge!