Review
von Leimbacher-Mario
Nackt und zerfleischt
Ein Amateurregisseur gerät mit seiner Hauptdarstellerin aneinander, da diese sich nicht wie von ihm gewünscht für ihre Szenen immer weiter entblößen will. Das wirft den noch bei seiner Mutter lebenden Filmemacher in einen leicht halluzinatorischen Strudel aus Sehnsucht, Wahnsinn und Selbstzweifel...
„Hold Me While I'm Naked“ ist kultiges und instinktives Kurzfilmkino aus der unabhängigsten Schublade. Inszeniert vom von vielen völlig zurecht verehrten George Kuchar, mit starkem Hang zum Surrealismus und kaum bis gar kein Budget, dafür mit umso mehr Leidenschaft, Ideen, Schmerz, Eigenständigkeit und irgendwie auch Talent. Vor allem für Mitte der 60er ist das schon ein Brett, dass seiner Zeit voraus war und sowohl in der filmischen Indielandschaft als auch in höchsten Kunstzirkeln Wellen schlagen konnte. Sehr menschlich, wunderschön imperfekt, dennoch mit einigen erstaunlich tollen Augenblicken, Bildern, Farben und Formen. Erotisch und traurig. Echt und erhaben trotz aller Makel. Zwischen Kunstcollage und Seelenstriptease. Ein vollkommen persönliches Projekt. Deutungsvariabel und durchdringend human. Erst recht für Filmschaffende. Authentisch und auf gewisse Weise gleichzeitig angsteinflössend und mutmachend. Ein untergründiges Außenseiterprojekt durch und durch. Für Filmschulen und zum Zurückspulen, zum Fühlen und Sich-durchwühlen. Durchdacht und doch gefühlt grundlegend spontan und unberechenbar. Der Rohschnitt von Achtdreiviertel.
Fazit: ein sehr weirder, unabhängiger und inspirierender Kurzfilm über Träume, Ängste, Wahnsinn, Lust und das Filmemachen. Ungeschliffene und doch in sich perfekte Kunst. Ein Unikat. Von Warhol über Woody Allen bis John Waters hat das eine Menge Leute völlig zurecht beeindruckt.