(Nachfolgende Rezension und die in ihr verwendeten, als wahr angenommenen Schrift-Dokumente sind gänzlich frei erfunden. Sämtliche Ähnlichkeiten mit echten Personen und Namen sind rein zufällig.)
1982, am Tag des Kinostarts von Catherine Cherie: 100 männliche Zuschauer mittleren Alters sitzen im Kino. 91 Minuten später erheben sie sich, einige sich räuspernd, andere mit einem kehligen Husten, und begeben sich eher gemächlichen Tempos Richtung Ausgang. Ein verwirrter, kleinwüchsiger Besucher von Catherine Cherie, Beruf: Bauarbeiter, entdeckt einen hoch gewachsenen Mann in Anzug mit Schreibblock und Bleistift, der gerade noch seine letzten Utensilien in seine Aktentasche packt. Er tritt an den intellektuell erscheinenden Hünen heran und fragt ihn höflich, worum es denn die vergangenen 91 Minuten gegangen wäre, weil er selbst es nicht verstanden hätte. Der Filmkritiker hält kurz inne, brummt dann dem Fragenden die elliptische Wortkonstruktion „Doofer Tittenfilm ohne Handlung" entgegen und begibt sich schnurstracks - es ist noch nicht zu später Abend - in sein Büro, in welchem er folgende Zeilen verfasste:
Lieber Herr Frank (Hubert Frank; der Regisseur des Films; Anm. d.Red.),
Mit tiefster Bestürzung habe ich mir heute ihr jüngstes Projekt „Catherine Cherie" in Auftrag meiner Zeitung ansehen müssen. Da mich ein Zuschauer nach dem Film darauf ansprach und ich ihm darauf keine Antwort geben konnte, möchte ich Sie an dieser Stelle fragen, worum es in diesem, ihrem Film denn geht. Nach einer gefälligen Exposition um die Zurschaustellung von Gran Canaria und dessen holder textilfreier Weiblichkeit, begann ich zusehends, nach einem roten Faden hinsichtlich der Handlung zu suchen. Ich gab zu keinem Zeitpunkt (während der ersten 30 Minuten) die Hoffnung auf, diesen auf einer Ebene fernab der bildlichen, die mit beeindruckenden Körpern zunächst zu beeindrucken, dann gefallen und schließlich aufgrund der Repetition zu langweilen vermochte, zu finden. Das komplexe Figurengeflecht der drei Hauptakteure um einen zwielichtigen Autor namens Mantoni, dessen aufstrebendes Pop-Sternchen und Sex-Mündel Catherine und den kernigen Paparazzo Jan, welcher - vorhersehbarerweise - mit Catherine anbändelt, hat sich mir ebenso wie der plump und überstürzt daraus entsponnene Krimi-Plot um Drogen veritabel nicht erschlossen. Könnten Sie mir bitte entsprechende Auskünfte erteilen?
Mit freundlichen Grüßen
Peter Nonsense
Zwei Wochen später bekam Herr Nonsense eine zusammengefaltete Mitteilung ins Büro zugestellt von seiner Sekretärin. Er öffnete das Papier und Sand rann heraus. Er las folgende Zeilen in krakeliger Schrift:
Mein Gott! Es ist doch nur ein dummer Tittenfilm! Grüße vom Strand.
Kein Absender, nichts. Die Kritik von Herrn Nonsense, die eigentlich am nächsten Tag in der lokalen Tageszeitung hätte erscheinen sollen, wurde nie gedruckt, weil sie nie geschrieben wurde. Catherine Cherie konnte von dem Schreiberling nicht verstanden werden, welcher hellseherisch schon Insel der 1000 Freuden (ein weiterer Films Hubert Franks) und Liebesgrüße aus der Lederhose, zwei Erotikfilmen bzw. Sexklamotten aus der Zeit der 70er und frühen 80er Jahre, subversive Tendenzen bezüglich der Korrumpierung tradierter Narrationsstrukturen im Pornofilm attestiert hatte - bevor es selbigen überhaupt gegeben hatte.
Und nachdem Herr Nonsense starb - 3 Wochen nach Kinobesuch und nach langer Zeit geistiger Umnachtung - sang er immer wieder folgende Zeilen, die gleich im Vorspann des Films zu vernehmen waren:
Catherine Cherie (...)
Your Destiny...
Is Tragedy
Der Bauarbeiter war auch zu seiner Beerdigung erschienen und legte leise schluchzend ein paar Bagger nieder, bevor er legasthenisch mit seinem Kran davonbrauste. Es ging in den wohlverdienten Urlaub, wo er 20-Stunden-Schichten schob, bevor er morgens aufstand, um in der Abenddämmerung Brötchen holen zu gehen. Als er sich 1985 die DVD von Catherine Cherie über Ebay kaufte, erfreute er sich immer wieder seines Lebens, welches erst 5 Minuten vor der Vorstellung am Kinokartenschalter unterm Tisch begann. Gott hab ihn selig!