Review

Roger Cormans Jubiläumsregiearbeit war die Erfüllung eines Wunsches, seine ureigenste Version des Frankensteinmythos. 12 Jahre hatte er nicht mehr selbständig die Anweisungen gegeben und rückwirkend muss man wohl sagen, dass ihm die Pause nicht wirklich gut getan hat.

„Frankenstein Unbound“ ist ein kurioses Kuddelmuddel, ein Mahnmal der Uneinheitlichkeit.
In der Nacherzählung klingt die Storyline durchaus interessant: ein Atomwissenschaftler, der durch eine Art Zeitspalte an den Genfer See versetzt wird, just als die zukünftige Mrs.Shelley über den ersten Kapiteln ihres „Frankenstein“ brütet, während gleichzeitig das Monster schon umgeht und diverse Leute meuchelt.

Leider ist die Umsetzung keinesfalls gelungen. Offenbar Corman zuliebe haben sich zwar eine beachtliche Anzahl von namhaften Mimen zur Mitarbeit genötigt gesehen, aber das Drehbuch bleibt jedoch eine Blättersammlung schnell zusammengetragener Notizen.
Falls irgendwelche philosophischen Ansätze dem Publikum vermittelt werden sollten (immerhin verändert der Hauptdarsteller Buchanan die Realität, bedroht indirekt die Welt mit seinen Erfindungen, versucht am Ende selbst Gott zu spielen), so gehen sie in dem Übermaß an Anspruch kläglich unter.

Sämtliche Handlungsstränge laufen ins Leere und der Erklärungsnotstand wird zum Hauptthema. Die Zeitspalte, die Buchanan (ein überaus energischer John Hurt) versetzt, wird so wenig erklärt, wie ihr Fortbestand im frühen 19.Jahrhundert. Byron und Shelley treten wohl nur wegen ihrer großen Namen auf (immerhin Jason Patric und Michael Hutchence oder sollten die Rollen gemeint gewesen sein?), denn außer nicht erklärbaren mysteriösen Traumwarnungen an Buchanan haben sie keine Funktion.
Mary Shelley selbst taucht auf, bekommt ihr fertiges Buch präsentiert und verschwindet wieder. Das Monster selbst ist schon gegeben, parliert flüssig und satzbaugerecht, weist aber dennoch diverse Wissenslücken auf. Sein Verhältnis zu Frankenstein bleibt das größte Rätsel, denn Raul Julia gelingt es trotz grimmigsten Gesichtsausdrücken nicht, zu verdeutlichen, was er an dem Vieh denn nun so schätzt oder auch wieder nicht.

Diese Holprigkeit verdirbt baldigst das Interesse. Tricktechnisch ist ein wenig Raffinesse eingekehrt, doch auch wenn sorgfältig gemacht, sind die Hintergrundbilder und Matte Paintings doch stets als solche erkennbar. Auch die finalen Studiosets in der Eiswüste schreien einem ihren Ursprung praktisch entgegen.
Das Ende sieht Buchanan als neuen Frankenstein auf eine Eisstadt zulaufen, während das eigentlich schon tote Monster im Off weiter droht. Viel wichtiger wäre gewesen, mal einen Bezug herzustellen, wie oder was oder wo wir denn nun eigentlich hinversetzt worden sind, aber da ist Corman der Faden eh schon verloren gegangen.

Was Corman geschafft hat, ist sicher das prominentest besetzte C-Movie der Geschichte, mit immerhin ordentlichen B-Effekten und netter Ausstattung. Nur das Skript war leider Güteklasse F. (3/10)

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