Review

Die Kombination aus brillanter Romanvorlage und brillantem Regisseur muss nicht immer ein brillantes Ergebnis haben wie „Manhunter“ zeigt, denn hier prallen zwei Welten aufeinander.
Will Graham (William Petersen) ist FBI-Profiler, doch aus dem Dienst ausgeschieden seitdem er von Dr. Hannibal Lecter (Brian Cox) angegriffen und schwer verletzt wurde. Doch sein ehemaliger Kollege Jack Crawford (Dennis Farina) will, dass er noch einmal ermittelt, um bei der Ergreifung eines Serienkillers, der ganze Familien abschlachtet, mitzuhelfen. Tatsächlich ist Graham so pflichtbewusst, dass er ein Profil erstellen will. Man merkt: Graham ist ein echter Profi mit viel Ehrgeiz, der zwischen Jagdlust und dem Wunsch seine Familie zu beschützen schwankt.
Tatsächlich kann sich Graham besser in den Fall einfühlen als seine Kollegen, doch wirklich entscheidende Hinweise findet er nicht. Um sich in die Psyche des Killers besser hineindenken zu können, besucht er Dr. Lecter im Knast. Doch kann ihm dies wirklich helfen und inwieweit kann er Lecter noch gegenübertreten?

„Manhunter“ ist typisch Michael Mann, der mal wieder mit kalten Bildern, eingängigem 80er Jahre Soundtrack und „Miami Vice“-Optik reinklotzt. So kann „Manhunter“ auch mit sehr atmosphärischen Großstadtaufnahmen aufwarten, die jedoch besser zu Manns Krimiepen und weniger zu einem Serienkillerkrimi passen. Ungewöhnlich, aber eindrucksvoll ist kurze, finale Schießerei, die nicht auf Action setzt, sondern stattdessen mit ihren ungewohnten Art (schnelle Umschnitte, Wiederholungen usw.) Akzente setzen kann.
Ein weiteres Markenzeichen Manns ist es zudem sich nicht kurz fassen zu können. Auch dies weiß bei seinen Großstadtepen „Heat“ und „Collateral“ zu gefallen, doch bei „Manhunter“ sorgt es immer wieder für kleine Längen im Erzählfluss, zumal wichtige Dinge ungeklärt bleiben: Wie sieht die Beziehung von Lecter und der Zahnfee aus? Ist die blinde Reba McClane (Joan Allen), mit der sich die Zahnfee einlässt, nur ein potentielles Opfer oder mehr? Stattdessen schwelgt Mann oft in durchaus schönen, aber oft nichts sagenden Bildern. Bestes Beispiel wären die ausgewalzten Familienszenen, wenn die eigentliche Handlung schon längst vorbei ist.
Dabei hat „Manhunter“ trotzdem einige Vorzüge. Als erstes wäre sicherlich das geschickt aufgebaute Krimipuzzle zu nennen. Graham und die Zahnfee belagern sich, spielen kleine Spiele, in die auch noch Dr. Lecter verwickelt ist, und langsam kann Graham das Puzzle entschlüsseln. Die Wendungen überraschen nicht immer, doch die Handlung hat Potential und hätte mehr Drive, wenn Mann nicht so oft in seinen Bildern schwelgen würde. Doch so wird die spannende Ermittlungsarbeit immer wieder von drögen, wenig aufregenden Passagen unterbrochen.

Die gut aufgelegte Darstellerriege kann hingegen wieder Boden gutmachen. William Petersen hat hier eine seiner besten Rollen, die allenfalls noch von seinen Parts in „C.S.I.“ und „Leben und Sterben in L.A.“ übertroffen wird. Er verleiht dem gebrochenen FBI-Mann viel Profil und lässt „Manhunter“ auch zum Porträt des Helden werden: Graham stellt seine Familie nach dem Zwischenfall über alles, verspürt aber gleichzeitig noch das Jagdfieber und den Wunsch, den Serienkiller dingfest zu machen.
Joan Allen kann hingegen wenige Akzente setzen, während Dennis Farina wie gewohnt überzeugt. Die Rolle des erfahrenen Beamten steht im gut, wie er ja öfter in Filmen wie „Tödliche Nähe“ bewies. Brian Cox ist ein guter Dr. Lecter, auch wenn er Anthony Hopkins natürlich nicht das Wasser reichen kann, und Tom Noonan übt hier schon mal ordentlich für seine Ripper-Rolle in „Last Action Hero“.

Unterm Strich ist „Manhunter“ ein passagenweise sehr spannender, passagenweise ziemlich dröger Thriller. Die tollen Darsteller können zwar noch einige Kohlen aus dem Feuer holen, doch Manns Regiestil erweist sich als unvereinbar mit dem Plot, der nach mehr Drive schreit. Da ist das Remake „Roter Drache“ deutlich spannender, doch ein ganz unterhaltsamer Thriller ist „Manhunter“ trotzdem.

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