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Aufgrund seines Orginaltitels "Hell High" ist man auf einen Slasher vorbereitet, doch es gibt Filme die unerwartet für eine Überraschung gut sind. "Raging Fury" mag nicht unbedingt eine Perle sein, dazu kommt er ein wenig schleppend zum Wesentlichen, aber Regisseur und Drehbuchautor Douglas Grossman hatte hier eine Idee, die sich von Einheitsbrei erfrischend abhebt. Außerdem weiss Grossman schon in seinem Debüt, wie man in den 80er Jahren für Atmosphäre gesorgt hat. Allerdings reichte sein "Raging Fury" wohl nicht aus, um in der Filmwelt Fuß zu fassen. Bis heute ist er mit kaum einem erwähnenswerten Bekanntheitsgrad gesegnet, unverdient wie ich nach Sichtung feststelle.

Jon-Jon (Christopher Cousins) tritt aus der Football Mannschaft aus und will sein Leben endlich auf die Reihe kriegen. Bei Coach Heaton (J. R. Home) und seinen Mitschülern ist er fortan unten durch, weswegen er in die kleine Clique von Dickens (Christopher Stryker) eintritt. Zusammen wollen sie ihrer Biologie-Lehrerin Brooke Storm (Maureen Mooney) einen Streich spielen. Sie warten bis sie allein in ihrem abgelegenen Haus ist und wollen sie dann erschrecken. Doch Dickens übertreibt es, vor lauter Panik hechtet Brooke aus dem Fenster. Alle halten sie für tot, doch die Schüler haben keine Ahnung, was sie damit ausgelöst haben. Brooke verbirgt ein schreckliches Geheimnis, welches durch diesen Streich an die Oberfläche tritt.

Gleich zu Beginn darf dem Zuschauer klar werden, was Brooke als kleines Mädchen miterleben musste, oder besser gesagt ausgelöst hat. Schon hier punktet Grossmans kompromisslose Art, wie er zwei Teenager in den Tod schickt. Schließlich springt das Geschehen achtzehn Jahre weiter, Brooke ist mittlerweile Lehrerin, die ihre Schüler nur bedingt im Griff hat. Besonders Dickens benimmt sich daneben und bekommt zur Belohnung eine Ohrfeige. Wir haben es hier aber nicht mit den üblichen Teenagern zu tun, welche sich nur um die nächste Sauforgie und genügend Weiber Gedanken machen, auch pubertäres Geschwafel ist hier kein Thema. Hier hat man mit Jon-Jon schnell einen Sympathieträger gefunden, während Krawallmacher Dickens das krasse Gegenteil abgibt. Schließlich geht es darum, der labilen Brooke einen schrecklichen Streich zu spielen, worauf man sogar ins nahe gelegene Moor fährt, um sich Schlamm zu besorgen. Der Legende nach ist hier ein Teeniepärchen ums Leben gekommen, die Clique um Dickens kann ja nicht ahnen, dass Brooke dafür verantwortlich war. Leider lässt sich Grossman für die Vorbereitungen des Streiches zuviel Zeit und es mag ein wenig unglaubwürdig klingen, was sich insbesondere Dickens mit seiner Lehrerin erlaubt.

Doch Grossmans einziges Filmprojekt weiss besonders durch seine Atmosphäre zu gefallen. Das Ganze spielt sich in einer Kleinstadt ab, als Kulissen halten das Moor, oder Brookes abgelegenes Haus her, für den letzten Schliff sorgen ein paar Nebelmaschinen und die hinterhältige Musikuntermalung. Natürlich spielt sich alles bei Nacht ab, was die Atmosphäre noch intensiviert. Und tatsächlich gelingt es Grossman die Spannungsschraube anzudrehen, besonders wenn die Clique Brook für tot hält und den Mord jemand anderes in die Schuhe schieben will. Erst im letzten Drittel geht es dann richtig ans Eingemachte, hier geht es den Streichspielern blutig an den Kragen. Ob das Gesicht mit einem Stein zu Brei geschlagen, den Bleistift in den Kopf gerammt oder mit dem Messer durchbohrt, Grossman lässt sich nicht lumpen und lässt die Unsympathen grausam sterben. Daneben darf es sogar noch eine kleine Verfolgungsjagd mit anschließender Explosion geben und das Ende darf schon als gemein bezeichnet werden, man lässt den Zuschauer mit einem unguten Gefühl sitzen. Erfreulicherweise sind sogar die Darsteller überdurchschnittlich, besonders gefällt Christopher Stryker als Widerling Dickens, während Christopher Cousins (Hangman, Untraceable) als Jon-Jon und Maureen Mooney (French Connection) als Brooke auch einen guten Job machen.

Grossman präsentiert uns einen kleinen fiesen Horrorfilm, der nicht unbedingt ausgetretene Pfade verlässt, aber sich dennoch von gängiger Ware abhebt. Jedoch sollte man ein wenig Geduld mitbringen, bis "Raging Fury" richtig loslegt. Spannend ist er allemal, auch dank der atmosphärischen Inszenierung und die Darsteller spielen erfreulich hochwertig. Aufgrund der kurzen Laufzeit von knapp achtzig Minuten kann Grossman Durststrecken komplett vermeiden, aber richtig geht es erst im letzten Drittel zur Sache.

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