Review

Der Name Robert Zemeckis steht ja für vielerlei, aber nicht unbedingt für Weihnchtsfilme.
Vielleicht nahm sich Zemeckis ja gerade deswegen dieses Projekts an - wer weiß! Aber Zemeckis wäre nicht er selbst wenn er dies auf die herkömmliche Weise täte. Noch ein herkömmlicher Weihnachtsfilm? Nein, ohne Zemeckis! Hier mußte es schon der erste komplett computeranimierte Weihnachtsfilm sein.

Was? - Nicht begeistert? Noch keine Kinokarten geordert, die DVD nicht gekauft oder den Streifen Pay-Per-View bestellt? Schande über Euch!

Ach so, computeranimierte Filme gibt es schon genug und überhaupt Weihnachten... eine nicht sehr zugkräftige Kombination. 
OK!  Kann ich verstehen, Zemeckis übrigens auch. Der hat aber als Weihnachtsgeschenk für die Schnell-Käufer/Besteller oder sonstwen noch Tom Hanks als Special-Bonus mit draufgepackt! Jetzt interessiert?

Nein, natürlich bekommt keiner der Zuschauer/Käufer einen Tom Hanks geschenkt! Auch wenn es eine nette Werbeaktion gewesen wäre...

Zemeckis hat Hanks sozusagen als Hauptdarsteller verpflichtet. Und hier sind wir schon bei einem gewissen Zwiespalt. Nämlich, daß es sich hier um einen computeranimierten Film handelt und Tom Hanks eine reale Person ist. Wie also geht das zusammen?

Eigentlich ganz einfach. Hanks wurde motion-gecaptured und in digtalisierter Form in den Streifen integriert. Seine Figur ist auch deutlich als eine Art Tom Hanks erkennbar, aber halt nicht der wahre Jakob, will sagen Hanks.

Momentan sind derlei am Computer geschaffene Streifen durchaus in, um nicht zu sagen schon fast inflationär auf dem Markt, aber fast nie spielten darin dargestellte Menschen die Hauptrollen. Immer waren es irgendwelche Katzen, Oger, Roboter, Scrats und sonstiges Getier, die für ordentlich Kasse und teilweise auch Laune beim Publikum sorgten.

An die Darstellung von Menschen wagten sich in dieser Hinsicht bisher noch nicht allzu viele. Und in einem Big-Budget-Streifen schon gar nicht!

Also mußte sich Zemeckis seiner Sache schon ordentlich sicher sein, denn als einer der risikobereitesten galt er bisher eher nicht.

Kann uns also ein am Computer, also mutmaßlich durch eine seelenlosen Machine erschaffener Film, das Fest der Liebe, also Weihnachten, näherbringen?

Mal sehen...

Zuerst zur Story. Sie ist eigentlich recht simpel gestrickt:

Ein kleiner Junge, der nicht an den Weihnachtsmann glaubt, wird in der Nacht zu Weihnachten von einem mysteriösen Zug, dem Polar-Express", abgeholt. Mit ihm befinden sich noch mehrere desillusionierte Kinder im Zug. Ziel der Fahrt ist der Nordpol, an dem sämtliche Klischees bzgl. des Weihnachtsfests bestätigt werden sollen um aus den kleinen Ungläubigen endlich wahre Weihnachtsmann-Gläubige zu machen. Natürlich ist der Weg zum Nordpol ein abenteuerlicher und am Ende wartet auch die allzu vorhersehbare Erkenntnis...

Von dieser Seite gab es also schon mal nchts neues zu vermelden. Die Botschaft blieb dieselbe, aber die Umsetzung?

Auch wenn die Charaktere aus dem Computer stammen folgen sie doch einem Drehbuch und dieses gibt deren Verhalten natürlich vor, deshalb kann man darstellerische Leistungen bestenfalls mit technichen gleichsetzen.
Die Figuren sind überwiegend sehr gut animiert, bieten aber zu realen Darstellern doch fast keinerlei ernsthafte Alternative. Der Schaffner sieht zwar aus wie Tom Hanks, wirkt aber in manchen Szenen zu hölzern und wenig detailliert.
Das schwarze Mädchen mit dem seltsam leblosen Gesicht zeigt eigentlich die ganze Problematik mit der nicht 100% ausgegorenen Technik auf. Zu leblos, zu starr, wie aus einem mittelmäßigen Computerspiel wirkt die Kleine! Die restlichen Sequenzen, wie der Flug der Fahrkarte usw. usw. können dagegen voll überzeugen und nehmen den Zuschauer echt gefangen.

Die andere Seite, nämlich die Verkündung einer frohen Botschaft ist wiederum ganz gut gelungen.

Fazit: "Der Polar-Express" scheitert etwas an seine eigenen Ansprüchen. Die Botschaft funktioniert zwar, aber die technische Umsetzung hat im Detail ihre Macken und kann daher die geschürten Erwartungen leider nicht ganz erfüllen. Trotzdem im großen und ganzen ein vergnüglicher Weihnachtsfilm.

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