Brauchbare Klone zu "Indiana Jones" hat die Filmwelt kaum zu Stande gebracht. "Quatermain, Jack Hunter" oder wie sie alle heißen, bleiben weit dahinter zurück. Auch "Das Vermächtnis der Tempelritter" kann dagegen ebenfalls nicht viel ausrichten, kommt aber dem großen Vorbild recht nah und bietet viele nostalgische Schauwerte. Storytechnisch hat man sich hier richtig ins Zeug gelegt, man sagt ja immer zuviele Köche verderben den Brei, aber hier waren fünf Leute an der Kreierung der Geschichte beteiligt und haben auch etwas zu Stande gebracht. Wie schon bei "Fluch der Karibik" fungierten Walt Disney und Jerry Bruckheimer als ausführende Produzenten. hundert Millionen Dollar wurden investiert, was man dem Film auch ansieht. Regisseur Jon Turteltaub (The Kid - Image ist alles, Duell der Magier) inszenierte drei Jahre später auch die Fortsetzung "Das Vermächtnis des geheimen Buches".
Schon seit mehr als einem Jahrhundert ist die Familie Gates hinter dem Schatz der Tempelritter her, auch Benjamin Gates (Nicolas Cage) hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht. Zusammen mit Riley Poole (Justin Bartha) und dem reichen Ian Howe (Sean Bean) hat er einen wichtigen Hinweis in einem Schiffswrack gefunden. Auf der Unabhängigkeitserklärung soll sich eine unsichtbare Karte zum Schatz befinden, leider macht sich Howe gerade jetzt selbstständig, Benjamin und Riley entgehen nur knapp dem Tod. Nun müssen sie vor Howe in den Besitz der Unabhängigkeitserklärung gelangen, dieses extrem schwierige Unterfangen funktioniert sogar, doch nun haben sie die neugierige Abigail Chase (Diane Kruger) am Hals. So beginnt ein Wettlauf gegen Zeit, besonders da Gates wegen Diebstahl von FBI-Mann Sadusky (Harvey Keitel) gejagt wird.
Turteltaub serviert uns hier eine atemberaubende Schnitzeljagd, nicht mal "Indiana Jones" musste soviel kombinieren, um seinem Ziel ein bisschen näher zu kommen. Und zwar geht es um einen gigantischen Schatz, dessen Entstehen wir zu Beginn in Rückblenden zu sehen bekommen. Der junge Benjamin bekommt die Geschichte von seinem Großvater (Christopher Plummer) erzählt und ist sofort fasziniert. Doch der Schatz ist sehr gut versteckt, erst müssen zahlreiche Hinweise gefunden und gedeutet werden. In der Realität würde kein normaler Mensch auf des Rätsels Lösung kommen, daher ist es schon übertrieben wie schnell Benjamin und Co die Hinweise entschlüsseln. Aber Spass macht die Chose allemal, auch dank vieler humorvoller Elemente, die besonders in peppigen Dialogen zum Tragen kommen. Die vielen Onliner sind gut platziert, das Geschehen nimmt sich nie zu ernst, was die Hauptfiguren ganz besonders sympathisch macht. Selbst Gegenspieler Ian Howe will nicht so richtig fies wirken, obwohl er für den Schatz sogar morden würde. So führt die Jagd von der Arktis bis nach New York und obwohl richtig exotische Einstellungen ausbleiben, bietet Turteltaub viele spektakuläre Bilder. Die Kulissen sind mit Liebe zum Detail gestaltet, ein ganz besonderes Lob gibt es für den sparsamen Einsatz von Animationen.
"Das Vermächtnis der Tempelritter" darf man als old schoolig inszeniert bezeichnen und trotzdem bewies man bei der Optik einiges an Innovation. Zum Score von Trevor Rabin braucht man nicht mehr viel zu sagen, denn der Mann schlägt selten die falschen Töne, so darf man sich auch hier auf eine passende Musikuntermalung freuen. Allerdings könnte der Film ein bisschen mehr Schmackes gut verkraften, obwohl die Jagd durchweg unterhaltsam und spannend bleibt. Aber man sollte sich mit wenigen Actionszenen zufrieden geben. Da wären ein paar Verfolgungsjagden, ein bisschen Schusswaffengebrauch und natürlich darf auch einiges zu Bruch gehen. Aber richtig zur Sache will es dabei nie gehen, besonders das Finale dürfte ruhig ein wenig mehr bieten. Hier inszeniert Turteltaub fast zu familienfreundlich, da wäre selbst für die niedrige Freigabe noch Luft nach oben gewesen, doch hier dürfte wohl der Einfluss von Disney geltend gemacht worden sein.
Aber es ist schön zu sehen, dass es auch noch für Nicolas Cage (Con Air, Bad Lieutenant) noch richtig gute Rollen gibt, wo er sich nicht von Kollegen an die Wand spielen lässt, oder eine derart lächerliche Frisur trägt, dass man ihn nicht ernst nehmen kann. Hier hat er alles im Griff und überzeugt in den Actionszenen, wie auch als Mensch. Justin Bartha (Hangover, Liebe ist Nervensache) gibt einen netten Sidekick ab, während Diana Kruger (Inglourious Basterds, Run for her Life) eher als Blickfang dient. Sean Bean (Sag kein Wort, Ronin) ist als Bösewicht eine Bank, in weiteren Nebenrollen Jon Voight und Harvey Keitel.
Diese schön altmodisch inszenierte Jagd auf einen großen Schatz macht durchweg Spass und punktet durch gute Schauspieler. Richtige Überraschungen hat das Geschehen zwar nicht zu bieten, aber dafür hatten die Macher tolle Ideen und verzichten dabei auf fordergründige Animationen. Allerdings hätte man in Punkto Action ein wenig mehr auftrumpfen dürfen, man hält sich hier schon sehr bedeckt, was besonders im Finale etwas stört. Trotzdem eine runde Sache, hier fallen selbst die zwei Stunden Laufzeit nicht negativ auf.