Im Vorspann heißt es: "Dies ist kein schönes Märchen..."
Das stimmt. Der ganze Film ist wirklich ein Märchen: Skurrile Charaktere, zauberhafte Welten und Kulissen, fantasievolle Gestalten und die typische Gegenüberstellung von Gut und Böse. Man sollte allerdings kein Aschenputtel oder Dornröschen erwarten.
Um es kurz zu sagen: Die FSK-Freigabe ab 6 Jahren finde ich absolut unpassend. Ein FSK12-Siegel wäre hier schon angebrachter gewesen. Denn die von Regisseur Brad Silberling erschaffene, sehr düster gewordene Welt könnte dem ein oder anderen kleinen Dötz im Kino doch ein bißchen zu viel Angst einjagen. Da gibt es Riesenschlangen (starker Schockeffekt!), menschenfressende Blutegel, einen herrlich fiesen Jim Carrey und für einen FSK6-Film doch zu viele Tote, auch wenn hier nichts explizit dargestellt wird.
Der Film an sich lebt wie gesagt von seinen genialen Kulissen. Der in etlichen Kritiken gezogene Vergleich zu Werken Tim Burtons ist mehr als berechtigt. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich ihm dieses Werk oder langes Zögern zuschreiben. Doch Regisseur Brad Silberling kopiert hier nicht stumpf, sondern bringt durchaus seinen eigenen Stil ein. Er schafft hier eine Atmosphäre, die das Herz eines jeden Fantasy-Fans höher schlagen lässt. Wenn man dann auch noch auf ein typisch übertriebenes Hollywood-Happy-End verzichten kann, ist hier genau richtig!
Und Jim Carrey ist ein absoluter Genuss! Die Rolle des abgedrehten Graf Olaf ist ihm praktisch auf den Leib geschrieben! Obwohl er hier auch seine bekannte Gesichtsakrobatik zum Besten geben darf, wird dies nach einiger nicht zur Nerverei wie in den meisten seiner Slapstick-Rollen.
Lange Rede, kurzer Sinn:
"Lemony Snicket's Rätselhafte Ereignisse" ist sowohl eine wahre Freude für Fantasy- und Märchenfans, als auch für diejenigen unter uns, die zwar immer noch nicht erwachsen geworden sind, aber mal nach Abwechslung zur handelsüblichen Disney-Kost suchen...
8/10 Punkte