Der erste Film, der sich einem Thriller Thomas Harris' annahm, entstand fünf Jahre vor dem wegweisenden "Das Schweigen der Lämmer" und wurde kaum beachtet. Dies liegt weniger an der spannenden Story, als vielmehr an der Tatsache, dass Michael Mann einen etwas ungriffigen Thriller ablieferte, der nur selten die Klasse seines Nachfolgers erreichte. Allerdings macht er auch vieles besser und richtiger als sein Remake "Roter Drache".
Handlung
Der Profiler Will Graham (William Petersen) lebt zurückgezogen mit seiner Familie in Florida und hat den nervenaufreibenden Job seit einem Angriff auf sein Leben aufgegeben. Der Serienmörder Hannibal Lector verletzte ihn schwer, wurde aber trotzdem gefasst.
Als ein weiterer Serienmörder es bei Vollmond auf stereotypische amerikanische Familien abgesehen hat, wird er durch seinen Vorgesetzten Jack Crawford (Dennis Farina) überredet, sich dem Fall anzunehmen.
Mit Hilfe des inhaftierten Lector versucht Graham den Täter zu identifizieren und seinem Treiben vor dem nächsten Vollmond ein Ende zu bereiten.
Kritik
Im Vergleich zum Remake gibt es zahlreiche Unterschiede, die aber oftmals zum Vorteil für Michael Manns Version gereichen. So bleibt die Psychologisierung der Figuren etwas freier und weniger plattgekloppt als in "Roter Drache", der doch zu sehr auf den bis dahin zur Kultfigur avancierten Hannibal Lector zugeschnitten wurde. Daher ergeben sich auch einige Unterschiede beim Plotverlauf, die zu zwei unterschiedlichen Enden des Films führen. "Blutmond" erweist sich dabei als unaufgeregter und gradliniger und funktioniert im Wesentlichen über den sich in den Täter hineinversetzenden Profiler und eine recht interessante Täterfigur, der im Film eine menschliche Entwicklung zugestanden wird.
Dies ist auch im Remake so angelegt, jedoch schafft die Regie es im Original, durch ihre Eigenart eine Atmosphäre zu schaffen, die den Film als Werk Manns zu erkennen gibt und daher insgesamt einen bleibenderen Eindruck hinterlässt. Musikflächen in sphärischen Synthesizerklängen, Sonnenuntergangs- und aufgangslicht in violetten und orangen Tönen, ein etwas reduziertes Tempo - das kann Michael Mann wie kein zweiter, egal ob in "Miami Vice" oder "Heat", ich finde diese Machart immer grundsätzlich fesselnd.
Jedoch verliert sich der Film auch oft in dieser Machart und vernachlässgt so etwas die Spannungsschraube anzudrehen. Bei einem Thriller ist das unverzeihlich, denn über weite Strecken zieht "Blutmond" den Zuschauer mehr über die Bilder als über die Mörderjagd in den Bann, obwohl die Vorlage da mehr geboten hätte. Im Remake hingegen wurden diese Dinge in Hollywoodmanier allerdings wieder zu konventionell umgesetzt, ohne überhaupt eine Atmosphäre aufzubauen.
Ein weiterer Schwachpunkt ist sicher der Hauptdarsteller William Petersen, der leider sehr uncharismatisch ist und einen wenig bleibenden Eindruck hinterlässt. Da der Plot im Wesentlichen auf dem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Täter und Jäger basiert, geht hier klar Qualität verloren. Auch die anderen Darsteller liefern allenfalls Durchschnittskost ab. Nur Tom Noonan als psychopathischer Mörder im Wechselbad der Gefühle kann einen positiven Eindruck hinterlassen. Gepaart mit der etwas blassen Erzählweise Manns in Bezug auf den Hauptplot, erweist sich "Blutmond" im Endergebnis leider nur als Mittelmaß.
Fazit
"Blutmond" ist ein Thriller, der mehr über die Machart als über die Handlung funktioniert, was eigentlich genreuntypisch ist. Die schwüle Atmosphäre vermittelt Michael Mann wie kein Zweiter, die eigentlich spannende Handlung geht aber teilweise in einer schönen Kameraarbeit und wegen blasser Akteure unter. Eine Mischform aus Original und Remake wäre wohl das Optimum für den Roman gewesen, der mehr verdient hätte, als die beiden Filme für sich gesehen.