Eine zusammenfassende Einleitung ins Filmgeschehen spare ich mir, da leisten andere Rezensionen eher zu viel als zu wenig.
Was mir ebenfalls unangenehm aufstößt, ist der permanente Vergleich des Vermächtnis der Tempelritter mit Indiana Jones – liegt dies etwa an der schlechten Übertragung des englischen Titels „National Treasure“? Tempel, Ritter – das klingt aber auch gleich nach Schlapphut und verfluchten Artefakten! Trotzdem sollte es doch nach wenigen Minuten klar sein, dass dieser Film einen abweichenden Schwerpunkt setzt.
Wobei: Wie dem Archäologen Dr. Jones geht es auch Ben Gates und seiner unfreiwilligen Geistesverwandten, der Kunsthistorikerin Dr. Chase, um den Erhalt von und den freien Zugang zu Kulturdenkmälern. Aber die Faszination derselben steht noch viel stärker im Vordergrund, selbst der Gegenspieler ist im Grunde ein kultivierter Genosse. Was auch dafür verantwortlich ist, dass das Zerwürfnis von Gates und Lowe reichlich konstruiert wirkt und Lowe auch in der Folge kaum als Bösewicht wahrgenommen werden kann. Böse Nazis mit runden Nickelbrillen sucht man hier vergeblich, der Film braucht sie nicht!
Neben dem Wert der Kulturschätze – nicht des materiellen sondern des historischen Wertes – ist vor allem die Suche nach selbigen das Thema. Die gesamte Familie Gates wird charakterisiert durch die Hingabe, mit der sie sich ihrem Erbe widmen. Auch und gerade Gates‘ Vater, der doch im Grunde von allen Charakteren den glaubwürdigsten Kunstliebhaber abgibt, und wenn er sich noch so sehr gegen sein Familienerbe sträubt. Dieser doppelte Boden in der Rolle von Jon Voigt hat mir sehr gut gefallen. Ein bisschen vom selben Glanz färbt auch auf Diane Kruger alias Abigail Chase ab. Auch sie gerät in den Sog des Geschehens und hat zunächst keine Gelegenheit, dann aber auch schnell keine Lust mehr sich ihm zu entziehen. Insgesamt macht sie keine schlechte Figur, für mich boten ihre Dialoge mit Gates wesentlich mehr humoristisches Potenzial als die etwas erwartbaren Sprüche von Riley (J. Bartha). Wenn Chase Gates versichert, dass sie an seiner Stelle auch der Unabhängigkeitserklärung den Vorzug vor seinem Leben gegeben hätte - und beide sich in diesem Punkt auch noch aufrichtig einig sind – ist das für mich einfach klasse!
Dass der Film wenig hektische Kamerafahrten und Stunts aufweisen kann, ist für mich eher eine Qualität als ein Makel. Die Spannung entsteht doch aus ganz anderen Quellen, z.B. aus den historischen Gebäuden: hohle Steine in der Indepence Hall, versteckte Gewölbe unter der Trinity Church – mich wundert nicht, dass solches Lokalkolorit „zieht“! Man stelle sich ein deutsches Pendant vor, in dem das Brandenburger Tor einen geheimen Hohlraum enthält oder der Schatten des Kölner Doms …. aber lassen wir das.
Unangenehm aufgefallen ist mir die Rolle von Harvey Keitel. Er ist im Grunde die gleiche Figur wie in Thelma & Louise, nur dass er gar keinen Grund für Nettigkeit hat und sowieso nicht ins Figurengefüge passt. Ein „scharfer Hund“ wie Al Pacino in Heat hätte den übrigen Charakteren wesentlich mehr Feuer gemacht, der Film verträgt gut und gerne noch eine „dritte Kraft“. Dass Agent Sadusky am Schluss sogar noch einmal zusätzlich als Verbündeter von Gates‘ Sache ausgewiesen wird, ist überflüssig wie ein Kropf, solche albernen Wendungen zum Schluss eines Filmes schätze ich überhaupt nicht!
Generell fehlt dem Film eine herausragend gute Figur. Es gibt niemand, dessen Dialoge oder Motivationen einen wirklich komplett in seinen Bann ziehen. Der Bösewicht ist nicht böse, der Gute nicht richtig konsequent und ein bisschen langweilig, und ob er die Herz-Dame am Schluss nun für sich gewinnt oder nicht, ist einem im Grunde auch herzlich egal. Auf diese Weise bleibt der gesammelte Charme der Truppe etwas an der Oberfläche haften.
Trotzdem hat der Film mehr Qualität als ein Großteil des Popcorn-Kinos. Die historischen Fakten mögen etwas verzerrt sein, aber sie werden doch geschickt in die Handlung eingeflochten. Und das Gesamtszenario bleibt für mich immer faszinierend.