Da haben wir ihn wieder, den typischen Weihnachtsfilm. Man nehme ein Szenario, angesiedelt in den festlichen Tagen, mit einem skrupellos wirkenden Büromenschen, der Weihnachten zugunsten einer Kreuzfahrt ausfallen lassen möchte. Dazu noch die Bekehrung am Ende durch freundliche Nachbarn, und das allzu süße Plätzchen ist gebacken.
Nur die erste Hälfte des Films hebt sich ein bisschen ab vom drögen Rest der feierlichen Christmas-Movies Hollywoods, indem man mittels Sarkas- und Zynismus an Kracher wie "Schöne Bescherung" anknüpfen will. Das geht gute vierzig Minuten gut, ein angenehmes Tempo macht den Film kurzweilig, und Grinsebacke Tim Allen lächelt sich durch den Film, während seine Filmpartnerin Jamie Lee kreischt und quiekt, das sich die Balken biegen. Dan Akroyd gibt derweil den relativ militanten Aufpasser der Straße, der mit allen Mitteln versucht, das Paar vor seiner Kreuzfahrt zu hindern, um doch noch Weihnachten wie jedes Jahr zu feiern.
Bis dahin haben wir eigentlich alles gesehen: Gekonnte Slapstick-Einlagen, ein amüsanter, als feindlicher Angriff gestalteter Weihnachtsgesang vor verschlossener Tür, ein Running Gag mit einer weißen Muschi und peinliche Momente in einem Sonnenstudio.
Doch dann dreht sich das Blatt um 180°. Als sich die Tochter des weihnachtsmüden Paars nun doch zu Weihnachten meldet und zusammen mit dem südamerikanischen Freund einen Überraschungsbesuch startet, verläuft sich die bis dahin gelungene Persiflage auf das Fest wieder in das altbekannte, klebrige Grundschema. Alle scheinen sich plötzlich wieder lieb zu haben, alle helfen bei dem kurzfristigen ausschmücken des Hauses, ein Nachbar erklärt sich bereit, Allen den Weihnachtsbaum auszuleihen. Das könnte alles lustig sein, wenn der Biss der ersten Hälfte beibehalten worden wäre, aber dem ist leider nicht so.
Während Tim Allen Charakter plötzlich um eine egoistische, ja fast boshafte Seite bemüht ist, schreit sich Jamie Lee durch ihre Rolle und geht nach einer gewissen Zeit irgendwie auf die Nüsse, pardon, auf die Weihnachtskugeln. Dan Akroyd, der anfangs noch herrlich fies den Boss der Siedlung gab, taucht nur noch arg selten auf und ist dann so mir nichts dir nichts freundlich und spielt und singt ein bisschen auf der großen Feier gegen Ende. Leider kann sich Chris Columbus (aus dessen Feder die ersten beiden Kevin-Filme stammen) gegen Schluss auch nicht verkneifen, die Genretypischen Klischees auszubudeln. Da wird mittels Einbrecher ein ernstes, aber unglaublich lahmes Finale präsentiert, worauf der Weihnachtsmann persönlich (aargh!) dem Übeltäter eins über die Rübe zieht. Der steigt dann in sein Auto und fliegt dem Weihnachtsschlitten gleich dem Abspann zu. Aus dem Bildschirm läuft währendessen Zuckerguss.
Das ist alles letzlich nicht schlecht, aber mit der Zeit ermüdend. Die bissige Komik muss familientauglichen Schmunzlern weichen, und Tim Allen schafft es auch mit diesem Film nicht, mir besonders sympathisch zu werden. Was am Ende bleibt ist der typische Weihnachtsfilm, um sich stimmig auf die Festtage vorzubereiten. Eigentlich schade, das Potenzial war gegeben.
Fazit
Die gute erste Hälfte fristet leider ein Schattendasein, denn die klebrige Gute-Laune-Stimmung frisst auch diesen Film von innen auf. Dann lieber wieder "Schöne Bescherung", der hält konstant die Linie!
6/10