Bei einem so einfallslosen Horrorfilm fragt sich der gebeutelte Zuschauer, ob es in Hollywood keine Drehbücher mehr mit neuen, originellem und vor allem intelligenten Horrorstoffen gibt, um die scheinbar trendige Lust auf Horror des Kino-Publikums zu befriedigen.
Nachdem im "Fluch von Darkness Falls" schon die Zahnfee als zentrale Horrorfigur herhalten musste, ist nun der schwarze Mann (engl.: "Boogeyman") als nächstes Kinder-Albtraum-Schreckgespenst dran. Hollywood scheinen wirklich - angesichts solcher Ignoranz - die Ideen auszugehen und es scheint nur eine Frage der Zeit bis "Casper - Der freundliche Geist" sein Revival feiert und als Metzelmörder durchs Kino poltert. Denn darauf läuft es ja schließlich hinaus, wenn auch der schwarze Mann einen eigenen Kino-Horrorfilm wert zu sein scheint...
Na gut, widmen wir uns mal der "Story": Der kleine Tim hat Angst vorm schwarzen Mann. Als ihm sein Vater von dessen Nicht-Existenz überzeugen will, öffnet er den Schrank, wird vom schwarzen Mann hineingezogen und ermordet. 15 Jahre später hat Tim zwar eine hübsche Freundin namens Jessica, doch er ist immer noch nicht über das Trauma und seine Angst vorm schwarzen Mann hinweg. Als seine Mutter stirbt, begibt er sich noch einmal für eine Nacht in sein damaliges Haus um sich seinen Ängsten zu stellen und erlebt sein blaues Wunder...
Natürlich wurde das Ganze mit einen paar saftigen, unerwarteten und vor allem lauten Schocks angereichert, um das Kinopublikum bei Laune zu halten und vom Einschlafen abzuhalten. Denn so trantütig langweilig wie die gesamte äußerst ideenarme Story vorgetragen wird, ist das Wegpennen die einzig logische Konsequenz. Hätte "Get Carter"-Regisseur Stephen T. Kay wenigstens bei seiner Inszenierung nicht ganz auf Logik verzichtet oder hätte er den Zuschauer nicht durch irgendwelche Sinnlos-Visionen-Kacke - die am Ende nicht einmal aufgelöst wird - und Vermischung von Einbildung und Realität (Tim geht in einem Motel in einen Schrank und kommt in seinem früheren Wohnhaus heraus [???] ) verwirrt, hätte ein kleines aber feines Suspense-Stück draus werden können. So nerven sinnlos-grelle und laute Effekte, die offensichtlich Ähnlichkeiten mit denen aus "Saw", "The Ring" oder "The Grudge" aufweisen und wohl so etwas wie Gänsehaut erzeugen sollen (was natürlich kaum gelingt). Die wehenden Vorhänge oder knarrenden Dielen als bevorzugtes Spannungselement kennt selbst der Kino-Laie aus tausend Poltergeist- oder Suspense-Filmen (siehe "The Others" mit Nicole Kidman). Auch das scheinbar zum Horror-Standard gewordene "Hallo?"-Gefrage gibts hier natürlich. Sehr originell das Ganze (das war ironisch gemeint).
Das Einzige, was hier gut gelungen ist, ist der anfangs noch fesselnde Spannungsaufbau und die düstere Atmosphäre welche durch exquisite Bebilderung erreicht wird. Spätestens etwa 15 Minuten vor dem Ende des zum Glück sehr kurzen Films dürfte selbst der letzte Zuschauer angesichts der unfreiwilligen Komik losprusten, wenn man den schwarzen Mann dann endlich auch mal zu Gesicht bekommt. Ich denke, ich verrate nicht zuviel wenn ich mitteile, dass er aussieht wie ein Mix aus der "Mumie" und Jemand von der "Blue Man Group". Das ist übrigens der einzige Teil des Films, in dem es wirklich mal zur Sache geht. Als Zuschauer hat man sich das aber auch verdient, schließlich hat man ja auch eine geschlagene Stunde darauf gewartet.
Unfreiwillig komisch sind auch die relativ miesen Darstellerleistungen: da hätten wir Barry Watson (bekannt aus "Tötet Mrs. Tingle" und der "Himmlischen Familie") als erwachsenen Tim, der den gesamten Film über nur einen einzigen betroffen-verängstigten Gesichtsausdruck zu zeigen hat, Emily Deschanel ("Unterwegs nach Cold Mountain") als dessen pseudo-"fürsorgende" Jugendliebe Kate und schließlich "Xena"-Darsteller Lucy Lawless als Tims tote Mutter (!).
Dass Horror-Papst Sam Raimi ("Tanz der Teufel") nach "The Grudge" auch diesen Schmarrn noch produziert hat, enttäuscht um so mehr.
Obwohl die - wenn auch - simple Story von "Boogeyman" durchaus Potenzial hatte, wurde sie fast gänzlich verschenkt. Horror-Fans werden ebenso enttäuscht sein wie Splatter- und Gore-Fans, denn entsprechende Szenen (die man eigentlich auch hätte einbauen können) fehlen natürlich in einem Film der ab 16 frei ist fast ganz, obwohl "Boogeyman" auch ohne Mühe eine FSK-12 hätte bekommen können. Spannend ist das Ganze zwar, aber irgendwie versandet Alles zu sehr im Mittelteil und man fragt sich irgendwann inmitten des Films, ob irgendwann auch mal irgendetwas passiert. Die Sinnlosigkeit, Verwirrung und Unlogik nimmt erst einmal ihren Lauf. Die gut aufgebaute Spannungskurve fesselt dann leider auch nicht mehr.
Hoffentlich war`s das nun erst einmal mit Horrorfilmen über Kinderängste. Denn so ein Film lockt keinen schwarzen Mann unterm Bett hervor, aus dem Schrank heraus oder reisst ihm vom Hocker. Auch Trash-Fans sollten den Film mit Vorsicht genießen, denn "Boogeyman" legt in etwa so eine Bruchlandung hin wie "Phantoms" mit Ben Affleck und Peter O`Toole - und das ist nun wahrlich kein Kompliment. Der Horrorfan sei also gewarnt...