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DRILLBIT
Chandons zweiter Kurzfilm sollte eigentlich ein kompletter Spielfilm von 90 Minuten Länge werden, aber mitten im Projekt ging das Geld aus und irgendwann wurde das Projekt dann komplett fallen gelassen, so dass DRILLBIT für alle Zeiten nur als unfertiger Torso existieren wird. Trotzdem kann man sich in ungefähr ausmalen, wo die Reise hingegangen wäre.
In einer nahen und deprimierenden Zukunft voller Gewalt und Seuchen entwickelt ein Forscher ein Gegenmittel für Aids, doch ein skrupelloser Chemiekonzernchef schickt seine Schläger, um das Mittel zu stehlen und die ganze Familie des Forschers auszuradieren. Nur der Sohn des Forschers überlebt diesen Anschlag fürchterlich entstellt. Er bekam einen elektrischen Bohrer ins Auge gebohrt und ein Teil des Bohrkopfs steckt noch immer in seinem Gehirn. Daraufhin nennt der junge Mann, der langsam seinen Verstand verliert und nur noch Rache kennt, Drillbit und geht los, um sich auf mit irgendwelchen nekrophilen Bikern (!) und grässlichen Mutanten, die als Nebeneffekt des Aids-Mittels entstanden sind, zu prügeln.
War BAD KARMA noch humorvoll, so geht es bei DRILLBIT bierernst, eigentlich viel zu ernst zu. Im Grunde handelt es sich um einen x-beliebigen Rächerplot mit einem eindimensionalen Racheengel, der nicht gerade sonderlich überzeugend von dem Hauptdarsteller verkörpert wird. Aushängeschilder des überladen wirkenden Endzeitspektakels, das eigentlich kostengünstig größtenteils auf Schrottplätzen, Hinterhöfen und in zerfallenen Wohnsiedlungen gedreht wurde, sind eh die beinharte Gewalt und die wieder mal nett gemachten Masken der Monster, wobei ein paar der Szenen wirklich massiv auf Geschmacklosigkeiten abzielen. Während die ersten 20 Minuten noch einen kompletten Eindruck machen, so als ob sie in dieser Form für den fertigen Film verwendet worden wären, geht es im Schlussteil nur noch drunter und drüber. US-Amateurkollege Jim Van Bebber (siehe DEADBEAT AT DAWN) gibt in den letzten zehn Minuten, die nur noch aus einer Ansammlung von Schlüsselszenen (sprich: blutigen Gewalteskapaden) bestehen und die weitere Handlung in groben Zügen wiedergeben, aus dem Off reißerische Kommentare von sich, die aufgesetzt und fast schon unfreiwillig komisch wirken. Diese ganze destruktive und trostlose Art und die sinnlose Aneinanderreihung von blutigen Prügeleien können vielleicht als Ausdruck der britischen Punkszene, die dort bis heute noch stark im Underground vertreten ist, gesehen werden. DRILLBIT wäre jedenfalls ein trister und pubertärer Gewaltfilm geworden, der eventuell auch durch ein paar ruhigere Momente aufgewertet worden wäre. Allzu große Filmkunst wäre dabei aber nicht raus gekommen, so viel steht fest. Andererseits wirken manche Einfälle, wie etwa die sektenartige Anhängerschaft von Drillbit, denen allen ebenfalls aus unerfindlichen Gründen (Selbstverstümmelung als Huldigung?) ein Auge fehlt, durchaus viel versprechend. Darum kann man diesen unvollständigen Rumpf letztlich noch als annehmbaren Kurzfilm bewerten, auch wenn das Projekt so wirkt, als wäre es in einem Pub aus einer Bierlaune heraus geboren worden.
5 von 10.

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