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Die Zeiten von Actionkrachern wie „Zum Töten freigegeben“ sind ja für Seagal leider vorbei, aber sein neueste Streifen „Into the Sun“ ist nach Filmen wie „Out for a Kill“ und „Out of Reach“ wieder ein Schritt in die richtige Richtung.
Travis Hunter (Steven Seagal) arbeitet für den CIA und Ex-Feldagent (ohne Ex- vor der Berufsbezeichnung geht es bei Seagalschinken wohl nie). So sieht man gleich zum Auftakt einen Einsatz aus Travis’ wilden Tagen, das Ausknipsen eines fiesen Subjekts, der jedoch daran scheitert, dass Travis einer Maid in Not zu Hilfe eilt. Natürlich erwischt es nicht Travis, sondern seinen Partner, Bewandtnis für die Handlung hat es auch nicht, aber immerhin solide Action für den Anfang bekommt man dann doch geboten.
Inzwischen arbeitet Travis für die CIA-Stelle in Tokio und da ist gerade Kacke am Dampfen: Tongs und Yakuza haben sich zusammengeschlossen und schlagen über die Stränge. Als einige Attentäter dann auch noch einen Politiker über den Jordan senden, setzt der CIA Travis als Japan-Experten auf die Sache an…

Sternstunden des Drehbuchschreibens waren Seagals Filme ja nie, aber die guten konnten immerhin mit durchdachten und spannenden Storys aufwarten, doch „Into the Sun“ gehört nicht dazu. Travis ermittelt gegen den Gangsterverbund, was an sich nur daraus besteht, dass er stets die richtigen Leute kennt und weiß, wen er anrufen oder besuchen muss, um neue Infos zu bekommen. Ihm zur Seite stellt man einige Buddys wie einen CIA-Rookie, einen Tätowiererkumpel und die Tochter eines alten Freundes, doch Aufgaben haben sie alle nicht. Gelegentlich dürfen sie mit ihm gegen die Gangster vorgehen, aber an sich hätte man Seagal auch wie in alten Tagen auf die Finsterlinge loslassen können.
Sonderlich spannend ist das leider nicht und angesichts der Tatsache, dass sich die Action fast ausschließlich auf das letzte Drittel konzentriert, sind die ersten 60 Minuten doch ein wenig zäh. Zwar stimmt die Atmosphäre, denn man versucht sich in die japanische Lebensweise einzufühlen, aber letzten Endes ist die Geschichte einfach zu verwirrend und uninteressant, um zu fesseln. Da ist Travis’ Schlägerei mit ein paar Yakuza-Knilchen nach rund 30 Minuten eine der wenigen Auflockerungen. Zwischendrin murksen die Gangster auch noch irgendwelche Konkurrenten und Verräter ab, was zwar nie wirklich für die Handlung wichtig ist, aber immerhin noch ein paar blutige Einschüsse einstreut.
Mit vernünftiger Action kann jedoch an sich nur das letzte Drittel aufwarten, doch da geht es dann richtig rund: Es wird ein wenig geballert, doch das Hauptaugenmerk in „Into the Sun“ liegt auf Nahkämpfen. Diese werden entweder mit bloßen Händen oder mit Schwertern ausgetragen, was mal eine Abwechslung ist. Zudem sind die Kämpfe gut choreographiert und der Härtegrad ist nicht zu verachten: Da werden Leute mit dem Schwert schick zersäbelt und Seagal macht seine Gegner ähnlich zynisch wie in „Hard to Kill“ oder „Out for Justice“ platt (einem Knilch z.B. werden Essstäbchen in die Gurgel gestochen, was Travis böse kommentiert).

Seagal erweist sich in besserer Form als in seinen letzten Filmen. Er setzt mal wieder das übliche Stoneface auf, aber bei seinen Rächerrollen sieht man das ja immer gerne. Doch vor allem körperlich ist er besser in Form: Er hat etwas abgenommen und wird in deutlich weniger Szenen gedoubelt als z.B. in „Clementine“, meistens bei Tritten. Doch meistens geben im die Kämpfe Handarbeit und das ist er immer noch fit und fix drin.
Die Nebendarstellerriege hingegen ist relativ austauschbar und keiner davon bleibt dem Zuschauer wirklich im Gedächtnis. Etwas einprägsamer hingegen ist die Regie von Mink, der mit ein paar schicken optischen Spielereien und einer netten Bildsprache den Film auch visuell ansprechender gestaltet als die Ostblock-Seagals der letzten Jahre.

„Into the Sun“ ist ein passabler Mittelklasse-Seagal, der allerdings mehr Action und eine weniger blöde Story vertragen könnte. Jedoch ein guter Schritt in die richtige Richtung.

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