Im Angesicht einer Klinge, geführt von einem berauschten und demzufolge wenig qualifizierten, weil vollkommen unberechenbaren Besitzer, formulierte einst eine nicht einmal fiktive Figur namens Raoul Duke eine leicht dahergesagte Weisheit die da lautete: Man kann zwar einer Person den Rücken zukehren, aber niemals einer Droge! Recht hatte er.
Drogensucht ist eine fiese Sache. Die berauschende Substanz nistet sich ein, sofern sie dazu in der Lage ist, und dann zerstört sie den Konsumenten nach und nach von innen heraus, der von diesem Augenblick an nicht mehr in der Lage ist ohne sie zu leben und sie treibt ihn dazu Dinge zu tun, die er oder sie für gewöhnlich nicht in den kühnsten Träumen gewagt hätte. Was eine Christiane F. noch halbwegs ordentlich in Worte, ein Uli Edel aber nicht mehr vernünftig in Bilder zu fassen vermochte, thematisierte ausgerechnet ein vom Trash besessener Filmemacher wie Frank Henenlotter, bewusst oder nicht, auf ebenso einfach wie brilliante Weise. Die Gefahr die von einer suchterzeugenden Droge wie Heroin ausgeht wird ironischerweise durch einen wurmartigen Parasiten personifiziert, schlicht Elmer getauft, während der naive Brian das Opfer mimt.
Wichtig ist dabei die Kernaussage: Ist es einmal passiert gibt es kein Zurück mehr und Kontrolle wird in jedem Fall eingebüßt, was in "Brain Damage" gerade am Ende auf so amüsante und blutige Weise dargestellt wird. Die Sinne des Süchtigen sind immerzu getrübt und genau das macht ihn so verwundbar. Im Film wird das deshalb so wunderschön deutlich, da Brian zu Beginn seines kleinen "Abenteuers" gar nicht mitbekommt was der böse Elmer eigentlich so treibt. Überträgt man das nun auf die Realität erhält man eine tolle Farce auf beispielsweise diverse hinterlistige Vergewaltigungen die unter dem Einfluss von K.O.-Tropfen praktiziert worden sind, welche in jedem Fall die Erinnerungen löschen an das was über die Dauer des Rausches passierte. Die Ausweglosigkeit die sich schnell im Leben eines solchen Junkies wie Brian (rein hypothetisch gesprochen) breitmacht wird von Henenlotter mit seinem makaberen Finale auch dank der ordentlichen Splattereffekte toll expressioniert.
Einziger Haken meiner sehr subjektiven Theorie ist die Tatsache das Elmers blaue Flüssigkeit in erster Linie starke, im Film auch visuell dargestellte Halluzinationen auslöst. Ausgerechnet eine Abhängigkeit von solchen Psychedelika ist im wirklichen Leben aufgrund von Toleranzen und der in keinster Weise abschätzbaren Wirkung aber extrem unwahrscheinlich. Andererseits scheinen jene Sinnestäuschungen im Anbetracht des gewählten Mediums durchaus sinnvoll.
Henenlotter betreibt im Grunde nichts anderes als Aufklärung, doch statt des kontraproduktiven Appells an die Vernunft wählte er mehr oder weniger den spielerischen Zugang. Der Splatterfilm stößt gerade bei Jugendlichen verständlicherweise auf enorm viel Resonanz, einer Gruppe die explizit einer solchen bedarf. Das Potential dieses Faktor hängt natürlich immer individuell vom Betrachter ab, keine Frage.
Der Genuss von Drogen kann, mal abgesehen vom theologischen Standpunkt der Fortpflanzung, in vielerlei Hinsicht gleichgesetzt werden mit dem von Sex. Jenes wird durch den metaphorischen Penisersatz im Film überdeutlich.
Frank Henenlotter ist mit Sicherheit das genaue Gegenteil eines Intellektuellen. Er ging mit keinerlei Feingefühl an die Sache heran und lieferte vermutlich gerade deswegen ein herrlich abgedrehtes, vielleicht sogar ungewolltes Profil einer Drogenabhängigkeit, die sich wahrscheinlich am ehesten mit der Materie vertrauten Personen offenbart. Für alle anderen bleibt "Brain Damage" ein ähnlich wie "Basket Case" oder später "FrankenHooker" ulkiges Spektakel, diesmal anfangs noch leicht konfus, doch spätestens nach Elmers drolligem "Hi"(gh) ein ebenso ungewöhnliches wie köstliches Gemetzel.