Das alte „Shitty-Movie-Title“-Game ist natürlich immer „afoot“, wie good old Sherlock sagen würde, aber hier haben wir mal einen Fall, wo es weder bei uns noch bei den Amis so richtig hinhaut.
Die Rede ist von „Hell High“ (man erwartet unwillkürlich einen Schulslasher), der in Deutschland „Raging Fury“ (was nach Action-Rache-Mayhem klingt) genannt wird. Oder war es andersrum? Ist auch egal.
Tatsächlich haben wir es hier nämlich mit einem kleinen Thriller zu tun, den die Macher auf Teufel komm raus gern zu einem knackigen Slasher aufgeblasen hätten, allein genügt es dafür leider nicht, wenn man so lange auf ein wenig Filmblut warten muss.
Bevor wir überhaupt an die titelgebende Schule wechseln, müssen wir erst einmal den Prolog überleben, der irgendwie das absolute Highlight für mich war. Da geht nämlich die kleine Brooke Storm mit ihrer Puppe nahe dem Haus ihrer Eltern spazieren. Brooke ist eindeutig schon zu groß für Puppen und ist garantiert Erste im Grimassierwettbewerb, trägt dabei aber einen unmöglich aussehenden Fluffrock, als wären die 50er nie zu ende gegangen. Ihr abseits liegendes Spielhaus wird dann kurz darauf zum heißen Örtchen für ein Motorradfahrerpärchen, wobei er ihr im Liebesspiel jedoch so uneinfühlsam an die Brustdrüsen geht, dass nicht nur sie protestiert. Da sie nebenbei noch ein paar Spielzeuge beschädigen, ist die kleine Brooke nicht nur schockiert, sondern regelrecht empört. Als sie wieder abdüsen (man muss auf dem Weg wenden), greift sie sich eine Handvoll Schmodder und wirft es dem seligen Chopper genau auf die Sichtluke. Das Ergebnis daraus ist ein Crash und zwei Biker, die formschön auf Zaunlatten aufgespießt ihr Leben aushauchen.
Nach einem klaren Schnitt stehen wir in den 80ern und Frau Storm ist nun High-School-Lehrerin und zwar eine der genervten Sorte. Ihre Fähigkeiten, Wissen zu vermitteln ist ähnlich wie ihre Geduld suboptimal und so geht es auch ihrem Privatleben, denn die unattraktivsten Lehrer der Schule hätten gern Dates mit ihr. Das Schlimmste aber sind ihre Schüler, speziell die Mini-Clique um einen gewissen Dickens (hihihi, ja wirklich…). Dickens ist das arroganteste und unausgeglichenste Scheißegal-Püppchen, das je an einer Hollywood High School rotzig rumsaß und seine Begleitung Queenie (angeblich punkig, aber was wissen die Amis schon…) und Smiler (jaaa, da isser, der adipöse Scherzbold, bei dem niemand versteht, warum ihm keiner kräftig in die Schnauze haut) sind auch nicht besser. Als vierten Mann beim Skat haben sie Jon-Jon dazu geholt (echt jetzt, Jon-Jon?), einen Ex-Footballer und eigentlich braven Typen, der aber tierisch auf Queenie steht.
Allesamt (plus ein paar weitere Mitschüler) nerven sie mit ihrer Scheißegal-Haltung die gute Brooke, der irgendwann doch tatsächlich die Hand ausrutscht, als ihr Dickens‘ Arschlochhaltung ein wenig zu nah an den Unterrichtsstoff rückt.
Nach einer flotten Runde mit dem Cruiser über den in Betrieb befindlichen Football-Platz, wobei auch noch der Spielball gestohlen wird, ist das Kind dann endgültig in den Brunnen gefallen.
Wer jetzt fragt, wann endlich der Thriller kommt – der geduldet sich, bis Dickens auf die bombige Idee kommt, seiner holden Lehrerin – die er kurz zuvor noch beim Duschen/Masturbieren beobachtet hat, mal einen nächtlichen Besuch abzustatten. Dazu werden sich Masken aufgesetzt und Schlamm ans Fenster geschmiert – wer kann den ahnen, dass genau das das individuelle Trauma triggert, von der Home Invasion und dem sexuellen Übergriff einer von Katatonie Befallenen ganz abgesehen.
Ja, ihr ahnt es: der Killer ist diesmal die Lehrerin, die irgendwann weggetreten aus ihrem Bette verschwindet und Jagd auf das Schülerquartett macht, wenn auch nicht mehr Herr ihrer Sinne.
Man merkt es schon, ein komprimierter kleinen Thriller auf der Schlussgeraden, der dann auch mal die nötigen Schneide- und Schlagwerkzeuge auspackt, aber letztendlich viel zu schnell vorbei ist, weil er sich nicht traut, außerhalb der Besetzung von „Evil-TKKG“ mal ein Opfer zu meucheln.
Klar, 1-2 Effekte sind schön herb, aber mehr Spaß zieht der Film aus der Leitung Christopher Strykers, der so viel Widerwärtigkeit in seinen Dickens packt, dass man schon fast körperliche Würgereize verspürt. Stryker, der so früh verstarb, dass er die Auswertung seiner Hauptrolle gar nicht mehr erlebte, ist eindeutig das Highlight, während die variable Hero-Figur Jon-Jon darstellt, immerhin ist Christopher Cousins (nebenbei ein Soap-Darsteller) ein total braver Putzi – mit den falschen Freunden.
Für 84 Minuten ist „Hell High“ sehr passabel unterhaltsam, dazu kommen noch einige sehr schöne Aufnahmen von Stadt und Umgebung, denn Scarsdale und Westchester (im Bundesstaat New York) bilden ein atmosphärisches Sommergegenstück zu den typischen Vororten Kaliforniens. Ich will nicht sagen, er lohne sich ungemein, aber er bietet einiges auf der optischen Schiene und ist deshalb unbedingt mal auszubuddeln. Und hier und da drückt er die richtigen Tasten.(5/10)