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von Ghostly Face

Zakato - eine Faust verändert sich

Es war schon merkwürdig, wenn man 1973 die Werbeschlagzeilen zu den sogenannten "Eastern" las. Da war die Rede von "Explosion der Brutalität" oder "Da stockt der Atem - eine Orgie des Tötens!" Das konnte nicht lange gutgehen...Und richtig: Ende 1973 wurde der erste Eastern beschlagnahmt (Wang Yu - sein Schlag war tödlich).

Weitere sollten folgen, und neu in die Kinos kommende Produktionen wurden jetzt dermaßen geschnitten, daß man ohne Übertreibung sagen kann, daß zensurmäßig weder vor- noch nachher in Deutschland jemals so restrektiv gegen Filme vorgegangen worden ist. So hatte der PIRAT VON SHANTUNG (Boxer from Shantung/1972) neben den üblichen Handlungskürzungen der Verleiher sage und schreibe 63 Gewaltschnitte aufzuweisen.

Aber auch einige der Filme, die vorher im Laufe des Jahres 1973 bei uns im Kino liefen, wurden neu "bearbeitet", sprich zensiert - und zwar von den Verleihern selbst.

Und so traf es auch ZAKATO. Bei seiner Erstaufführung am 30.05.1973 hatte dieser Film eine Länge von 2.683 Metern (noch heute nachzulesen im Verleihkatalog 1974, Verlag Horst Axtmann KG) oder aber in der FSK-Freigabebescheinigung. Ein Meter Kinofilm hat eine Laufzeit von 0,03655 Minuten, so daß sich für die damalige Fassung von ZAKATO eine Länge von fast 99 Minuten ergibt. Somit war die damalige deutsche Kinofassung wahrscheinlich die weltweit beste und härteste Version, die bisher bekannt ist. Beispielsweise die Schlagringe, die San Kuai einsetzt - nirgendwo war davon soviel zu sehen außer in Deutschland. Auch die Szene, in der Sun Lan den Boten mit einem Samuraischwert tötet, war in keiner Videofassung enthalten. Am Anfang, als Chen Hsing den Polizisten tötet, ist z. B. in Hongkong zu sehen, wie er ihm seine Hand in den Oberkörper rammt. In der deutschen Bootleg-Version sieht man die andere Hälfte der Szene: Der Polizist rutscht sterbend am Autofenster herunter und verschmiert es mit seinem Blut. Die alte deutsche Kinofassung zeigte beide Szenen hintereinander. Noch 1978 lief die wahrscheinlich völlig ungeschnittene Fassung von ZAKATO im Kino.

Es ist natürlich tragisch, daß von ZAKATO - wie ausgerechnet auch von einigen anderen der besten Eastern - nie eine offizielle Veröffentlichung für den deutschen Heimkinomarkt erfolgte. Alle 35 mm Kopien, die im Besitz von Sammlern sind (die ich kenne), haben leider die fürchterliche ca. 79 Minuten -Fassung erwischt. Da der Verleih aber ja 1978 noch über eine lange Fassung verfügte, kann man davon ausgehen, daß es sich bei den 79-Minuten-Fassungen um sogenannte "Münchener Fassungen" handelt.

Die besondere "Empfindlichkeit" der Münchener Justiz hatte nämlich dazu geführt, daß die Verleiher von ihren Eastern, die zu einem Einsatz in Bayern und insbesondere in München vorgesehen waren, "Spezialfassungen" erstellten. Unglaublich, aber wahr: Für ein Bundesland wurden zusätzlich zu den FSK-Schnittauflagen erhebliche weitere durchgeführt, um Beschlagnahmungen zu vermeiden. Diese Versionen wurden in der Branche wie schon erwähnt "Münchener Fassungen" genannt - und sind heute der Alptraum eines jeden 35 mm-Sammlers, denn er merkt ja erst zu spät, was er erworben hat.

Das ganze wurde seinerzeit natürlich geheimgehalten, lediglich in der Branchenzeitschrift FILMECHO/FILMWOCHE findet sich 1974 ein kleiner Artikel über derlei Machenschaften.

Der Schnitthinweis bei der deutschen Kinofassung ist daher nur mit Einschränkungen berechtigt.

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